
Bischof Felix Genn bei seiner Predigt während der Amtseinführung.
Felix Genn ist neuer Bischof von Münster
In der Spur des Glaubens bleiben
Bistum. Der Bischofsstuhl im St.-Paulus-Dom in Münster ist wieder besetzt; das Bistum hat einen neuen Bischof: Felix Genn ist am Sonntag (29.03.2009) als 76. Bischof von Münster eingeführt worden. Mehrere Tausend Menschen verfolgten den feierlichen Gottesdienst im Dom, der auch in die benachbarten Kirchen Liebfrauen-Überwasser und St. Lamberti übertragen wurde.
In seiner Predigt verwies Bischof Felix Genn auf den ersten Bischof von Münster, den heiligen Liudger: "Ich trete in die Spur seiner Sendung ein, Christus zu verkündigen." Der Grundauftrag der Kirche sei, "Menschen zu helfen, Jesus kennen zu lernen", sagte Genn. "Von ihm her ergibt sich alles Weitere." Die Kirche sei "nicht in erster Linie eine Agentur für Werte und Sinnfragen", sondern "zuerst Verweis auf Jesus, Ort seiner Gegenwart und der Gemeinschaft mit ihm". Sie habe den Auftrag, den Menschen den Blick für Christus zu öffnen und sie zu ihm zu führen. Denn: "Wer ihn findet, findet das Leben."
Kirche ist Verweis auf Jesus
Christus lade die Menschen ein, in seine Fußstapfen zu treten, in der Spur des Glaubens und der Sendung des heiligen Liudger zu bleiben. "So verkünden wir das Leben", sagte Genn, "das Leben, das den Tod besiegt, mich auch in meiner tiefsten Einsamkeit mit der Gemeinschaft der Glaubenden verbindet, die Welt von innen her heilt wie ein verborgener Keim". Ohne Verfallsdatum gebe das Leben dem Menschen eine Antwort, "die wahr ist und deshalb gut".
Genn verwies auf den seligen Clemens August von Galen und dessen Botschaft, dass es kein "lebensunwertes" Leben gebe. "Die Würde des Menschen vom Anfang bis zum Ende, die Würde jedes Menschen, des Behinderten wie des Gesunden ist unantastbar, weil Gott sie garantiert", betonte der Bischof. "Dafür hat Jesus mit seinem Leben gezahlt." Dafür habe auch der heilige Liudger sein Leben gegeben und Clemens August sich eingesetzt. "Das ist das Fundament der Kirche, auf dem wir unsere Gesellschaft gestalten für alle Menschen, besonders für die, deren Leben bedroht ist - am Anfang und am Ende zumal." Er bitte an diesem Tag darum, "dass ich mit Ihnen allen in dieser Spur des Glaubens bleiben kann, dass wir uns gegenseitig helfen, in ihr zu bleiben".
Treueversprechen
Das Amtscharisma des Bischofs bestehe darin, "den apostolischen Ursprung der Kirche zu vergegenwärtigen", sagte der Kölner Erzbischofs, Kardinal Joachim Meisner, zu Beginn der Feier. Unter großem Applaus der Gottesdienstbesucher dankte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Périsset, Bischof em. Reinhard Lettmann und Diözesan-Administrator Weihbischof Franz-Josef Overbeck für ihren Dienst und überreichte Bischof Genn die Ernennungsurkunde von Papst Benedikt XVI..
Nachdem das Domkapitel sich von der Rechtmäßigkeit der Urkunde überzeugt hatte, verlas Dompropst Josef Alfers die deutsche Übersetzung des Schreibens. Den Bischofsstab überreichte Bischof em. Reinhard Lettmann seinem Nachfolger mit den Worten: "Führe uns mit diesem Stab zum Leben, dem kommenden Christus entgegen." Dann nahm Felix Genn auf dem Bischofssitz, der Kathedra, Platz.
Der Dompropst versicherte dem 76. Bischof von Münster für alle Stände Treue, Gehorsam und Ehrfurcht und die Bereitschaft, "unter Ihrer Leitung als unser Bischof in der Kirche von Münster das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen". Anschließend traten vor den Bischof auch das Domkapitel und die Domvikare sowie Vertreter der Priesterschaft, der Diakone, Pastoralreferenten, Religionslehrer, der Caritas, Vertreter des Diözesankomitees der Katholiken stellvertretend für alle Verbände, Vertreter der Jugend und der Kongregationen bischöflichen Rechts.
Internationale Gäste
An der Amtseinführung nahmen zahlreiche Gäste teil, darunter mehr als 60 Bischöfe aus dem In- und Ausland. In einem Grußwort verglich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, Bischof Genn mit dem Apostel Paulus: Wie Paulus sei Genn Missionsreisender und habe jetzt im Paulus-Bistum eine neue Heimat gefunden. Ebenso fühle sich Genn seinem Vorgänger Liudger verpflichtet. "Auch er hatte viele paulinische Eigenschaften an sich, so wie du", sagte Zollitsch. "Du passt einfach hierhin."
Genn werde als Bischof gefragt sein, "auf die pastoralen Fragen und Nöte der Menschen eine Antwort zu geben", sagte Zollitsch. "Der Bischof in dieser Zeit muss die Stimme in der Gesellschaft erheben und wie Paulus den Mut haben, das rechte Wort zur rechten Zeit zu sagen." Die Menschen in Münster nähmen Genn freudigen Herzens auf: "Man ist gespannt auf den neuen Bischof, und man setzt große Hoffnungen in dich, gerade in neue Impulse für die Gemeinden und die Katechesen." Zollitsch dankte auch Bischof Lettmann für dessen "langen und segensreichen Dienst an der Kirche und den Gläubigen im Bistum Münster".
Verbundenheit und Unterstützung
Der nordrhein-westfälische Ministrapräsident Jürgen Rüttgers sprach Bischof Genn seine Verbundenheit aus und sicherte ihm seine Unterstützung zu. Es gebe ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und festem Boden unter den Füßen, sagte Rüttgers. "Ich bin froh, dass Münster in Bischof Genn einen Hirten bekommt, der diesen Boden vermitteln kann", so der Ministerpräsident: "Mit seiner ruhigen, zuhörenden Art. Der Perspektiven zu geben vermag."
Der neue Bischof von Münster bedankte sich zum Schluss des Gottesdienstes und gab bekannt, dass er Prälat Norbert Kleyboldt zu seinem Generalvikar und Prälat Martin Hülskamp zum Offizial bestimmt habe. Ebenso bleibt Weihbischof Heinrich Timmerevers weiterhin Bischöflicher Offizial in Vechta.
Musikalische Gestaltung
Die Chöre der Dommusik und das Kourion-Orchester Münster unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf gestalteten die Feier musikalisch. Zu hören waren unter anderem Teile des Oratoriums "Paulus" von Felix Mendelssohn-Bartholdy und das "Te Deum" von Anton Bruckner.
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Dokumentiert: Die Predigt von Bischof Genn
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Text: Almud Schricke | Foto: Dirk Bauer
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