
Priesteramtskandidat Fabian Bocklage.
Priesterseminarist Fabian Bocklage:
"Das Beste, was mir bislang passiert ist"
Münster. "Es ist das Beste, was mir bislang passiert ist", sagt Fabian Bocklage über seine Berufung. Der 23-jährige Theologiestudent aus Ahlhorn wohnt seit dem Wintersemester 2007 im münsterschen Priesterseminar und bereitet sich dort gemeinsam mit 48 Kommilitonen auf den priesterlichen Dienst vor. Im Interview mit "kirchensite.de" erzählt Fabian Bocklage, wann er seine Berufung entdeckt hat, welche geistlichen Vorbilder ihm vorangegangen sind und welche Vorstellungen er von einer Zukunft im Dienst an Gott und den Menschen hat.
kirchensite.de: Wann haben Sie sich entschieden, den Weg ins Priesterseminar anzutreten?
Fabian Bocklage: Die letztgültige Entscheidung, den Weg ins Priesterseminar zu wagen, habe ich erst während des ersten Semesters getroffen. Zunächst habe ich ein Semester Theologie studiert, ohne dabei im Seminar zu wohnen. Die ersten ernsthaften Gedanken gehen schon in meine Schulzeit zurück. Auf dem Kolleg St. Thomas in Vechta habe ich mich in einem geistlichen Umfeld auf das Abitur vorbereiten können. Während der Zeit im Deutsch- und Religions-Leistungskurs ist da ein bestimmtes Zukunftsbild nach und nach zusammengewachsen. In der frühen Seminarszeit hat sich das Bild bei stärkerer Reflektion des Glaubens und der Berufung Gott sei Dank verfestigt.
kirchensite.de: Gab es bestimmte Erlebnisse oder Erfahrungen, die Sie auf Ihrem Weg beeinflusst oder bestärkt haben?
Bocklage: Ich war seit meiner frühen Kindheit immer ein Kirchgänger und bin katholisch erzogen worden. Ich kann auch mit Fug und Recht behaupten, immer aus freien Stücken zur Kirche gegangen zu sein. Es hat mir immer etwas gegeben, die Messe mitfeiern zu dürfen - sei es nur das Gefühl, ein Teil von etwas zu sein. Während meiner Zeit in der Kolpingjugend habe ich erfahren: Man kann den Glauben auch im alltäglichen Leben ausleben und man kann Glaubensinhalte greifbar und erfahrbar machen. Auch im Hinblick auf meine Berufung schöpfe ich noch immer Kraft aus dieser Zeit meiner aktiven Verbandsarbeit.
"Ja, das passt zu mir"
kirchensite.de: Was verbinden Sie ganz persönlich heute mit dem Begriff Berufung?
Bocklage: Meine eigene Berufung erkenne ich gegenwärtig daran, dass ich jeden Morgen aufstehe und sagen kann: Ja, das passt zu mir. Ich empfinde eine tiefe innere Zufriedenheit und fühle mich von Gott getragen. Kurz gesagt: Meine Zufriedenheit ist eine Bestätigung für meine Berufung. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass Gott mir einen anderen Weg weisen würde, wenn dieser jetzige Weg doch nicht der richtige sein sollte.
kirchensite.de: Kann man Ihrer Ansicht nach zeitgemäß noch von Berufung sprechen?
Bocklage: Ich würde sogar sagen, dass in jedem Menschen irgendwo eine Berufung spürbar ist. Wir sind freie Menschen und jeder von uns entscheidet, ob er daran glaubt oder nicht, ich aber glaube, dass Gott für jeden Menschen einen Plan hat. Es ist nur unsere Aufgabe, ihn zu suchen und zu finden.
Dem Herrn nah sein
kirchensite.de: Können Sie Ihre persönliche Berufung in einem Satz zusammenfassen?
Bocklage: Meine Berufung ist das Beste, was mir bisher passiert ist, weil ich an jedem Tag merke, wie nah ich in meiner Arbeit mit den Menschen dem Herrn sein kann.
kirchensite.de: Haben Sie in Ihrer bisherigen Zeit im Priesterseminar Austausch über Berufungen erlebt? Sprechen die Seminaristen untereinander über Berufung?
Bocklage: Ja, wir sind schließlich alle hier im Priesterseminar, weil wir etwas gespürt haben. Es scheint mir, als sei jede Berufung jedoch zunächst einmal unterschiedlicher Natur. Unter den Seminaristen finden sich schließlich nicht ausschließlich Menschen meines Alters. Wir haben hier ja auch Priesteramtskandidaten, die bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung hinter sich haben. Es gibt also Leute, die Berufung in einer ganz anderen Weise erlebt haben als ich zum Beispiel. Berufung ist immer auch ein stückweit etwas Individuelles.
kirchensite.de: Und wie sieht es in Ihrem privaten Umfeld außerhalb des Seminars und der Universität aus?
Bocklage: Ich bin regelrecht dazu angehalten, in meinem privaten Freundeskreis über meine Berufung zu sprechen. Alte Weggefährten wollen schließlich wissen: Warum macht er das? Da ist es aus meiner Perspektive sehr wichtig, die Berufung offen zu thematisieren. Damit räumt man dann auch mögliche Vorbehalte aus dem Weg. Ich bemühe mich immer wieder zu zeigen, wie viel Spaß ich am Leben habe - dank meiner Berufung.
Hoffentlich ein guter Priester
kirchensite.de: Wo sehen Sie sich selbst in 15 Jahren?
Bocklage: Hoffentlich bin ich dann ein guter Priester, der verständlich und menschlich das Wort Gottes verkünden kann und mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Ich möchte selbst erkennen, dass ich den Menschen diene, ihnen Gott näherbringe. So wie Gott mich berufen hat, möchte ich meine Fähigkeiten und mein äußeres Wesen in seinen Dienst stellen. Und ich möchte noch immer jeden Morgen glücklich und zufrieden aufwachen.
kirchensite.de: Was würden Sie den jungen Menschen mit auf den Weg geben, die zögern und zweifeln, ob sie ihrer Berufung wirklich folgen sollen?
Bocklage: Man kann und darf auch mit Fragen im Kopf den Weg angehen. Im Priesterseminar gibt es sehr gut ausgebildete Menschen, die gerade jungen zweifelnden Männern helfen, die offenen Fragen zu beantworten. Es ist meiner Ansicht nach auch keine Schande, wenn jemand erst nach einer gewissen Zeit erkennt: Es ist nicht meine Berufung. Man kann Christus schließlich auch in anderer Weise dienen, etwa als Familienvater.
kirchensite.de: Haben Sie Vorbilder im Glauben und im Dienst?
Bocklage: Keine Lebenden. Aber es gibt doch Menschen, die mir vorangegangen sind und die mich geprägt haben. Zum einen denke ich aufgrund persönlicher Erfahrungen sofort an Adolph Kolping. Er hat in seinem priesterlichen Dienst nahezu alles richtig gemacht. Er war für die Menschen da - und das immerwährend mit Gott an seiner Seite. Eine gute Lebensskizze erkenne ich auch im heiligen Franziskus. In allen Dingen wollte er Gott finden, ihn schließlich begreifbar machen. Wenn ich dann an Kolpings Ausspruch 'Wer Mut zeigt, macht Mut' denke, bin ich auch schnell beim Seligen Clemens August Kardinal von Galen. Er hat bei aller Spiritualität noch ein rechtes Maß an Normalität und Gerechtigkeitssinn bewahrt. Die Lebensbilder dieser großen Figuren nehme ich für mich auf. Ich bleibe aber Fabian Bocklage und werde nie ein Plagiat solcher Vorbilder sein.
kirchensite.de: Wer ist Jesus Christus für Sie?
Bocklage: Er ist für mich zugleich Freund und großer Bruder. Großer Bruder deshalb, weil ich ihm einerseits nachfolgen kann und er mir gleichsam als Vorbild gegenübersteht. Ich schaue zu ihm auf, er gibt mir als großer Bruder Kraft und Lebensfreude.
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