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27.09.2016
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Heiner Koch

Heiner Koch, neuer Erzbischof von Berlin.

Porträt des neuen Erzbischofs von Berlin, Heiner Koch

"Wir sind keine Kirche der Fertigen"

Berlin. Noch um Pfingsten herum, nur wenige Tage vor seiner Ernennung, war Heiner Koch in Rom. Allerdings weder als Noch-Bischof von Dresden noch als Demnächst-Erzbischof von Berlin, sondern vor allem nichtsahnend. Formal freilich als deutscher Familienbischof, der Anfang Oktober mit Kardinal Reinhard Marx und Bischof Franz-Josef Bode die deutsche Delegation bei der Weltbischofssynode im Herbst bildet.

Das nicht sonderlich offizielle "Pfingsttreffen" in Rom war ein Studientag, an dem Bischöfe aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, dazu einige Mitarbeiter der Kurie, Theologieprofessoren und ein Dutzend ausgewählter Journalisten teilnahmen. Der Austausch habe gezeigt, dass die Ehe- und Familienpastoral auf individuelle Lebensentwürfe reagieren müsse, teilte die Deutsche Bischofskonferenz im Anschluss mit.

Der Familienbischof

Kochs Ernennung zum Nachfolger von Kardinal Rainer Maria Woelki – beide kennen sich lange, beide kommen aus dem Erzbistum Köln, nur einer kehrte dorthin zurück – fällt in eine Zeit, in der der Ton der Debatte um Ehe, Familie, andere Lebensformen und um Sexualität rauer wird. Umso pointierter war das Bekenntnis des neuen Berliner Erz- und Familienbischofs am Tag seiner Ernennung Anfang Juni durch Papst Franziskus: "Jede Verbindung, die Menschen stärkt und hält, ist in meinen Augen gut, das gilt auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen."

Gleichwohl brauche es eine gesellschaftliche Debatte über den Ehe-Begriff. Dabei müsse grundsätzlich unterschieden werden zwischen einer Beziehung zweier Menschen, die lebenslang zusammen sein wollen, und solchen, die Vater und Mutter sein wollen, sagte Koch.

Dresdner Erfahrungen

Solche vergleichsweise politischen Äußerungen kannte man von Koch bislang kaum – womöglich hat man allerdings im Westen auch zu wenig wahrgenommen, wie er sich im Osten beispielsweise zur relativ starken, islamfeindlichen Pegida-Bewegung in seiner bisherigen Bischofsstadt zu Wort gemeldet hatte. Er nahm an einer großen Gegen-Demonstration in Dresden teil, sah in der asylkritischen Initiative aber auch einen "tiefen Ausdruck seelischer und religiöser Leere". Er beobachte bei vielen Demonstranten vorrangig eine Angst vor Heimatverlust, sagte er damals. Jüngst allerdings stellte er ernüchtert fest: Das Gespräch mit Pegida "war ein Irrtum".

Der Wechsel nun nach Berlin überraschte dennoch. Manche anderen waren mit guten Argumenten gehandelt worden – geworden ist es Heiner Koch. Nur gut zwei Jahren stand er an der Spitze des sächsischen Bistums und genoss dort große Beliebtheit. Schnell und engagiert hatte er sich in die ostdeutsche Diaspora-Situation "eingearbeitet". Eigens lernte er Sorbisch für die slawische Minderheit in seinem Bistum. Fachliche Kompetenz und menschliche Unkompliziertheit machen den Ruf des 61-Jährigen aus, der stets bescheiden, aber humorvoll, mit mitunter recht kräftiger Stimme auftritt.

Einladung an Nichtchristen

Rasch fand Koch einen Zugang zu den Ostdeutschen, weit über sein Bistum hinaus. Bei seinem Antritt in Dresden im März 2013 erklärte er: "Ich komme nicht und sage, was zu tun ist." Sein "Führungsverständnis" ziele vielmehr auf "Mitnehmen und Integrieren" ab. Um "Fettnäpfchen" zu vermeiden, ließ er sich eigens beraten, welche Reizworte er als "Wessi" besser vermeiden sollte.

Erst am 9. Mai dieses Jahres konnte Koch in Leipzig den größten Kirchenneubau Ostdeutschlands weihen. In seiner Predigt zur Weihe der Propsteikirche St. Trinitatis zeigte er sich als Bischof einer offenen und einladenden Kirche, indem er sich auch an die Nichtchristen wandte: "Wir sind dankbar für Sie, die Ungetauften, die Sie mit Ihren Lebenserfahrungen, mit Ihrem Suchen und Ihrem Fragen für uns ein Reichtum sind, lebens- und glaubensbedeutsam." Er rief sie auf, die Katholiken zu begleiten: "Wahrscheinlich sind wir einander viel näher, als wir es ahnen." Zugleich betonte Koch: "Wir sind keine Kirche der Fertigen, die meinen, Gott begriffen zu haben, ihn im Griff zu haben." Auch Christen suchten Gott immer wieder neu.

Als Koch den 100. Katholikentag für 2016 nach Leipzig einlud, machte er schnell deutlich: Der Dialog mit Nichtgläubigen müsse im Zentrum stehen – als ostdeutsches Charakteristikum, das aber auch zunehmend für den Westen Bedeutung hat. Koch weiß, wie man solche christlichen Großveranstaltungen organisiert: 2005 war er Generalsekretär des Kölner Weltjugendtags mit Papst Benedikt XVI. Als Erzbischof von Berlin und "katholisches Gesicht der Hauptstadt" dürften Koch all diese Erfahrungen nützlich sein. Am Tag seiner Ernennung betonte er, dass er sich im Bistum Dresden-Meißen "nicht aus der Verantwortung stehle". Die Planungen für den 100. Katholikentag im Mai 2016 in Leipzig werde er weiter begleiten, auch von Berlin aus.

Ostbistümer als "Praktikumsstellen"?

Einige seiner ostdeutschen Amtsbrüder wurden gleichwohl recht deutlich, was die Bewertung eines erneuten raschen Bischofswechsels angeht. Magdeburgs Bischof Gerhard Feige sprach von einer "fragwürdigen" Ernennung. "Neben Görlitz und Berlin ist Dresden-Meißen damit schon das dritte Bistum im Osten Deutschlands, das seinen Bischof nach nur kurzer Dienstzeit wieder verliert", kritisierte er. "Angesichts der besonders schwierigen Situation der Katholiken in den neuen Bundesländern trägt dies eher noch zur weiteren Destabilisierung der kirchlichen Verhältnisse bei." Feige kritisierte weiter: "Bedauerlicherweise entsteht der Eindruck, ostdeutsche Bistümer seien inzwischen so etwas wie ein 'Verschiebebahnhof' oder wie 'Praktikumsstellen' zur Qualifizierung für 'höhere Ämter'".

Der scheidende Bischof Koch erklärte, er habe bei der vatikanischen Bischofskongregation darum gebeten, dass der Dresdner Bischofsstuhl schnell wieder besetzt werde: "Das hat man mir dort auch zugesichert." Den Katholikentag 2016 in Leipzig dürfte jedenfalls wohl der neue Dresdner Bischof eröffnen – nachdem er  kurz vorher vom Berliner Erzbischof ins Amt eingeführt wurde: von Heiner Koch.

Lebens-Stationen

Vom Rhein über die Elbe an die Spree: Heiner Koch, ernannter Erzbischof von Berlin, bislang Bischof von Dresden, zuvor Weihbischof in Köln. Er wurde am 13. Juni 1954 in Düsseldorf geboren. Sein Studium von Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften in Bonn schloss er mit dem Staatsexamen in Erziehungswissenschaften und der Promotion in Theologie ab. Nach seiner Priesterweihe 1980 war er Kaplan in Kaarst und Stadtjugendseelsorger in Neuss, anschließend Hochschulpfarrer in Düsseldorf. 1989 wechselte er ins Kölner Generalvikariat, wo er zunächst die Abteilung Erwachsenenseelsorge, ab 1992 die Hauptabteilung Seelsorge leitete. Ab 1995 war er Bundespräses des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Von 2002 an plante er als Generalsekretär maßgeblich den Weltjugendtag mit, der 2005 in Köln stattfand. Ein Jahr später ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Köln. (mn)

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Text: Markus Nolte und KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Markus Nolte
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