
Der Diözesanrat diskutierte am Wochenende über den neuen Pastoralplan für das Bistum Münster.
Diözesanrat tagte am Wochenende in Münster
Generaldebatte über den Pastoralplan gewünscht
Bistum. Wenn Beratungen in der Kirche ein geistlicher Vorgang sein sollen, dann gilt der Grundsatz: "Störungen haben Vorrang". Dem Willen zur geistlichen Beratung entsprechend, nahmen viele Diözesanratsmitglieder am vergangenen Wochenende (10.06.2011) eine derartige Störung wahr, als es um den neuen Pastoralplan für das Bistum Münster ging.
Anders als vorgesehen konnte nämlich die Präambel für einen neuen Pastoralplan nicht verabschiedet werden. Einen Entwurf für eine programmatische Einleitung hatten die Mitglieder der Bistumsleitung um Bischof Felix Genn bei ihrer Klausurtagung im Januar erarbeitet. Im Februar ging dieser Textentwurf zur kritischen Prüfung an alle Diözesanratsmitglieder – versehen mit der Bitte, dieses Papier auch in anderen Gremien zu diskutieren.
Änderungs- und Ergänzungsvorschläge
41 Rückmeldungen gab es daraufhin. Eine Arbeitsgruppe um Seelsorgeamtsleiter Pater Manfred Kollig sichtete die Eingaben und strukturierte sie. Als Veränderungs- und Ergänzungsvorschläge sollte nun bei seiner jüngsten Sitzung der Diözesanrat darüber befinden. Doch daraus wurde nichts.
Pater Manfred hatte eingangs den Arbeitsauftrag für die Sitzung erläutert, über die verschiedenen Änderungswünsche zu befinden. Er sprach den Wunsch aus, "dass wir bei allem getragen sind von dem Glauben und der Zuversicht, dass aus unserem Austausch heraus neues Leben in unserem Bistum entstehen kann; ein neues Leben, durch das wir auch in der Gegenwart und in der Zukunft deutlich machen, wie wir als Christen mit Macht, mit Besitz und Beziehung im Geist Jesu Christi umgehen". Und zu Beginn hatte er einen Theologen zitiert mit den Worten, dass jede "Definition gefährlich ist".
Generaldebatte gefordert
Offenkundig war dies in den Hinterköpfen der Ratsmitglieder noch präsent, als man sich in vier Kleingruppen zur Diskussion über die Änderungswünsche zur Präambel zusammensetzte. Zurück im Plenum wurde deutlich, dass der Rat eine "Generaldebatte" wollte: Ziel und Themen eines Pastoralplans müssten diskutiert werden, bevor es an Formulierungen für eine Einleitung gehe. Mehrere Diözesanratsmitglieder sahen sich unter Zeitdruck und sprachen von einem "unguten Gefühl", das sie hatten.
Dem trug die Versammlung Rechnung: Eine Arbeitsgruppe wird sich nun noch einmal mit den Eingaben und den Beratungen der Kleingruppen während der jüngsten Sitzung befassen und einen überarbeiteten Entwurf für eine Präambel erarbeiten, der dann beim nächsten Treffen des obersten Beratungsgremiums des Bischofs im Spätsommer diskutiert werden soll.
Neuer Kreisdechant für Coesfeld
Einstimmig folgte der Diözesanrat einem Vorschlag von Bischof Genn, den künftigen Pfarrdechanten von St. Lamberti in Coesfeld, Johannes Arntz (48), außerdem zum neuen Kreisdechanten für das Kreisdekanat Coesfeld zu bestellen. Er wird damit Nachfolger von Kreisdechant Johann-Theodor Hülper (65), der emeritiert wird. Der gebürtige Münsteraner Arntz war zuletzt Pfarrer in Raesfeld St. Martin und Raesfeld-Erle St. Silvester sowie Dechant im Dekanat Borken.
Bei der Vorstellung der Eckdaten des Bistumshaushalts 2012 (NRW-Teil) ging der Leiter der Hauptabteilung Verwaltung im Bischöflichen Generalvikariat in Münster, Ulrich Hörsting, von einem mutmaßlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um vier Prozent in diesem Jahr aus. Voraussichtlich komme der Vermögenshaushalt, aus dem die Investitionen bestritten werden, 2012 ohne einen Rückgriff auf die Allgemeine Rücklage aus. Nach heutigem Stand können 2012 rund 38 Millionen Euro für kirchengemeindliche Investitionen bereitgestellt werden. Endgültige Aussagen zur Kirchensteuerentwicklung 2012 seien jedoch erst im Spätsommer dieses Jahres möglich, betonte Hörsting.
Generalvikar Norbert Kleyboldt stellte heraus, dass die Kirche nicht für den Staat einspringen kann, wenn dessen finanzielle Mittel für die Erfüllung seiner Aufgaben fehlten. Angesichts der grundsätzlich guten wirtschaftlichen Situation der Kirche gebe es "immer mal wieder" ein solches Ansinnen von Politikern, erläuterte Kleyboldt. Aber die Kirche wolle sich nicht überheben, begründete er die ablehnende Haltung.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener
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