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10.12.2018
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Schwester Raphaela Händler.

Schwester Raphaela Händler.

Welt-Aids-Tag: Interview mit Schwester Raphaela Händler

"Aids ist mehr als nur ein medizinisches Problem"

Tansania / Nottuln. Seit 40 Jahren kämpft die Missions-Benediktinerin Dr. Raphaela Händler für das Wohl der Menschen in Afrika. Mit Leidenschaft stemmt sich die ausgebildete Frauenärztin gegen Malaria, Armut, fehlende Bildung und – seit den frühen Neunzigerjahren – vor allem gegen Aids. Zum Welt-Aids-Tag am Montag (01.12.2014) sprach kirchensite.de mit der aus Nottuln (Kreisdekanat Coesfeld) stammenden 74-Jährigen über ihr Wirken in Tansania und über die Aids-Problematik.

kirchensite.de: Welche Hilfen gegen Aids benötigen die Länder Afrikas am dringendsten?

Schwester Raphaela Händler: Es ist ziemlich still geworden rund um die Aids-Epidemie, auch in Afrika. Momentan reden viele über Ebola, auch hier. Ich kann mir nicht anmaßen, über alle Länder in Afrika zu sprechen, denn ich kenne nur wenige besser. Vor allem Tansania und Namibia, aber auch einige andere Länder Südafrikas in Bezug auf HIV / Aids, Kenia und Uganda zum Beispiel. Überall haben wir weiterhin ein Aids-Problem. Der große Schritt zur positiven Veränderung kam, als die Medikamente kostenlos für alle, die sie brauchen, zur Verfügung gestellt wurden. Damit ging die Stigmatisierung der Kranken sehr zurück. Ich glaube, das Stigma ist nicht größer als in Deutschland, wo es doch beträchtlich ist. Benötigt wird in Afrika weiterhin kostenlose Medikation für HIV-Erkrankte nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO, aber dazu ein besser funktionierendes allgemeines Gesundheitswesen. Das kommt auch immer wieder klar bei der Ebola-Epidemie zur Sprache. Das betrifft das Personal, die Einrichtungen, die Pharmaka und die anderen medizinischen Artikel. Normalerweise mangelt es an allem. Aids ist aber nicht nur ein medizinisches Problem. Auch die Bekämpfung von Armut, stabile Familien, Förderung von Frauen, eine gesunde Sexualethik und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind wichtig, um unter anderem die Aids-Problematik zu verbessern. Dazu spielen Kondome eine Rolle, aber sicherlich nicht die führende, wie man oft in Europa meint.

kirchensite.de: Welche Rolle müsste die katholische Kirche einnehmen?

Schwester Raphaela: Die katholische Kirche sollte vorangehen im Willkommenheißen von allen Menschen in der Gemeinde, natürlich auch von Aids-Kranken. Absolut keine Stigmatisierung! Sie sollte sich besonders um Kranke und Waisen kümmern, aber auch Jugendprogramme initiieren, um neue Ansteckung zu vermeiden.

kirchensite.de: Welche Schwerpunkte setzen Sie derzeit in Tansania?

Schwester Raphaela: Einer meiner Schwerpunkte bleibt die Aids-Arbeit. Das geschieht durch das UZIMA-Projekt, angesiedelt in der Pfarrei Ndanda, in der ich meinen Wohnsitz habe. Das Einzugsgebiet besteht aus etwa 25.000 Menschen, die Hälfte davon ist muslimisch. Wir besuchen die Kranken, auch die chronisch Kranken mit anderen Diagnosen, wir helfen momentan etwa 400 Waisenkindern. Es gibt ein Jugendprogramm mit Clubs und Aktionen in mehreren Schulen. Neu beginnen wir ein Palliativprogramm für schwerstkranke Menschen. Weiterhin bemühe ich mich sehr um das Krankenhaus Nyangao, wo ich bis 1994 Chefärztin war. Es gibt dort viele finanzielle Probleme, aber auch Probleme in der Führung. Wichtig ist für mich mein Engagement im Erziehungswesen. Vieles habe ich begonnen – wie den Aufbau der Aquinas-Sekundarschule, die nun 415 Schülerinnen und Schüler hat und diese bis zum Abitur führt. Gerade bemühe ich mich um den Bau eines Internats für 150 Jungen für diese Schule. Und dann um den Bau einer neuen Grundschule, die katholisch ausgerichtet ist, ein ganzheitliches Konzept für die Bildung hat und schon gleich mit Englisch als Unterrichtssprache beginnt.

kirchensite.de: Wie hilft Ihnen der Kontakt zur Heimat?

Schwester Raphaela: Der Kontakt zur Heimat im Münsterland ist ganz wichtig. Einerseits ist es klar, dass ich für alle Aktivitäten Gelder brauche. Und die bekomme ich über den Freundeskreis in Deutschland. Da bin ich sehr dankbar für so viel großherzige Hilfe. Das motiviert mich auch immer wieder, in schwierigen Situationen auszuhalten. Andererseits bin ich sehr betroffen, wie der Glaube an Christus in Deutschland zurückgegangen ist, verschwindet. Da bin ich als Missionarin gefragt, denn ich bin ja Missionarin von ganzem Herzen – nicht nur für Afrika. Und so freue ich mich über alles, was ich tun kann, um für Jesus Zeugnis abzulegen in Deutschland. Deutschland ist mehr Missionsland als Afrika. Wir sind alle Missionare auf Grund unserer Taufe; aber einigen Menschen brennt die Liebe Gottes, die sich in Christus für alle Menschen geoffenbart hat, besonders im Herzen. Jedem Menschen soll diese Liebe als Angebot kundgemacht werden. Und in unserem Tun soll dieser Gott der Liebe aufscheinen.

kirchensite.de: Was wünschen Sie sich für Schwarzafrika?

Schwester Raphaela: Ich wünsche mir, dass die Staaten sich verantwortlich entwickeln. Die Politiker sollten wirklich das Allgemeinwohl ihrer Völker vor Augen haben – mit weniger Korruption, Vetternwirtschaft und Inkompetenz in der Abwicklung von Projekten. Verantwortlicher Umgang mit den vielen Ressourcen und mit der Schöpfung ist wichtig. Ich wünsche mir, dass die christlichen Kirchen in Einheit auf dem Weg der sozialen Verantwortung vorangehen und eine starke Stimme haben – zum Schutz der Armen, der Landbevölkerung und als Hoffnung für die Jugend. Ich wünsche mir, dass der fundamentale Islam in seine Schranken verwiesen wird statt weiter zu erstarken. Ich wünsche mir, dass die vielen Kriege in Afrika überwunden werden können durch den Respekt vor jedem Menschenleben. Ich wünsche mir, dass die Angst vor Hexen und bösen Geistern durch den Glauben an einen Gott der Liebe in Schranken gehalten wird, besser noch ganz verschwindet.

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