
Pater Hans-Ulrich Willms (links) von der Gemeinde St. Mauritz in Münster und der Provinzial der Arnsteiner Patres, Pater Peter Egenolf, zeigen einen Originalbrief von Pater Damian De Veuster von 1884.
Heiligsprechung von Damian De Veuster am 11. Oktober 2009
"Apostel der Aussätzigen"
Münster. Mit Pater Damian De Veuster (1840 bis 1889) wird der "Apostel der Aussätzigen" am 11. Oktober in Rom heilig gesprochen. Unter schwierigsten Bedingungen kümmerte er sich aufopferungsvoll um die Menschen auf der Lepra-Insel Molokai im Hawaii-Archipel und erkrankte selbst am Aussatz.
"Unsere Ordensgemeinschaft freut sich über die Heiligsprechung mit allen, die sich für ausgegrenzte und bedrängte Menschen und besonders auch für die Leprakranken einsetzen. Der Orden sieht in der Heiligsprechung eine Würdigung für das bemerkenswerte Leben und vorbildliche Wirken seines Mitbruders", sagte der Provinzial Pater Peter Egenolf von der Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens, die in Deutschland auch als Arnsteiner Patres bekannt sind.
"Liebe bis zum Äußersten"
Wie Pater Egenolf bei einem Gespräch am Dienstag (21.04.2009) in Münster bekannt gab, stehen die Feiern zur Heiligsprechung unter dem Leitwort "Er liebte sie bis zum Äußersten". Das "Äußerste" der Liebe Damians könne man im Lauf seines Lebens sehen: bei den Gelübden unter dem Leichentuch, beim Abschied von seiner Familie in Belgien, in dem Angebot nach Molokai zu gehen, um dort 600 Leprakranken beizustehen, in der Annahme der Krankheit, im Sterben auf der Insel.
Nach Ansicht der Ordensgemeinschaft ist das Bild des leprakranken Damian eine "Ikone der Liebe, des Dienstes und des Glaubens bis zum Ende, bis zum Äußersten, den sein ganzes Leben mit dem Siegel der Heiligkeit prägt, das die Kirche sich nun zu verkünden anschickt".
Aussätzigenkolonie Molokai
Der Name Damian de Veuster ist untrennbar mit dem verknüpft, was man um 1870 als "lebendige Hölle" beschrieb: die Aussätzigenkolonie Molokai. Dorthin wurden die Leprakranken der Hawaii-Inseln in einer unmenschlich anmutenden Weise "entsorgt". Aus Angst, dass die eingeschleppte und damals noch unheilbare Krankheit die Bevölkerung ausrotten könnte, kippte man die Kranken im wahrsten Sinn des Worts wie Müll an das Ufer der entlegenen Insel, von der sie nicht entkommen konnten, und überließ sie dort ihrem Schicksal. Von der Zivilisation abgeschnitten, waren die Kranken bald völlig verwahrlost.
Damian De Veuster, der 1859 der Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens beitrat, meldete sich freiwillig als Seelsorger für die Aussätzigen. 1873 kam er auf Molokai an. Nachdem er erste Berührungsängste überwunden hatte, begann er, sich um die Ausgesetzten zu kümmern. Er pflegte ihre Wunden, sorgte für Kleidung und Medikamente. Er scheute sich nicht, die Kranken zu berühren und mit ihnen zu essen. An seinen Bruder schrieb er: "Wenn ich predige, sagen ich 'wir Aussätzige'. Hoffentlich kann ich auch alle für Christus gewinnen wie der heilige Paulus."
An Lepra erkrankt
1884 erkrankte Damian De Veuster an Lepra. Er wurde selbst aussätzig und äußerlich aufs Schlimmste von der Krankheit entstellt. Trotzdem arbeitete er weiter. 1889 starb Pater Damian im Alter von 49 Jahren.
Die Nachricht vom Tod Pater Damians hatte weitreichende Auswirkungen. "Zahlreiche Frauen und Männer traten seiner Ordensgemeinschaft bei, um als Missionare das Evangelium besonders unter den Armen und Aussätzigen zu verkünden. Auch der Kampf gegen die Lepra wurde vom Wirken Pater Damians inspiriert", sagt Provinzial Pater Egenolf. Im Lauf der Jahrzehnte entstanden zahlreiche Organisationen wie 1957 das "Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk" (DAHW), heute die "Deutsche Lepra- und Tuberkulosenhilfe". Das Inselreich Hawaii ehrte Pater Damian 1961 mit einer Statue, die den Staat Hawaii im Kapitol in Washington vertritt. 2005 wurde Pater Damian von einem breiten Publikum in Flandern und in der Wallonie zum "größten Belgier aller Zeiten" gewählt.
Flammende Kraft des Heiligen Geistes
Anlässslich seiner Seligsprechung 1995 sagte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger und heutige Papst Benedikt XVI. über Pater Damian: "An solchen Gestalten wird etwas von der flammenden Kraft des Heiligen Geistes sichtbar, der die Grenzen des Ausgesetztseins, des Ausgegrenztseins wegweist und der in der Liebe, auch in der Gefährdung und Hingabe des eigenen Lebens, eine neue Geschwisterlichkeit schafft."
Nach Ansicht von Pater Harald Adler, ehemaliger Schulleiter des Gymnasiums St. Christophorus in Werne und heute Seelsorger in einem Slumviertel in Manila/Philippinen, setzte Pater Damian Maßstäbe für ein erfülltes Leben: "Er folgte der eigenen Berufung und dem Willen Gottes."
Anlässlich der Heiligsprechung wird nach Auskunft von Pater Hans-Ulrich Willms in der St.-Mauritz-Gemeinde in Münster am 26. Oktober um 18 Uhr ein Dankamt mit Bischof Felix Genn gefeiert.
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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard
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