
In einem Workshop widmeten sich die Teilnehmer dem Thema "Begegnung mit Unfallverursachern".
Bundeskongress der Notfallseelsorger
Unspektakulär, doch hoch geschätzt
Münster. Unspektakulär und doch hoch geschätzt: die Notfallseelsorge gehört zu den Angeboten der Kirchen, die meist im Stillen stattfinden, aber mit großer Dankbarkeit wahrgenommen werden. "Wir als Menschen der Kirche sind euch in der Not nahe", beschrieb der Beauftragte für Notfallseelsorger im Bistum Münster, Pastoralreferent Bernd Kersken, das "wertvolle Image" dieser Arbeit am Rande des Bundeskongresses "Notfallseelsorge und Krisenintervention". Dazu waren seit Montag (01.06.2010) etwa 340 Einsatzkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet für drei Tage nach Münster gekommen.
Unter dem Titel "Miteinander vernetzt – Grenzen überwinden" widmeten sich die Teilnehmer in dem Ausbildungsinstitut der Feuerwehr den Möglichkeiten der Zusammenarbeit untereinander sowie der Kooperation mit weiteren Hilfsangeboten und der folgenden Nachsorge. "Wir stehen in der Zeit unmittelbar nach der Katastrophe zumeist in einer für die Betroffenen chaotischen Situation", erklärte Kersken. Darin gelte es als erstes, eine Atmosphäre der Ruhe zu schaffen, um eine Orientierung für die Menschen zu ermöglichen. "Auch Jesus nahm die Menschen zunächst zur Seite", beschrieb der Notfallseelsorger den theologischen Hintergrund.
Erst Stunden, vielleicht Tage später werde eine weiterführende Begleitung sinnvoll und notwendig, so Kersken. "Und dabei ist es hilfreich, von den vielen Möglichkeiten der anderen Hilfen zu wissen." Der Kongress sei dabei ein Forum, auf dem alle ihre Arbeit und Ansätze vorstellten, um für diese Weitervermittlung voneinander zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen. Es gehe aber auch um die Möglichkeit, weitere Personen in die Notfallseelsorge einzubinden. "Auch ehrenamtliche Kräfte aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie Psychologen, Pädagogen oder Sozialarbeiter, können die Arbeit dabei bereichern", weiß Kersken. "Der Seelsorger kann dabei durch die anderen Ansätze viel über die Hintergründe einer Reaktion eines Beteiligten erfahren."
Bernd Kersken ist Beauftragter für Notfallseelsorge im Bistum Münster. |
Seit 2000 Jahren das Gleiche
Den Teilnehmern gehe es darum, dieses zentrale Angebot weiter zu professionalisieren, erklärte Kersken. "Und das ohne alle konfessionellen Grenzen." Denn diese Aufgabe sei für die Christen seit 2000 Jahren die gleiche: "Wir sind für euch da, wenn ihr in Not seid." Allerdings hätten sich die Rahmenbedingungen für diese Aufgabe massiv geändert. "Heute ruft keiner mehr den Pfarrer, wenn jemand Not leidet, heute wählt er den Notruf." In einer Stadt wie Münster seien dann innerhalb von sechs Minuten professionelle Helfer vor Ort. "Wenn Kirche von dieser Präsenz nicht abgekoppelt werden will, muss auch sie weiterhin flächendeckend, schnell und professionell zur Stelle sein."
Für dieses Ziel bot der dreitägige Kongress viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Ein breites Arbeitsgruppenangebot befasste sich etwa mit Themen wie "Wenn Kinder sterben" oder "Gequält, geschlagen und missbraucht". Wie weit das Einsatzgebiet der Notfallseelsorger ist, erklärte Kersken anhand einer Statistik: 40 Prozent ihrer Arbeit widmen sie der Seelsorge im häuslichen Bereich, 20 Prozent dem Überbringen von Todesnachrichten, 15 Prozent der Betreuung nach Suizidfällen und etwa 15 Prozent der Hilfe von Unfallbeteiligten.
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Text: Michael Bönte | Fotos: Michael Bönte
02.06.2010
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