
Brigitte Renne (v.l.), Monika Niesel und Stephanie Lichters sind geweihte Jungfrauen. Propst em. Heinrich Remfert ist vom Bischof beauftragter Mentor für die Jungfrauen im Bistum Münster.
Geweihte Jungfrauen führen ein eheloses Leben in der Nachfolge Jesu
Leben als "Braut Christi" in der Welt
Bistum. Johannes Paul II. hat 1997 den "Tag des geweihten Lebens" mit dem Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar verbunden. Im Mittelpunkt des Tages stehen der Dank und das Gebet für die Frauen und Männer, die sich in besonderer Weise Christus geweiht haben. Das sind Mitglieder von Orden, apostolischen Gemeinschaften, Säkularinstituten und die geweihten Jungfrauen, die als "Braut Christi" ein eheloses Leben in der Nachfolge Jesu führen.
Jungfrauenweihe? Das hörte sich für Stephanie Lichters zunächst merkwürdig an. "Der Begriff hat mich abgeschreckt", erinnert sich die 37-jährige Pastoralreferentin, die in der Diözesanstelle Berufe der Kirche im Bischöflichen Generalvikariat in Münster arbeitet.
Schon früh sei ihr klar gewesen, dass ihre Zukunft nicht auf Ehe und Familie hinausläuft. Aber auch ein Leben in einem Kloster kam für sie nicht in Frage. "Ich war lange auf der Suche", sagt Lichters, bis ihr eine Freundin vom Stand der geweihten Jungfrauen erzählte. "Das hat mich nicht losgelassen." Schon am nächsten Tag machte sie sich auf die Suche nach mehr Informationen. "Ich hatte nicht viel Material und wusste doch nach ziemlich kurzer Zeit: Das ist es!" Im Oktober 2002 empfing sie in Detmold die Jungfrauenweihe.
Suche nach einer geeigneten Lebensform
Erfahrungen, die auch Brigitte Renne aus Warendorf gemacht hat. Auf der Suche nach einer geeigneten Lebensform, sich in den Dienst Gottes nehmen zu lassen, hat sie sich verschiedene Klöster angesehen. Einen geistlichen Ort fand sie in der Benediktinerinnenabtei in Dinklage, wohin sie sich wiederholt zu Exerzitien zurückzog. Doch in ein Kloster wollte die inzwischen pensionierte Lehrerin damals nicht eintreten. "Das schien mir nach der langen Zeit der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit nur schwer vorstellbar. Auch waren mir mein Beruf, besonders der Einsatz für die Schüler und Schülerinnen, und mein Engagement in Gemeinde und Diözese sehr wichtig geworden", sagt Brigitte Renne.
Im Kloster Dinklage hörte sie das erste Mal von der Jungfrauenweihe für "Frauen, die in der Welt leben". Nachdem sie sich intensiv mit dieser Lebensform vertraut gemacht hatte, war für sie klar, das gefunden zu haben, wonach sie so lange gesucht hatte. Beim Weihegottesdienst im Januar 1998 in Kloster Dinklage versprach sie Bischof Reinhard Lettmann in die Hand: "Vor Ihnen, Herr Bischof, und vor dem ganzen Volk Gottes verspreche ich, mit Gottes Hilfe in der Lebensform der Ehelosigkeit Christus nachzufolgen."
Weg im Kloster war nicht der ihre
Sieben Jahre später gab auch Monika Niesel dieses Versprechen und ließ sich in Dinklage weihen. Ähnlich wie Brigitte Renne fand die Lehrerin aus Münster erst auf Umwegen den Weg zur Jungfrauenweihe. "Ich bin zunächst einen längeren Weg in einer benediktinischen Gemeinschaft mitgegangen." Doch dieser Weg war nicht der ihre: "Das Leben mehrerer Frauen auf engem Raum bringt doch Schwierigkeiten mit sich."
Anders als Ordenschristen leben die geweihten Jungfrauen "in der Welt". "Man ist als Virgo nirgendwo eingebunden", erklärt Monika Niesel. Als sie sich über die Jungfrauenweihe informierte, las sie den Satz: "Die Virgo ist in eine besondere Einsamkeit gerufen." Für sie ein "Aha-Erlebnis": Ihr Vorname Monika bedeute übersetzt "die Einsame", "Einzelne" oder auch "Einsiedlerin". In diesem Sinn versteht sie ihre Berufung: "auf Gott gerichtet zu sein und nicht zu versuchen, die Einsamkeit anders zu stillen".
Kontemplative Lebensform
Der Stand der geweihten Jungfrau sei eine "zutiefst kontemplative Lebensform", sagt Stephanie Lichters, eine besondere Herausforderung im Alltag: "Es gibt keine Glocke und keine Mitschwestern, die mich an die Gebetszeiten erinnern." Die Virgo soll täglich das kirchliche Stundengebet beten, vor allem Laudes und Vesper, und regelmäßig an der Eucharistiefeier teilnehmen. Diese Gebetszeiten seien "ein Gerüst, das den Alltag trägt", sagt Monika Niesel. Viele Menschen würden im Stand der geweihten Jungfrau einen Verzicht auf Ehe, Familie und Kinder sehen, hat Stephanie Lichters erfahren. Doch für sie ist es "eine positive Entscheidung. Ich habe mich für diese enge Beziehung zu Jesus Christus entschieden", betont sie.
"Die Herausforderung ist, die Lücke der Ehelosigkeit als Raum der Gottesbegegnung neu zu füllen", sagt Brigitte Renne. Die Warendorferin ist Ansprechpartnerin und Begleiterin der Kandidatinnen aus dem Bistum Münster, die die Jungfrauenweihe bekommen möchten. Immer noch sei dieser Weg nur wenigen Menschen bekannt. Viele Virgines lebten bewusst im Verborgenen und seien nur dem Bischof bekannt. Auch Brigitte Renne und die anderen geweihten Frauen im Bistum Münster haben länger gewartet, bevor sie öffentlich über ihre Weihe sprachen. Es gehe nicht um Selbstdarstellung, sagt Stephanie Lichters. "Warum soll man von der Schönheit einer Berufung nicht sprechen?", fragt sie. "Das kann anderen helfen, auf eine Spur zu kommen."
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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