Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Kirche heute
28.08.2016
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Weltberühmter Chor mit dunkler Vergangenheit: Regensburger Domspatzen.

Weltberühmter Chor mit dunkler Vergangenheit: Regensburger Domspatzen.

Bistums-Anwalt: Mehr Misshandlungen als angenommen

Regensburger Domspatzen: Jeder Dritte wurde geschlagen

Regensburg. Bei den Regensburger Domspatzen gab es offenbar deutlich mehr Misshandlungen und sexuell motivierte Gewalt als bisher angenommen. Der mit einer entsprechenden Untersuchung betraute Anwalt Ulrich Weber schätzt die Zahl der Betroffenen auf 600 bis 700, wie er am Freitag (08.01.2016) in Regensburg sagte. Die meisten Taten ereigneten sich zwischen 1953 und 1992. Nach Webers Worten wusste auch Georg Ratzinger, Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. und langjähriger Leiter des Knabenchors, von den Misshandlungen.

Der Jurist sprach von einem "System der Angst", das über Jahrzehnte hinweg in der Vorschule der Domspatzen in Etterzhausen und Pielenhofen sowie im Internat in Regensburg geherrscht habe. Schüler seien mit Rohrstöcken und Siegelringen geschlagen worden, zudem mussten sie unter Zwang essen oder hätten keine Nahrung erhalten. Bei den sexuellen Handlungen reichte die Bandbreite den Angaben zufolge vom Streicheln bis zur Vergewaltigung. Nach Webers Worten dürfte etwa ein Drittel der im betreffenden Zeitraum rund 2.100 Schüler Opfer körperlicher Gewalt geworden sein.

Gewalt und sexueller Missbrauch

Der Regensburger Anwalt prüft seit Mai 2015 auf Initiative des Bistums Regensburg die Vorkommnisse bei dem weltberühmten Chor. Er hat inzwischen mit 70 Opfern gesprochen. Die Zahl der bisher bekannten Fälle von körperlicher Gewalt gibt er mit 231 an, davon 216 in der Vorschule. Über sexuelle Handlungen hätten in Etterzhausen und Pielenhofen zwölf Betroffene berichtet, im Regensburger Internat liegt die Zahl mit 50 deutlich darüber. Nur ein Teil der Fälle weise allerdings eine hohe Plausibilität auf, sagte Weber weiter.

Die überwiegende Zahl der Beschuldigungen richtet sich nach seinen Angaben lediglich gegen einen kleinen Kreis von Priestern, Lehrern und weiteren Mitarbeitern. So betreffen die 216 Misshandlungsfälle in Etterzhausen und Pielenhofen zumeist nur fünf Personen. Nach 1992 lägen nur noch "vereinzelte Meldungen" über körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch vor, erläuterte der Rechtsanwalt, der vom Opferhilfeverein Weißer Ring benannt worden war. Die Vorschule wurde von 1953 bis 1992 von Johann Meier geleitet.

"Georg Ratzinger hat davon gewusst"

Zu den Folgen für die Betroffenen sagte Weber, es gebe Opfer, "die ihr Schicksal gut aufgearbeitet haben und an Aufklärung interessiert sind". Andere wollten dagegen nicht, dass das, was sie ihm offenbarten, an das Bistum weitergegeben oder gar öffentlich werde. Viele hätten den Wunsch, "anerkannt zu werden" und jemanden zu treffen, der ihnen zuhöre. – Über Georg Ratzinger, der auch dem Domspatzen-Stiftungsvorstand angehörte sagte der Rechtsanwalt: "Er hat davon gewusst. Davon muss ich ausgehen." Der langjährige Chorleiter habe zumindest 1987 von körperlicher Gewalt in Etterzhausen erfahren.

Der Anwalt kündigte an, ein von ihm einberufenes Kuratorium zur Aufarbeitung der Vergehen werde am 1. Februar zusammentreten. Ihm gehören sechs Opfervertreter, zwei Mediatoren, vier Mitglieder des Stiftungsvorstands der Domspatzen, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sowie Generalvikar Michael Fuchs an. Voderholzer hatte sich im vergangenen Jahr seitens der Diözese für die Vergehen entschuldigt. Die bisher bekannten Betroffenen erhielten als "symbolische Anerkennung des Leids" je 2.500 Euro. Zudem werden die Kosten für Therapien übernommen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Kindesmissbrauch

Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
08.01.2016

Olympia

Im Interview zieht Diakon Rolf Faymonville Bilanz der Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Dossier Wallfahrt

Seit Jahrhunderten machen sich Christen auf den Weg, um unterwegs Gott ein Stück näher zu kommen.

Glaubenswissen

Fegefeuer: Gerettet - aber noch in der Läuterung.

Bibelarbeiten

Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Notfallseelorge

Die Notfallseelsorge soll Betroffene nach Unglücken begleiten und stützen.

Gebet für Verstorbene

Für den verstorbenen Ehepartner.

VIDEO-Tipp ...

Bistumsbilanz: "Weltjugendtag geht morgen weiter".

Pilgerstelle

Wer das Ziel der eigenen Glaubensfindung in den Vordergrund einer Reise rückt, kann seinen Weg auf einer Pilgerreise finden.

Studie

Einer von 20 Schülern verlässt im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster die Schule ohne jeden Abschluss.

Heiligenkalender

28. August: Selige Adelinde.

Regionen

Coesfeld-Recklinghausen.

Verbände

Bund der Deutschen Katholischen Jugend.

Mit der Bibel leben

Lass leuchten dein Angesicht!

Geistlicher Impuls

Weltraum.

Wallfahrtsorte

Kranenburg: Heiliges Kreuz.

Heiligenlexikon

28. August: Der heiliger Augustinus ist unter anderem Patron der Theologen und Bierbrauer.

Glaubens-ABC

Gedanken zum Thema Krankheit.

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand