
- Kriegsgefangenenlager während des Zweiten Weltkrieges in Hagen bei Vechta.
Breit angelegte Versöhnungsarbeit
Zwangsarbeiter
Ausgelöst durch die Diskussion um die staatliche Entschädigung von ausländischen Zwangsarbeitern, die in Hitler-Deutschland eingesetzt waren, wurde im Sommer 2000 auch die Frage aufgeworfen, in welchem Umfang in der Zeit des Nationalsozialismus in Einrichtungen der christlichen Kirchen ausländische Arbeitskräfte zwangsweise beschäftigt wurden.
Nach ersten Recherchen in einigen katholischen Diözesen beschloss die Deutsche Bischofskonferenz einen eigenen, vom staatlichen Fonds unabhängigen Weg der Entschädigung: Sie richtete einen mit fünf Millionen Mark ausgestatteten "Entschädigungsfonds" und zusätzlich über die gleiche Summe einen kirchlichen "Versöhnungsfonds" ein, um dadurch deutlich zu machen, dass finanzielle Entschädigung letztlich nur ein symbolhafter Ausdruck von Recht und Gerechtigkeit sein konnte, dass kirchliche Versöhnungsarbeit viel breiter angelegt sein muss.
Dabei konnte die katholische Kirche an bereits bestehende Projekte, etwa des Maximilian-Kolbe-Werkes, anknüpfen. In allen 27 katholischen Diözesen in Deutschland setzte eine intensive Suche nach kirchlichen Zwangsarbeitern ein. Es wurden Kommissionen gebildet, Archive von Krankenhäusern und anderen kirchlichen Einrichtungen durchforstet, bei Kommunen und Sozialversicherungsträgern Untersuchungen angestellt. In einer ersten Bilanz stellte die Bonner "Kommission für Zeitgeschichte" 2002 fest, dass es in den Jahren zwischen 1939 und 1945 zwar Zwangsarbeit in kirchlichen Einrichtungen gegeben habe, aber keineswegs "in großem Umfang" oder gar "flächendeckend", wie anfangs von verschiedenen Medien gemutmaßt worden war. Unter den 1944 gemeldeten 7,6 Millionen Zwangsarbeitern habe sich nur ein Promille-Anteil Arbeiter in kirchlichen Einrichtungen befunden.
Die Bistumsleitung in Münster beauftragte zwei Historiker in Münster und Vechta mit der Aufarbeitung des Zwangsarbeiterthemas im nordrhein-westfälischen und niedersächsischen Teil der Diözese. Die Recherchen gestalteten sich schwierig und wurden recht bald auch auf kommunale Archive, Unterlagen der Sozialversicherungsträger sowie auf Zeitzeugenbefragungen ausgedehnt. Für das Gebiet des Bistums Münster ließen sich bis zum Sommer 2003 gezielte Hinweise auf etwa 390 ausländische Zivilarbeiter und rund 130 Kriegsgefangene finden, die in 86 kirchlichen Einrichtungen mit großer Wahrscheinlichkeit als Zwangsarbeiter beschäftigt waren. Arbeitskräfte aus der Sowjetunion bildeten vor den Polen die mit Abstand größte Gruppe. Die ermittelten Daten führten zur Meldung von 334 Zivilarbeitern beim Entschädigungsfonds der katholischen Kirche.
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Buchtipp
Bernhard Frings und Peter Sieve: Zwangsarbeiter im Bistum Münster, Dialogverlag, Juli 2003
Text: Bischöfliche Pressestelle Münster | Foto aus: Bernhard Frings und Peter Sieve: Zwangsarbeiter im Bistum Münster, Dialogverlag
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