
- Die Benediktiner im Kloster Gerleve bei Billerbeck flegen in ihrem Stundengebet den regorianischen Choral.
Alte vertonte Texte der Heiligen Schrift
Gregorianischer Choral
Der "Gregorianische Choral" ist ein einstimmiger liturgischer Gesang, der im 8. Jahrhundert in Frankreich aus älteren römischen Formen entwickelt wurde. Der Choral ist klanglicher Ausdruck eines vornehmlich in den Klöstern beheimateten Umgangs mit der Bibel, der auf einen lauten Vortrag der Texte nicht verzichten konnte. Text und Musik sind daher nicht voneinander zu trennen.
Aufgezeichnet wurden die Gesänge erst ab dem 10. Jahrhundert, als Texte mit "Neumen", die keine Tonhöhen festhalten, sondern die rhythmische Gestalt des Gesangs. Durch die Verbindung mit den benediktinischen Klöstern des Frankenreiches entstand die irrige Auffassung, Papst Gregor der Große (560 – 604) habe aufgrund göttlicher Eingebung den Choral entwickelt.
Die Forschung konnte jedoch zeigen, dass es trotz der verblüffenden Übereinstimmung der zahlreichen Handschriften keinen einzelnen Schöpfer dieser Musik gibt. Sie ist das Werk einer Gruppe von Sängern, die wohl zwischen 753 und 760 in Rouen daran gearbeitet haben.
Aufgrund der Bindung an die lateinische Sprache, der hohen Anforderungen an die Sänger und der späteren Entwicklung der Mehrstimmigkeit findet sich der Gregorianische Choral heute meist nur noch in Klöstern.
Neue Bekanntheit erhielt er in den späten achtziger Jahren, als er den Klanghintergrund für Disco-Musik lieferte. In den neunziger Jahren verkauften sich auch reine Choral-Aufnahmen hervorragend, zumeist als Fortführung und Ergänzung esoterischer Musik der New-Age-Szene.
Quelle: Dorn, Anton Magnus; Eberts,Gerhard (Hrsg.),
Redaktionshandbuch Katholische Kirche, München 1996 | Foto: Michael Bönte August 2003
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