
Diözesan-Administrator Franz-Josef Overbeck: "Was für Liudger vor 1200 Jahren galt, gilt heute für uns."
Pontifikalamt am 1200. Todestag des heiligen Liudger
"Den Armen heute das Evangelium verkünden"
Billerbeck / Bistum. Es war ein Tag der Begegnungen. Aus zahlreichen Städten und Kirchengemeinden kamen die Menschen zusammen. Ein gemeinsames Anliegen führte sie nach Billerbeck: die Verehrung des heiligen Liudger, dessen Todestag sich am 26. März zum 1200. Mal jährte.
Allein aus Essen-Werden waren knapp 200 Wallfahrer zum Sterbeort des ersten Bischofs von Münster gekommen. Aber auch aus anderen Städten und Gemeinden – unter anderem aus den Niederlanden – waren sie zum Billerbecker Ludgerus-Dom gepilgert, um am Sterbeort des Heiligen zu beten und gemeinsam an seinem Fest Gottesdienst zu feiern.
Arme – Evangelium – Heute
Zu diesem waren überdies Bischof em. Reinhard Lettmann ebenso wie Vertreter des münsterschen Domkapitels gekommen. Diözesan-Administrator Weihbischof Franz-Josef Overbeck, der mit Gläubigen das Pontifikalamt feierte, hielt beim Einzug in das vollbesetzte Gotteshaus in stillem Gebet am Altar der Sterbekapelle inne. Gemeinsam mit der Gemeinde betete er erstmals das Gebet zum Jubiläumsjahr.
In seiner Predigt schlug Overbeck den Bogen vom Evangelium (Lukas 4) über das Wirken des heiligen Liudger zum Leben der Gläubigen in der heutigen Zeit, in der sich viel "Armut" fände. "Die Armen sind nach Lukas nicht nur die materiell Armen, sondern auch all die, die Gottes bedürftig sind, die nach Wegen zur Fülle des Lebens und nach Wegen zum Heil suchen", sagte Overbeck. Das Evangelium fasse die Programmatik der Botschaft Jesu in drei kurze Worte: Den Armen heute das Evangelium zu verkünden. "Es geht um die 'Armen'; es geht um das Evangelium; es geht um das 'Heute'. Was für Liudger vor 1200 Jahren galt, gilt heute für uns."
"Unsere Wurzeln neu entdecken"
Der heilige Liudger sei aufmerksam gewesen für seine Vorfahren und geistlichen Väter, denen er immer eine tiefe Verehrung entgegen gebracht habe. Zu den großen Herausforderungen unserer Zeit gehöre es, sich auf die Wurzeln zu besinnen und nicht nur dem verflüchtigenden Jetzt und dem unbestimmt bleibenden Zukünftigen zuzuwenden. Liudger war ein Zeuge, der die Geschichte des Christentums und der Kirche mit Mut weitergetragen habe. "Wir müssen unsere Wurzeln neu entdecken. Unser Gestern gehört in das lebendige Heute", betonte der Weihbischof.
Ein weiterer Aspekt im Leben des heiligen Liudger sei seine Bildung gewesen. Doch gehe es damals wie heute nicht nur um das Aneignen von Wissen, sondern um die Bildung des Herzens und des Verstands. "Bildung braucht den hörenden Menschen. Es braucht Menschen, die die Wege der Demut und Hingabe gehen im Kleinen des Alltags, im Einander mit vielen Menschen, erst recht im Weg zu Gott."
Amoklauf in Winnenden
Die fürchterlichen Ereignisse des Amoklaufs in Winnenden hätten gezeigt, wozu ein Mensch fähig sei, der auf Gewalt setze und Leben auslösche. "Ein Grund für solche Haltungen liegt oft in großer Armut, nämlich im Mangel an geistlicher Bildung, an Herzensbildung und an Verstandesbildung, die zusammen kommen, zugleich wohl auch im Mangel an der Erfahrung vom Mitgetragen sein durch viele", sagt der Bischof.
Ohne die missionarische Tätigkeit des heiligen Liudger wäre die Kirche in der Region nicht eingewurzelt. Die Veränderungen heute träfen die Kirche in ihrem Innersten. Die Herausforderungen seien vielfältig. "Ermutigt werden wir dadurch, dass viele Christen als Betende und als von der Missionsfähigkeit und Notwendigkeit des Glaubens und der Kirche Überzeugte leben", so Overbeck.
Empfang von Gemeinde und Stadt
Beim vorhergehenden Empfang der Pfarrgemeinde und der Stadt Billerbeck hatte Propst Hans-Bernd Serries die Frage gestellt, ob ein Todestag überhaupt ein Festtag sein könne. "Denn das Sterben macht eigentlich Angst. Aber ein Todestag bedeutet gleichzeitig der Geburtstag zum ewigen Leben. Und wer – wie der heilige Liudger – in der Spur des Glaubens gegangen sei, wisse um diese Aussicht." Diese Spur des Glaubens müsse heute weiter getragen werden. Der Glaube an Jesus Christus sei eine bezeugte Erfahrung, die den Menschen anvertraut worden sei, um sie weiterzugeben.
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Dokumentiert: Predigt von Diözesan-Administrator Overbeck
Dossier: Liudger
Übersicht: Weihbischof Franz-Josef Overbeck
Gebet im Jubiläumsjahr 2009
Gott, du Hirte deines Volkes,
du hast den heiligen Liudger berufen, den Menschen in unserem Land das Licht des Glaubens zu bringen.
Voll Mut und Überzeugung verkündete er unseren Vorfahren deinen Sohn Jesus Christus und führte sie hinein in die große Gemeinschaft der Kirche.
Wir danken dir für das Zeugnis seines Lebens und seines Glaubens.
Heute ist uns aufgetragen, das Andenken dieses großen Missionars
und Bischofs zu bewahren und die Flamme des Glaubens an die kommende Generation weiterzugeben.
Wir bitten dich: Lass unsere Familien, unsere Gemeinschaften und Gemeinden lebendige Zellen des Glaubens in unserer Zeit sein.
Ermutige junge Menschen, deinem Ruf ins Priestertum und ins Ordensleben zu folgen.
Gib allen Gläubigen die Kraft, sich in Wort und Tat für das Evangelium einzusetzen.
Schenke unseren Gemeinden, unserem Bistum Münster und der ganzen Kirche deinen missionarischen Geist.
Gib uns allen Kraft und Zuversicht, unsere Lebenswege in der Spur des Glaubens zu gehen und die Welt aus dem Glauben zu gestalten.
Auf die Fürsprache des heiligen Liudger begleite uns und stärke uns.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe
27.03.2009
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