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29.09.2016
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Jorge Mario Bergoglio.

Jorge Mario Bergoglio rief bereits vor seiner Papstwahl vor den Kardinälen zu Reformen auf.

Manuskript mit Zustimmung des Papstes veröffentlicht

Bergoglio: Brandrede vor Kardinälen – vor seiner Papstwahl

Vatikanstadt / Havanna. Mit Zustimmung des Papstes hat der kubanische Kardinal Jaime Ortega die Zusammenfassung einer Rede veröffentlicht, die Kardinal Jorge Mario Bergoglio vor den Kardinälen in Rom gehalten hat – und zwar wenige Tage vor dem Konklave, das ihn zum Papst wählte. Bergoglio forderte in der Rede einen Richtungswechsel der Kirche.

Hätte nicht Papst Franziskus selbst die Genehmigung gegeben, würde Ortega wohl exkommuniziert. So aber gewährt die Veröffentlichung in der Bistumszeitung von Havanna einen einmaligen Einblick in die Beratungen vor dem Konklave, über die es sonst nur Andeutungen und Indiskretionen gegeben hätte.

Aufruf zu radikalen Reformen

Die Rede sorgte, wie mehrere Kardinäle in den vergangenen Tagen angedeutet hatten, wegen ihrer klaren Analyse und dem Aufruf zu radikalen Reformen für Aufsehen unter den Kardinälen. Ortega bat Bergoglio später um eine schriftliche Fassung, die dieser ihm handschriftlich anfertigte.

Die Zusammenfassung beginnt mit der These, die Verkündigung des Evangeliums sei der eigentliche Daseinszweck der Kirche. Daher sei sie aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und sich an die Grenzen der menschlichen Existenz vorzuwagen. Bergoglio greift damit den Begriff der Orientierung hin zur "Peripherie" auf, der aus der Befreiungstheologie stammt: Nur wenn sich die Kirche an jene wendet, die am Rand der Gesellschaft stehen, erfüllt sie den Auftrag Jesu. Zu den Rändern menschlicher Existenz zählen laut Bergoglio "die Sünde, der Schmerz, die Ungerechtigkeit und jede Form von Elend".

Gegen Beschäftigung der Kirche mit sich selbst

Hart urteilt der jetzige Papst in der Rede über bestimmte Formen klerikaler Eitelkeit und über die Beschäftigung der Kirche mit sich selbst. Wenn die Kirche nur auf sich selbst schaue, werde sie "selbstreferenziell" und verfalle einem "theologischen Narzissmus". Sie täusche nur noch vor, dass Jesus Christus in ihr sei; in Wahrheit aber entferne sie sich von ihm.

So entstehe ein Übel, das Bergoglio mit einem Zitat des Konzilstheologen Henri de Lubac (1896-1991) als "geistliche Mondänität" bezeichnet. Sie führe zu einer Art innerkirchlicher Eitelkeit, die abstoßend wirke und das klare Licht des Evangeliums verdunkele.

Verkündende oder "verweltlichte" Kirche

Letztlich gebe es nur zwei Kirchenbilder, betonte Bergoglio am Ende der Rede: die Kirche, die Gottes Wort hört und es treu verkündet, und eine "verweltlichte Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt". In diesem Licht müsse man "mögliche Veränderungen und Reformen sehen, die notwendig sind für die Rettung der Seelen", schloss Bergoglio.

Mit der Rede aus den Tagen vor dem Konklave ist nun erstmals eine Art Programm des Franziskus-Pontifikats veröffentlicht. Sie hat ein vergleichbares Gewicht wie jene Kampfansage an die "Diktatur des Relativismus", die Kardinal Joseph Ratzinger 2005 in seiner letzten Predigt vor dem Konklave formulierte.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedDokumentiert: Kardinal Jorge Mario Bergoglios Zusammenfassung der Rede
  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Papst Franziskus
  2. undefinedVor dem Konklave 2005: Die Predigt von Kardinal Joseph Ratzinger (18.04.2005)
  3. undefinedVor dem Konklave 2013: Die Beratungen der Kardinäle (07.03.2013)

Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, jjo | Foto: Reuters
27.03.2013

    1. Dokumentiert: Rede vor den Kardinälen vor der Papstwahl

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