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25.09.2016
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Thomas Sternberg im Gespräch.

Thomas Sternberg im Gespräch.

Der neue ZdK-Präsident im Interview

Sternberg: Als dienende Kirche werden wir gebraucht

Bonn / Münster. Thomas Sternberg (63) ist neuer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Im Interview erläutert der bisherige Direktor der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus in Münster, welche Impulse er setzen möchte. Er bewertet das Verhältnis zu den Bischöfen, zu anderen katholischen Laienorganisationen – und er kündigt seinen Abschied im Franz-Hitze-Haus an.

Sie sind Akademie-Direktor, Theologe, Germanist, Kunsthistoriker und Politiker – aber auch gelernter Bäcker. Was empfinden Sie, wenn Sie in einer Bäckerei Brotgeruch umweht?

Thomas Sternberg: Das ist für mich Heimat. Wir hatten einen kleinen Familienbetrieb. Dort bin ich sehr gerne Bäcker gewesen. Aus Gesundheitsgründen bin ich aufs Abendgymnasium gegangen. In den Ferien und an Wochenenden habe ich aber immer mitgearbeitet.

Wie sind Sie zur Theologie gekommen?

Sternberg: Ich komme aus einem sehr kirchlichen Elternhaus. Mein Vater war vor dem Krieg im Kloster, ein Onkel Pfarrer, eine Tante Nonne und zwei Tanten Pfarrhaushälterinnen. In der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils habe ich als junger Mensch rege Diskussionen erlebt. Von daher rührt mein Interesse für Theologie – neben meiner Leidenschaft für Kunst und Germanistik.

Sie leiten seit 27 Jahren die Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus in Münster. Wo steht die Kirche?

Sternberg: Früher war die Hälfte der Bevölkerung evangelisch und die andere katholisch. Heute haben beide Konfessionen jeweils nur 30 Prozent – und über 40 Prozent mit den Kirchen nichts zu tun. Die Zeiten der Volkskirche sind noch nicht völlig vorbei. Aber wir erleben doch eine große Pluralisierung. Und dann hat die katholische Kirche auch noch viel Vertrauen verloren in den letzten Jahren. Kirchliche Stellungnahmen werden heute kritischer aufgenommen als früher.

Wie kann es mit der Kirche weitergehen?

Sternberg: Früher ging man sonntags zur Kirche – oder wurde schräg angeguckt. Diesen gesellschaftlichen Druck gibt es nicht mehr, jeder muss sich für seinen Weg entscheiden. Und da wird das Christentum als ein Angebot verstanden. Ich bin optimistisch. Als dienende und hörende Kirche sind wir gefragt, werden auch heute gebraucht.

Was könnten Ihre ersten Projekte als ZdK-Präsident sein?

Sternberg: Im ZdK gibt es Reformbedarf, nicht zuletzt was die Mitwirkung der Mitglieder angeht. Neben Präsidium und Hauptausschuss gibt es die Vollversammlung, die zweimal im Jahr zusammenkommt. Deren Tagesordnung lässt für Teilhabe der Mitglieder nur wenig Raum. Sie müssen mehr in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden – vielleicht auch durch neue Medien.

Wie sehen Sie das Außenbild der höchsten Laienvertretung?

Sternberg: Auch nach außen hin muss sich das ZdK neu aufstellen. Wir müssen als Katholiken in Deutschland unsere Standpunkte vortragen. Die EKD nimmt synodal Stellung; in politischen Fragen sollten wir öfter gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz auftreten. Und statt langer Verlautbarungen bedarf es einer Kommunikation, die aktueller, frischer und knapper daherkommt und einer veränderten Medienlandschaft entspricht.

Welche Rolle soll das ZdK in der Gesellschaft spielen?

Sternberg: Die Stimme der katholischen Frauen und Männer wird durchaus gehört. So hat das ZdK beim Thema Suizid-Beihilfe die Debatte mitgeprägt. Oder nehmen Sie das neue Papier zum Freihandelsabkommen, wo Kriterien genannt sind, an denen ein solches Abkommen aus christlicher Sicht zu messen ist. Unsere Stimme muss immer häufiger gemeinsam und ökumenisch sein – und da, wo es geht, auch mit anderen Religionen abgestimmt sein.

Inwiefern?

Sternberg: Wir müssen mit den religiösen Kräften in unserer säkularen oder auch nur gleichgültigen Gesellschaft den Schulterschluss suchen, vor allem mit den evangelischen Mitchristen, so wie 1997 beim gemeinsamen Sozialwort. Aber auch die so wichtige Zusammenarbeit des ZdK mit Juden und Muslimen wird noch wichtiger werden.

Wie wollen Sie mit den Bischöfen klarkommen?

Sternberg: Nicht wenige Laien haben nach dem Konzil den Eindruck gehabt, dass Reformen auf halbem Wege stecken geblieben sind. Sie haben sich daran wund gerieben, auch noch den letzten Bischof zu überzeugen. Diese Frontstellung – hier die Laien und dort die Bischöfe – gibt es so nicht mehr. Wir haben es heute mit einer pluralen Bischofskonferenz und auch mit einem pluralen Laienkatholizismus zu tun. Hier sind Dialog und gemeinsame Aktionen angesagt, um in die Gesellschaft hineinzuwirken. Aber auch beim "Gemeinsam-Kirche-Sein" wird es auch immer jemanden geben, der nicht mitmachen will.

Stichwort Pluralität: Was halten Sie vom konservativ geprägten Forum Deutscher Katholiken, das sich viel papsttreuer wähnt als das ZdK?

Sternberg: Papsttreue scheint vielen früher wichtiger gewesen zu sein als bei den aufrüttelnden Äußerungen von Papst Franziskus. Das Forum ist eine kleine Gruppe, deren Versuch gescheitert ist, eine Parallelstruktur zum ZdK aufzubauen. Viele haben eine falsche Wahrnehmung des ZdK, das offen für alle ist.

Auf der linken Seite des Spektrums trommelt die selbst so benannte "Kirchenvolksbewegung".

Sternberg: Die Kirchenvolksbewegung versammelt viele von jenen, die sich wund gerieben haben. Ihre Anliegen werden aber seit vielen Jahren auf Katholikentagen und im ZdK thematisiert. In gewisser Weise hat sich das überholt.

Noch mal zu den Bischöfen. Die hat das ZdK mit dem Vorschlag für einen Segen für gleichgeschlechtliche Paare ganz schön verärgert.

Sternberg: Es war wohl nicht klug, in unserem guten und lesenswerten Familienpapier in einem Satz so verschiedene Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare, für wiederverheiratete Geschiedene und für Ehejubilare zu vermischen. Aber an den Themen bleiben wir und suchen das konstruktive Gespräch.

Im Vorfeld hatte Maria Flachsbarth als Favoritin für die ZdK-Spitze gegolten – nicht zuletzt, weil sie eine Frau ist und Frauen in der Kirche eher seltener Leitungsämter besetzen.

Sternberg: Mit Frau Waschbüsch hatten wir auch schon eine Präsidentin. Die Themen "Frauen in kirchlichen Positionen" und Frauendiakonat sind für uns von großer Bedeutung. Es gibt zudem neben dem Präsidentenamt zwei starke Vizepräsidentinnen.

Wie wollen Sie ihre bisherigen Aufgaben und das neue Amt vereinbaren?

Sternberg: Ich gebe die Akademie-Leitung ab. Mein Landtagsmandat werde ich behalten.

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  1. undefinedThomas Sternberg neuer ZdK-Präsident (20.11.2015)

Interview: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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