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02.12.2016
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Im "Katechismus der katholischen Kirche" aus dem Jahr 1993 heißt es, dass homosexuelle Handlungen in keinem Fall zu billigen seien.

Im "Katechismus der katholischen Kirche" aus dem Jahr 1993 heißt es, dass homosexuelle Handlungen in keinem Fall zu billigen seien.

Serie zur Bischofssynode (16): Beitrag von Peter Schallenberg

Ist gelebte Homosexualität Sünde? JA

Vor einer Antwort muss geklärt werden, was mit "Sünde" gemeint ist. Das deutsche Wort lässt den altgermanischen Ursprung erkennen: Wir alle kennen vermutlich das norwegische Wort "Sund" als Bezeichnung für eine Meeresbucht, die zwei Küstenufer voneinander trennt. Genau dies meint das Wort "Sünde" in der christlichen Theologie: eine tiefgreifende Trennung des Menschen von Gott, vom Mitmenschen und von sich selbst. Jüdischer und christlicher Glaube ist überzeugt: Ohne Verbindung mit Gott ist der Mensch zwar überlebensfähig, aber nicht lebensfähig, bleiben nur Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Der Mensch lebt nicht von Brot und Wasser, er lebt von der Liebe anderer Menschen, dadurch geweckter Selbstliebe, letztlich von unvergänglicher ewiger Liebe, von Gott. Alles also, was die Liebe zu Gott, zum Mitmenschen und zu sich selbst fördert, führt zu Gott; was solche Liebe zerstört oder mindert, führt von Gott weg und ist in dieser Sicht Sünde. Sünde ist also nicht eine einzelne Tat, sondern Selbstverfehlung und Verzweiflung über sich selbst, die durch falsches Handeln übertüncht wird.

Christlicher Glaube geht aus von dieser im Wesen des Menschen steckenden Ursünde, die durch Gottes Liebe im Sakrament der Taufe weggenommen wird: Der Mensch ist dann wirklich neue Schöpfung. Allerdings bleibt nach katholischem Glauben die so genannte Konkupiszenz: Verwirrung und Lähmung hinsichtlich des konkret Guten. Zur lebenslangen Überwindung dieser Neigung zu Bosheit und Lieblosigkeit dienen die Sakramente, vor allem Eucharistie und Beichte: Sie erneuern in uns die Liebe Gottes.

Homosexuelle Handlungen sind nicht zu billigen. Denn: Liebe allein ist ein großes, aber noch sehr unbestimmtes Wort. Was heißt Liebe konkret? Und hier sagt in der Tat der "Katechismus der katholischen Kirche" aus dem Jahr 1993, dass "homosexuelle Handlungen in sich nicht in Ordnung sind. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen" (Nr. 2357). Sodann heißt es auch: "Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen" (Nr. 2358).

Von Sünde ist hier nirgends die Rede, wohl aber von Nichtbilligung. Daraus lese ich zweierlei. Erstens: Der Katechismus geht aus von einer Veranlagung, die nicht selbst gewählt ist, und somit die Freiheit der Wahl und des Handelns begrenzt. Sünde aber setzt Freiheit und Bewusstheit voraus. Daher kann man nur begrenzt von Sünde sprechen. Das katholische Lehramt spricht in anderen Stellungnahmen zu homosexuellen Handlungen von "in sich ungeordneten Handlungen". Damit verbunden ist auch, dass es keine Diskriminierung von homosexuell veranlagten Menschen im öffentlichen und kirchlichen Bereich geben darf.

Zweitens: Die Begründung für die Ablehnung der homosexuellen Handlungen stützt sich auf die Heilige Schrift (Gen 1,26: "Als Ebenbild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie") und auf die Definition einer vollkommenen Liebe durch Bereitschaft zur Weitergabe des Lebens, sowie eine Ergänzungsfähigkeit. Beide Argumente sind wichtig.

Peter Schallenberg ist katholischer Moraltheologe in Paderborn.

Peter Schallenberg ist katholischer Moraltheologe in Paderborn.

Zunächst: Die katholische Moraltheologie unterstreicht, nicht der einzelne Mensch, sondern der Mensch in treuer und lebenslanger Bindung an den Menschen des anderen Geschlechts sei Abbild Gottes. Hier erfolgt eine konkrete Definition der Liebe durch die Bindung an das biologische Geschlecht und die Möglichkeit der Weitergabe des Lebens auf biologisch natürlichem Weg.

Freilich sagt Augustinus: "Liebe und dann tu, was Du willst!" Aber die Art der Liebe ist entscheidend und keineswegs dem persönlichen Belieben anheimgestellt. Deswegen hat eine Gegenüberstellung von "Theologie der Liebe" zu einer "Theologie des Leibes" keinen Sinn: Der Leib gibt der Liebe des Menschen die Vorgabe für die individuelle Entfaltung. Daher ist es nicht gleichgültig, wen man liebt, ob in hetero- oder homosexueller Weise; beide Arten sind nach katholischer Auffassung vom Wesen her unterschieden, und dies nicht nur wegen der Aussage im Schöpfungsbericht, sondern auch wegen – und dies ist das zweite Argument – der affektiven Ergänzungsfähigkeit.

Dies soll heißen: Die katholische Lehre betont nicht einfach die Liebe, sondern eine hingebende selbstvergessene Liebe, und sie sieht die Chancen für eine solche Liebe, die Gottes hingebender Liebe entspricht, eher möglich und gegeben in der Form heterosexueller, treuer und lebenslanger Liebe als in homosexueller Partnerschaft.

Im Katechismus heißt es abschließend zur Frage der Homo- sexualität: "Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen … und sollen sich durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt der christlichen Vollkommenheit annähern" (Nr. 2359).

Im Übrigen gilt für jeden Christen und in jeder Partnerschaft das Gesetz der Gradualität: sich schrittweise der vollkommenen Liebe annähern. Dabei zu begleiten, ist die Aufgabe der Seelsorge und der Kirche mit den Sakramenten. Das gilt so radikal nur für den getauften Christen, nicht aber für staatliche Gesetzgebung. Diese aufzufordern, auf gesetzliche Regelungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu verzichten (selbst wenn der Staat diese als Ehe bezeichnet), halte ich für unangemessen und illusorisch, ja unnötig diskriminierend.

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Text: Professor Dr. Peter Schallenberg | Fotos: Reuters, Markus Nolte
12.10.2015

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