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16.12.2018
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Frate Alessandro

Frate Alessandro, die "Stimme von Assisi", lebt im Portiuncula-Kloster von Assisi.

Wie ein Franziskaner des Portiuncula-Klosters zum Weltstar wurde

Frate Alessandro – Gottes Troubadour in Assisi

Assisi. Er sitzt an der Orgel und begleitet unzählige Gottesdienste der rund fünf Millionen jährlichen Pilger in der gewaltigen Basilika Santa Maria degli Angeli unterhalb von Assisi mit der Portiuncula-Kapelle im Zentrum, dem Juwel, dem heiligen Kleinod jeder Franziskus-Wallfahrt. Oder er bastelt in einem entlegenen Raum des großen Urklosters, in einer unscheinbaren Werkstatt, und restauriert alte Möbel und Musikinstrumente. Er hat seine Aufgaben, seine Dienste in der Gemeinschaft der 70 Brüder.

Und doch ist Frate Alessandro Brustenghi schlicht und ergreifend ein Star – nicht nur in Italien, auch in Großbritannien und Frankreich, wo sich seit Herbst 2012 seine "Stimme von Assisi" auf über 100.000 CDs verkauft hat. Inzwischen sind zwei weitere Musikträger gefolgt – Tourneen bis in die USA inklusive.

Im Studio der Beatles

An diesem frühen Morgen rauscht er mit fliegender Kordel um die braune Franziskanerkutte ins Gesprächszimmer an der Klosterpforte. Kaum steht er im Raum, strahlt er, redet wie ein Wasserfall, entschuldigt die Verspätung, freut sich aufs Kennenlernen, fester Händedruck. Blitzeweiße Zähne, die Augen so dunkel wie der zottelige Flaumbart, unter der Kutte lugen hellgraue Jeans hervor: ein kleiner Bruder im leibhaftigen Sinn. Auf den schmalen Straßen der Altstadt von Assisi ginge er probemlos als der echte Franz durch. So stellt man ihn sich vor, idyllisch: Da ist er ja wieder, der "Troubadour Gottes".

Der neue Spielmann im Bettelrock hat es bis ins legendäre Beatles-Studio "Abbey Road" in London geschafft, an die Seite von Mike Hedges, der Weltstars wie "U2", "The Cure" oder "Dido" produziert. Für das renommierte Klassik-Label "Decca" nahm Frate Alessandro eine Mischung aus traditionellen und modernen geistlichen Liedern über Gott, Maria und San Francesco auf – mit großem Orchester und Backgroundchor: von Franz Schuberts "Ave Maria" über César Francks "Panis angelicus" bis zu Flowerpower-Star Donovans "Brother Sun, Sister Moon" aus Franco Zefirellis gleichnamigem Franziskus-Film.

Land-Ei aus Umbrien

Dabei sei er ein "Land-Ei", sagt Bruder Alessandro über sich. Er kommt aus der Umgebung, aus einem Örtchen namens Castiglione della Vella nahe der umbrischen Hauptstadt Perugia. Für die erste CD-Produktion in London sei er zum ersten Mal geflogen, erzählt er begeistert wie ein Schuljunge und wippt dabei aufgeregt mit den Beinen. Und im Studio sei es "fantastisch gewesen, mit all den professionellen Musikern zu arbeiten. Am Ende waren wir wie eine Familie."

Gesungen habe er eigentlich immer schon, erzählt Bruder Alessandro, "aber ich wollte auch Restaurator oder Gastronom oder Lehrer oder Schriftsteller oder Was-weiß-ich-was werden." Mit 14 Jahren immerhin lernte er Klavier und Orgel, sang in manchen Chören mit, studierte später Musik. Erst nach seinem Eintritt ins Kloster Portiuncula wurden Brüder auf seine mal warme, mal kräftige Tenorstimme aufmerksam.

Fototermine, Fernsehauftritte

"Ich hatte ab und an kleine Auftritte auf privaten Festen", bis ihn schließlich eine Gesangslehrerin hörte, begeistert war und ihm riet: "Du musst eine CD aufnehmen!" Er selber, erzählt Bruder Alessandro, habe nicht viel darauf gegeben; sie aber habe nicht locker gelassen und immer wieder gesagt: "Lass mich nur machen!" Sie stellte schließlich den Kontakt zu Produzent Mike Hedges her. "Ich habe ihm ein bisschen vorgesungen, und schließlich sagte er: 'Willkommen bei der Decca!'", erzählt Bruder Alessondro lachend. "Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht!"

Mit der Veröffentlichung der ersten CD jagten sich Fototermine, Interviews, Fernsehauftritte in allen großen Medien Italiens, Großbritanniens und Frankreichs. "Die meisten Brüder freuen sich mit mir über den Erfolg", erzählt Alessandro, "sie scherzen aber auch ganz gern, wenn ich im Fernsehen zu sehen war, und manche haben Sorge, die Sache könnte mir über den Kopf wachsen."

"Du bist ein Engel"

Dabei sei das Ganze ein "sehr demütigender Job, weil viele Zuschriften so unsagbar übertrieben sind", bekennt er. "Wenn mir jemand schreibt: 'Tu sei un angelo – Du bist ein Engel!' und das auch noch ernst meint, dann macht mir das eher meine Kleinheit klar." Zumindest scheint es ihm immer noch unheimlich.

Wann immer er als "die Stimme von Assisi" unterwegs ist, begleitet ihn einer seiner Brüder, sie wohnen "fast immer in Klöstern, sehr selten in Hotels", und überhaupt fälle er "nie allein Entscheidungen, immer zusammen mit diesem einen Bruder und den Vorgesetzten". Was die CD an Geld einspielt, gehe an soziale Projekte des Ordens, etwa an eine Frauen-Bildungsmaßnahme in Afrika. "Wo genau, weiß ich gar nicht", sagt Frate Alessandro.

Bei Mickey Rourke funkte es

Dabei hatte er mit 16 Jahren eher mit Philosophie als mit dem Glauben etwas anfangen können. "Gott – das war für mich pure Kunst, aber sicherlich keine Person", erzählt Frate Alessandro. Dennoch habe er eine "große Leere" gespürt, bis er wörtlich "Gott im Wald", bei einem Spaziergang geahnt habe: "Ich spürte: Ich bin geliebt, total, ich gehöre zu dieser Schöpfung, Gottes Nähe zu uns hat einen Namen: Jesus." Ausgerechnet ein Franziskusfilm mit Hollywood-Star Mickey Rourke in der Hauptrolle wurde für ihn zum "echten Berufungserlebnis".

Zwei Jahre später trat er bei den Franziskanern von Portiuncula ein, verließ das Kloster nach der zeitlichen Profess wieder, wollte Musik machen, sein Leben selbst gestalten. "Doch das hatte nichts mit Berufung zu tun", weiß er heute, "das war pure Flucht. Eine schreckliche Zeit." Weitere drei Jahre später fragte er "ohne großen Enthusiasmus" wieder bei den Brüdern an, kehrte zurück, und da sei ihm klar geworden: "Nicht ich entscheide, Gott muss mich rufen."

Inzwischen sei er überzeugt: "Ich verwirkliche mich nur, indem ich liebe. Alles andere ist großer Blödsinn. Dasein für andere macht Leben aus." So wie seine Stimme, die "nicht ich bin, sondern einen anderen verkündet":

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Text: Markus Nolte | Foto: Markus Nolte
04.08.2016

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