
Felix Genn (re.) im Gespräch mit Weihbischof Timmerevers am Tag von dessen Bischofsweihe.
Weihbischof Heinrich Timmerevers über Bischof Felix Genn
Offen und transparent handeln
Bistum. Das kirchliche Leben befindet sich im Umbruch – mit Auswirkungen auch auf die Ämter und Dienste. Die Kommission IV für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der Deutschen Bischofskonferenz beschäftigt sich mit diesen Fragen. Ihr Vorsitzender: Bischof Felix Genn. Eines der Mitglieder ist Weihbischof Heinrich Timmerevers.
Durch die gemeinsame Kommissionsarbeit konnte Timmerevers den neuen münsterschen Diözesanbischof aus nächster Nähe erleben und einschätzen. Aber er betont, dass dies keineswegs zwangsläufige Rückschlüsse auf Genns neue Leitungstätigkeit in Münster zulasse. "Der Bischof wird seine eigene Art finden, wie er das Bistum Münster leiten wird", stellt Timmerevers klar.
Wie ist "der Neue"?
Dennoch die Frage: Wie ist "der Neue"? Wie leitet er die Kommission? Kann man seinen Stil beschreiben? Weihbischof Timmerevers zögert, will seinen neuen "Chef" nicht festlegen, ist aber gern bereit, persönliche Einschätzungen der Zusammenarbeit zu geben.
"Bischof Genn ist jemand, der genau hinhört und hinschaut, um zu erkennen, wie die Situation ist. Schauen und hören und dann suchen, wo Ermutigung und Stärkung vonnöten sind – so habe ich ihn in der Kommission der Bischofskonferenz erlebt," erzählt der Vechtaer Offizial.
"Gabe der Synthese"
Die "Gabe der Synthese" besitze Genn; sein Arbeitsstil sei offen, transparent und kooperativ. Für seine eigenen Ansichten werbe er, und er erkläre seine Auffassung. Durch Fragen versuche er seine Zuhörer mitzunehmen in den Prozess der Erkenntnis. Zielführend sei dies, und gewonnene Erkenntnisse setze er um in Entscheidungen.
Genn wolle erspüren, wo geistliches Leben ist und wie man es fördern könne. Beeindruckt zeigt sich der Weihbischof, wie Genn "als wirklich guter Theologe" das Erkannte einordne, um es theologisch und geistlich zu bewerten. "Zugleich ist er wirklich erdverbunden", betont Timmerevers und verweist auf dessen bäuerliche Herkunft – eine Gemeinsamkeit beider, auch Timmerevers Eltern waren Landwirte.
Aus einer geistlichen Tiefe
Als Genn vom Papst zum Bischof von Münster ernannt wurde, charakterisierten ihn viele als "geistlichen Menschen" – was heißt das genau? "Der Bischof lebt aus einer geistlichen Tiefe und hat geistliche Kraft", stellt auch Timmerevers heraus.
Und genauer? "Christus ist alles" – auf diese Kurzformel bringt es der Vechtaer Weihbischof. Alles sei mit Christus in Verbindung zu bringen, das gesamte Leben und der normale Alltag stehen in Wechselbeziehung zu ihm. "Was Bischof Genn sagt, ist biblisch fundiert, und er hat uns oft im Gespräch mit an seine geistlichen Tankstellen genommen."
"Kein Recht zu klagen"
Timmerevers erzählt von einer zunächst ganz gewöhnlichen Begegnung. "Ich habe ihn bei der Begrüßung gefragt, wie es ihm gehe. Darauf hat mir der Bischof gesagt: Wir haben kein Recht zu klagen!" Dies entspreche seiner tiefen Christusbeziehung: "Jesus hat die Welt erlöst und wir sind in seiner Nachfolge – kann es da einen Grund zur Klage geben?"
Natürlich könne man dann sagen, dass einem Schmerzliches widerfahren sei, und es gebe auch Grund zum Stöhnen, aber alles werde erhellt durch die größere Perspektive, "die wir gewinnen von Christus her und auf ihn hin". Dies lasse anders auf Probleme schauen, denn diese nähmen einen nicht mehr gefangen.
Rolle der Seelsorger
Die Arbeitsfelder der Kommission sind nach Darstellung des Regionalbischofs für den Offizialatsbezirk Oldenburg umfangreich. Timmerevers skizziert sie: Bei den pastoralen Laiendiensten werde deutlich, dass sie für immer mehr Aufgaben gebraucht würden. Die Frage sei, ob sich diese als Laiendienste profilierten oder "Ersatzpriester" werden wollten.
Die Neuordnung der Seelsorgestrukturen in allen deutschen Diözesen verändere aber auch Rolle und Aufgaben der Priester. Die Frage sei, wie diese statt als "Pastoral-Manager" mehr als "Männer Gottes" geistlich leben und leiten könnten. Für Laien und Kleriker in den Pfarreien gelte überdies, dass Seelsorge nicht mehr ohne Teamarbeit möglich sei. Sie sei unumgänglich, "denn ein Charisma allein hält die Gemeinde nicht lebendig".
Prophetisches der Orden
Die Zukunftsfrage stellt sich nach Meinung von Timmerevers angesichts eines immer höheren Durchschnittsalters für immer mehr Ordensgemeinschaften. So fragt man derzeit in der Bischofskonferenz nach dem Prophetischen der Orden und was sie den Gemeinden sagen könnten.
Eine ähnliche Fragestellung gelte auch für die geistlichen Gemeinschaften und kirchlichen Bewegungen: "Wie ist ihr Platz in den Ortskirchen, und wie können sie diese beleben?"
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Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv
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