
- Dieses Hungertuch hängt in der Pfarrkirche St. Pankratius in Dülmen-Buldern.
"Schmachtlappen" zeigen Passionsszenen
Hungertuch
Seit der Zeit des Hochmittelalters bis heute ist der Brauch lebendig, in der Fastenzeit zwischen Kirchenschiff und Hochaltar der Gotteshäuser ein Fasten- oder Hungertuch aufzuhängen. In früheren Zeiten gestalteten es die Gläubigen mit kunstvoll gestickten bzw. geklöppelten Passionsszenen und -symbolen.
So werden etwa in Vreden und in Telgte alte Hungertücher (plattdeutsch: "Schmachtlappen") verwahrt, die künstlerisch außerordentlich wertvoll sind. Hinter dem Brauchtum, zwischen Aschermittwoch und Karfreitag Hungertücher in die Kirchen zu hängen, stand der Gedanke, den Gläubigen im Sinne eines "Fastens der Augen" den Blick auf den Altar während der österlichen Bußzeit zu verwehren.
Damit einher geht der Brauch, die Kreuze in den Kirchen zur Karfreitagsliturgie mit einem violetten Tuch zu verhängen und erst bei der Kreuzverehrung zu enthüllen. Eine Neubelebung haben die Hungertücher in den vergangenen Jahren durch die vom Bischöflichen Hilfswerk "Misereor" gestalteten Fastentücher erfahren, die allerdings katechetisch-pastoral neu eingesetzt werden und nicht mehr den Zweck des Verhüllens haben. Künstler aus Asien, Afrika und Lateinamerika sowie der Deutsche Sieger Köder haben die modernen "Hungertücher" gestaltet.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michaela Kiepe
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