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30.09.2016
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Papst Franziskus.

Papst Franziskus.

Aussagen zur Rolle der Frau, zu Homosexuellen, zur "alten Messe"

Großes Interview: Päpstliche Positionen

Vatikanstadt. Im Interview mit mehreren internationalen Zeitschriften des Jesuitenordens hat Papst Franziskus am Donnerstag (19.09.2013) Stellung zu großen Kirchenthemen bezogen. Es ging unter anderem um die Rolle der Frauen in der Kirche, den Umgang mit Homosexuellen und die Kommunikation in der Kirche.

Mehr Mitsprache für Frauen

Für Frauen fordert Franziskus größere Mitspracherechte. "Die Räume einer einschneidenden weiblichen Präsenz in der Kirche müssen weiter werden", sagte er. Die Kirche müsse über den "spezifischen Platz der Frau" nachdenken, "gerade auch dort, wo in den verschiedenen Bereichen der Kirche Autorität ausgeübt wird". Der Papst deutete an, eine wichtigere Rolle von Frauen bedeute nicht automatisch einen Zugang zu Weiheämtern. Man dürfe nicht außer Acht lassen, dass Frauen eine andere Persönlichkeitsstruktur hätten als Männer.

Wörtlich warnte er vor einer "Männlichkeit im Rock". Die Gottesmutter Maria etwa sei zwar wichtiger als einzelne Bischöfe, erläuterte Franziskus. Man dürfe aber nicht Funktion und amtliche Würden verwechseln.

Kirche "will Homosexuelle nicht verurteilen"

Der Papst wandte sich auch gegen eine moralische Verurteilung Homosexueller in der Kirche. Als Erzbischof von Buenos Aires habe er Briefe von Homosexuellen bekommen, die sich von der Kirche verurteilt fühlten, sagte er: "Aber das will die Kirche nicht." Es dürfe keine "spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben".

Die Religion habe zwar das Recht, "die eigene Überzeugung im Dienst am Menschen auszudrücken". Gott habe die Menschen in der Schöpfung jedoch "frei" gemacht, sagte Franziskus. Er bekräftigte zugleich seine Treue zur Morallehre der Kirche: Ihre Ansichten seien hinreichend bekannt, "und ich bin ein Sohn der Kirche".

Nicht auf Aussagen zu Moral-Fragen fixieren

Franziskus betonte, mit seiner Äußerung zu Homosexualität während des Rückflugs aus Brasilien Ende Juli habe er lediglich bekräftigt, was im Katechismus stehe. Damals hatte Franziskus gesagt, er könne eine homosexuelle Person, die guten Willens sei und Gott suche, nicht verurteilen. Er sei einmal gefragt worden, ob er Homosexualität billige, berichtete Franziskus. Daraufhin habe er sein Gegenüber gefragt, ob Gott eine homosexuelle Person mit Liebe anschaue oder sie zurückweise.

Franziskus warnte vor einer einseitigen Fixierung auf moralische Fragen: "Wir können uns nicht nur mit der Frage um Abtreibung befassen, mit homosexuellen Ehen, mit Verhütungsmethoden." Die Kirche müsse sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren, die Glaubensverkündigung. Sie müsse in ein "neues Gleichgewicht" mit Äußerungen zu moralischen Fragen gebracht werden.

Für "alte Messe" – Konzilsreformen aber "unumkehrbar"

Die Wiederzulassung der so genannten "alten Messe" durch Benedikt XVI. 2007 nennt der Papst "weise". Zugleich warnte er vor einer "Ideologisierung" und "Instrumentalisierung" des tridentinischen Ritus. Die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erfolgte Liturgiereform sei ein "Dienst am Volk" gewesen. Die vom Konzil angestoßenen Reformen seien "absolut unumkehrbar".

Die tridentinische Messe ist jener lateinische Ritus, der nach dem Konzil von Trient (1545-1563) für die katholische Kirche vorgeschrieben war. Entsprechende Messbücher wurden erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil schrittweise ersetzt; seither wird die Messe in der Regel in der Landessprache gefeiert.

Vatikanbehörden keine "Zensurstellen"

Ferner sprach sich der Papst für eine stärkere Stellung der Bischofskonferenzen gegenüber dem Vatikan aus. Es sei "eindrucksvoll", die Anklagen wegen angeblicher Mängel an Rechtgläubigkeit zu sehen, die in Rom einträfen, sagte der Papst. Kurienbehörden dürften aber keine "Zensurstellen" sein. Solche Fälle würden "besser an Ort und Stelle" von den Bischofskonferenzen untersucht. Der Vatikan könne sich auf Hilfestellung beschränken. Die vatikanischen Stellen seien "Einrichtungen des Dienstes" und "nicht autonom".

Franziskus rief dazu auf, "gemeinsam" zu gehen: "Volk, Bischöfe, Papst. Synodalität muss auf verschiedenen Ebenen gelebt werden. Vielleicht ist es Zeit, die Methode der Synode zu verändern, denn die derzeitige scheint mir statisch. Das kann dann auch einen ökumenischen Wert haben – besonders mit unseren orthodoxen Brüdern. Von ihnen kann man noch mehr den Sinn der bischöflichen Kollegialität und die Tradition der Synodalität lernen."

Für "wirkliche Beratungen"

Der Papst wies Forderungen zurück, er solle "nicht zuviel beraten, sondern entscheiden". Er halte Beratungen aber für "sehr wichtig", etwa in Konsistorien oder Synoden: "Ich wünsche mir wirkliche, keine formellen Konsultationen." Auch das Gremium der acht Kardinäle, die Vorschläge zur Kurienreform erarbeiten sollen, "ist nicht allein meine Entscheidung, sondern Frucht des Willens der Kardinäle, wie er bei den Generalkongregationen vor dem Konklave zum Ausdruck gebracht wurde".

Nein zum Papst-Appartement

Schließlich erklärte der Papst, weiter im vatikanischen Gästehaus wohnen zu wollen. Das Papst-Appartement im Apostolischen Palast sei wie ein "umgekehrter Trichter": groß und geräumig, aber durch den schmalen Eingang könne man nur "tropfenweise" eintreten. "Das ist nichts für mich", bekannte Franziskus. Er müsse sein Leben zusammen mit anderen Menschen leben. Als er das Appartement nach seiner Wahl besichtigte, habe er ein "Nein" verspürt – auch wenn die Wohnung keineswegs luxuriös und durchaus geschmackvoll sei.

Das Papst-Interview ist auf der Internetseite der deutschen Jesuiten-Zeitschrift "Stimmen der Zeit" veröffentlicht. Franziskus gehört selbst den Jesuiten an.

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  1. undefinedReaktionen auf das Papst-Interview (21.09.2013)
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Text: jjo, KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Reuters
20.09.2013

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