
Statue des heiligen Bonifatius in der Freckenhorster Stiftskirche.
Apostel der Deutschen
Bonifatius (672-754)
Kurzvita:
Bonifatius stammte aus einem angelsächsischen Adelsgeschlecht und widmete sich als Benediktinermönch zunächst wissenschaftlichen Studien. Später reifte in ihm der Wunsch, den Glauben bei den Heiden zu verkünden. Der Papst sandte ihn als Glaubensboten in das heutige Deutschland, wo Bonifatius als Missionar große Erfolge verzeichnete. In hohem Alter wirkte er in Friesland. Dort wurde er am Pfingstfest des Jahres 754 von Heiden getötet.
Biographische Daten:
Um 672 (673) - Geburt in Wessex unter dem Namen Winfried.
Schüler der Klosterschulen Exeter und Nursling; Eintritt in den Benediktinerorden; Wissenschaftler und Leiter der Klosterschule Nursling.
716 - Aufbruch zur Mission in Friesland.
718 - Reise nach Rom zu Papst Gregor II..
15. Mai 719 - Beauftragung zu Germanenmission unter dem Namen Bonifatius durch den Papst.
719 - Missionsarbeit in Thüringen.
719 - Zweite Missionsreise nach Friesland als Mitarbeiter des heiligen Willibrord.
Ab 721 - Missionsarbeit in Hessen.
30. November 722 - Bischofsweihe durch Papst Gregor II..
725 - Rückkehr nach Thüringen.
732 - Ernennung zum Erzbischof und päpstlichen Vikar für das deutsche Missionsgebiet durch Papst Gregor III.; Aufbau der kirchlichen Strukturen innerhalb Deutschlands; Gründung zahlreicher Bistümer und Klöster, darunter 744 Gründung seines Lieblingsklosters Fulda.
748 - Ernennung zum Bischof von Mainz.
753 - Erneute Missionsreise nach Friesland.
5. Juni 754 - Martertod im friesischen Dokkum.
Vita:
Wenn sich alljährlich die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda treffen, ehren sie damit auch jenen Bischof, der als "Apostel der Deutschen" in die Geschichte eingegangen ist: den heiligen Bonifatius. Ohne ihn und sein unermüdliches Wirken im Dienste des Evangeliums hätte die Geschichte Deutschlands ab dem 7. Jahrhundert vermutlich ganz anders ausgesehen.
Bonifatius wurde unter dem Namen Winfried im Jahr 672 (oder 673) im englischen Essex geboren. Er besuchte die Klosterschulen von Exeter und Nursling und entschloss sich schließlich, dem Beispiel seiner Lehrer zu folgen und dem Orden des heiligen Benedikt beizutreten. In Nursling widmete sich der Benediktinermönch Winfried vor allem der Wissenschaft: Er verfasste Auslegungen der Bibel und schrieb viele Gedichte. Die erste geschrieben lateinische Grammatik Englands stammt ebenfalls aus seiner Feder. Winfried übernahm schließlich die Leitung der Klosterschule von Nursling.
Doch all diese Aufgaben füllten ihn nicht aus. Er verspürte den inneren Drang, hinauszugehen in die Welt und den Menschen von der Frohen Botschaft zu erzählen. Mit 41 Jahren brach er schließlich auf und ging nach Friesland, um dort den Glauben zu verkünden. Die Reise endete frustrierend für Winfried und seine Begleiter: Die Friesen befanden sich gerade im Krieg, die Berichte vom barmherzigen Gott und der Vergebung der Sünden trafen bei ihnen auf taube Ohren. Enttäuscht kehrte Winfried zunächst zurück nach England, wo er in Nursling zum neuen Abt des Klosters gewählt wurde.
Diese Würde nahm er jedoch nicht an, sondern machte sich mit neu geschöpftem Mut nach Rom auf, wo er sich von Papst Gregor II. eine offizielle Beauftragung für seine Missionstätigkeiten ausstellen lassen wollte.
In der Tat reagierte Gregor erfreut auf die Bitte des englischen Benediktiners. Er sandte ihn im Juni des Jahres 719 nicht nur offiziell nach Germanien, sondern gab ihm auch gleich einen neuen Namen mit auf den Weg: Bonifatius, nach einem Märtyrer, dessen Fest gerade in Rom begangen wurde.
In der Folgezeit wirkte Bonifatius erfolgreich in Thüringen und Hessen, brachte den dort lebenden Menschen das Evangelium nahe und bekehrte sie. Zwischendurch begleitete er den heiligen Willibrord auf einer Reise nach Friesland, wo sie diesmal etwas größere Erfolge verzeichnen konnten.
722 wurde Bonifatius zum Bischof geweiht. Kurze Zeit darauf besuchte er das Dorf Geismar an der Lahn. Dort stand eine alte Eiche, die dem germanischen Kriegsgott Thor geweiht war. Kurzerhand zog der christliche Glaubensbote eine Axt und hieb den Baum um. Die Bewohner warteten Angst erfüllt auf die Reaktion des "Donnergottes", doch vergebens: Nichts geschah. Aus dem Holz der Eiche ließ Bonifatius eine Kapelle errichten, die dem Apostel Petrus geweiht wurde. Diese Begebenheit verbreitete sich schnell im ganzen Land und viele Heiden ließen sich nun bereitwillig taufen.
Zehn Jahre nach seiner Bischofsweihe wurde Bonifatius zum Erzbischof ernannt. Nun zog er nicht mehr in erster Linie predigend durch die Lande, sondern versuchte, das neu erweckte christliche Leben zu festigen und zu strukturieren. Zahlreiche Klostergründungen gehen auf ihn zurück, darunter sein Lieblingskloster Fulda. Auch viele Bistümer verdanken ihr Dasein dem Heiligen, darunter die noch heute existierenden Diözesen Passau, Regensburg, Eichstätt und Erfurt.
Obschon er schon seit Jahren das Amt eines Bischofs bekleidete, hatte der Missionar Bonifatius nie einen festen Bischofssitz gehabt. Das änderte sich im Jahr 746: Nachdem zunächst ein Versuch gescheitert war, Bischof von Köln zu werden, wurde er nun Bischof von Mainz.
Nach langen Jahren der Verkündigung und der Organisation sah Bonifatius nun zufrieden auf sein Lebenswerk zurück. Ein letztes gab es jedoch, was er noch tun wollte. Das Scheitern seiner ersten Friesenmission hatte er noch nicht überwunden. So machte er sich mit fast 80 Jahren ein letztes Mal an die Nordseeküste auf, um den dortigen Heiden die Frohe Botschaft zu bringen. Nun hatte er großen Erfolg, viele Friesen ließen sich taufen.
Doch als er am Pfingstfest des Jahres 754 den Neugetauften das Sakrament der Firmung spenden wollte, drang eine Bande wilder Friesen, bewaffnet bis an die Zähne, in das Lager ein. Bonifatius untersagte seinen Gefährten, sich zu verteidigen. Er selbst hatte nur das Buch mit der Heiligen Schrift bei sich. Durch das Evangelienbuch hindurch traf ihn schließlich der tödliche Hieb. Mit ihm starben in Dokkum an diesem Tag seine 52 Gefährten. Die Legende besagt, dass die Angreifer anschließend das Lager der Missionare plünderten, um nach Gold und anderen Wertgegenständen zu suchen. Als sie jedoch nur Bücher und Reliquien entdecken konnten, gerieten sie in Streit und fingen an, sich gegenseitig zu erschlagen.
Der Leichnam des Heiligen wurde zunächst nach Utrecht und dann in seine Bischofsstadt Mainz überführt, ehe er seine letzte Ruhe in dem von ihm so sehr geliebten Kloster Fulda fand.
Ein Gebet des Heiligen Bonifatius
Ewiger Gott, Zuflucht und Hilfe all deiner Kinder,
wir preisen dich für alles, was du uns gegeben hast,
für alles, was du für uns getan hast,
für alles, was du für uns bist.
In unserer Schwäche bist du unsere Kraft;
in unserer Finsternis bist du unser Licht;
in unserm Kummer bist du unser Trost und unser Friede.
Wir können deine Gnade nicht messen,
wir können deine Liebe nicht loten:
Sei gesegnet für all deinen Segen.
Lass uns so leben, als seien wir bei dir,
und die Dinge lieben, die du liebst,
und dir in unserem täglichen Leben dienen
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Gebet in der Hl. Messe am Gedenktag des Heiligen Bonifatius
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken und am Fest des heiligen Bonifatius das Werk deines Erbarmens zu rühmen. Vom Eifer für das Evangelium erfüllt, verließ er seine Heimat aus Liebe zu Christus und wurde zum unermüdlichen Sämann deines Wortes, um unzählige Menschen für dich zu gewinnen. Er verkündete vielen Völkern die Frohe Botschaft, er führte sie auf den Weg des Heiles und wurde so ihr Vater in Christus. Als guter Hirt gab er für sie sein Leben dahin, bis zum Tode standhaft im Bekenntnis deines Namens. Mit reicher Ernte trat er ein in die Freude des Himmels und empfing die Krone des ewigen Lebens durch unseren Herrn Jesus Christus.
Bonifatiuslied (Text: Friedrich Dörr 1974)
Apostel du, von Gott gesandt, Sankt Bonifatius:
du gabst dein Blut für unser Land, nimm unsern Dankesgruß.
Dich schreckte nicht der Heiden Wut, nicht alter Götzen Macht;
du hast, erfüllt von Glaubensmut, uns Christi Licht gebracht.
Die Kirche hast du hochgeehrt, als unsres Herren Braut,
das Volk zum wahren Gott bekehrt und Dome aufgebaut.
In Sorge um das Gottesreich trugst du Gefahr und Not:
du wurdest sterbend Christus gleich, getreu bis in den Tod.
Breit segnend über uns die Hand, sieh an die Glaubensnot:
erhalt für Christus unser Land, hilf, wo Gefahr uns droht.
Weck auf den Geist der Jüngerschaft, schenk uns Bekennermut,
erwirke uns der Liebe Kraft, die andern Gutes tut.
Führ hin zu Christus, die verirrt und die sich abgewandt,
dass wieder eins im Glauben wird das Volk in unserem Land.
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