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10.12.2016
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Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI.

So sensationell der Schritt ist – die Regeln der Kirche sind vorbereitet

Nach dem Papst-Rücktritt: Wie es jetzt weitergeht

Vatikanstadt. Zwei Tage nach der Ankündigung seines Rücktritts hat Benedikt XVI. am Mittwochabend (13.02.2013) die Aschermittwochs-Liturgie gefeiert. Zwar im Petersdom statt wie üblich mit einer Bußprozession vom römischen Aventin-Hügel zur Dominikanerkirche Santa Sabina. Aber eigentlich wie immer. Benedikt XVI. hat die Kirche in die Österliche Bußzeit geführt; zum Osterfest, so viel dürfte sicher sein, wird ein neuer Papst den Segen "Urbi et Orbi" von der Benediktionsloggia des Petersdoms spenden. – Wo wird Benedikt XVI. dann sein?

So ungewöhnlich der Rücktritt eines Papstes ist, so ungeziemlich derlei Gedanken und allemal Forderungen bislang galten, so sehr dieser Schritt zweifelsohne als "historisch" zu werten ist: Für das Kirchliche Gesetzbuch ist er keine Ausnahme von der Norm, sondern schlicht eine denkbare Möglichkeit. Nur fünf der 1752 "Canones" des "Codex Iuris Canonici" beschäftigen sich überhaupt direkt mit dem Papstamt (can. 331 bis 335), und schon Kanon 332, der vom Beginn der Amtsgewalt des Papstes im Augenblick der Wahlannahme spricht, besagt in seinem nächsten Abschnitt: Für die Gültigkeit eines Amtsverzichts des Papstes ist lediglich verlangt, dass er "frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird".

"Blitz aus heiterem Himmel"

Benedikt XVI. hatte sich in dem Interview-Buch mit dem Journalisten Peter Seewald 2010 zu einem Amtsverzicht geäußert: "Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht, zurückzutreten." Diese "klare Erkenntnis" hat er nun für sich selbst gewonnen. In seiner überraschenden Erklärung vor den Kardinälen im Vatikan spricht er von der wiederholten Prüfung seines Gewissens vor Gott, von der Erkenntnis seines "Unvermögens, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen", davon, dass er seinen Amtsverzicht "im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes" und – ein Zitat des Kirchlichen Gesetzbuchs – "mit voller Freiheit" erkläre. Und stellt fest: Der Sitz des Bischofs von Rom sei ab dem 28.02.2013 um 20 Uhr, vakant.

Bis dahin ändert sich schlichtweg nichts. Allerdings: Anders als nach dem Tod eines Papstes haben die Kardinäle nun fast doppelt so viel Zeit, sich bis zum Einzug in die Sixtinische Kapelle Gedanken über den Nachfolger zu machen. Jeder für sich, selbstredend.

Zunächst aber muss nach der Erklärung des Papstes unter den anwesenden Kardinälen in Rom "fassungsloses Schweigen" geherrscht haben, wie "Radio Vatikan" meldet. Kardinaldekan Angelo Sodano habe dann das Wort ergriffen und die Entscheidung des Papstes als einen "Blitz aus heiterem Himmel" bezeichnet. Sodano kommt es als oberstem der Kardinäle zu, alle Vorkehrungen für das Konklave zu treffen.

Wahl gut zwei Wochen nach der Sedisvakanz

Die Wahl des neuen Papstes muss mindestens 15, maximal 20 Tage nach Beginn der Sedisvakanz stattfinden. Das hat Papst Johannes Paul II. am 22. Februar 1996 mit der Apostolischen Konstitution "Universi Dominici Gregis – Über die Vakanz des Apostolischen Stuhls und die des Papstes von Rom" festgelegt. Alle unter 80-jährigen und damit wahlberechtigten Kardinäle werden also frühestens am 15., spätestens am 20. März in die Sixtinische Kapelle einziehen.

Mit Beginn der Sedisvakanz – also erst ab dem 28.02.2013 – ist die Leitung der Kirche dem Kardinalskollegium anvertraut – "aber nur zur Erledigung der ordentlichen Angelegenheiten" oder für Fragen, "die keinen Aufschub dulden", sagt die Papstwahlrichtlinie von 1996. Erlassene Gesetze dürfen nicht geändert werden. Statt der diversen Kongregationen im Vatikan gibt es nur zwei: Da ist einmal die "Generalkongregation", bestehend aus allen wahlberechtigten Kardinälen und mit dem Kardinaldekan Angelo Sodano an der Spitze. Zum anderen gibt es die "Sonderkongregation", zu der drei von allen Kardinälen per Los bestimmte Kardinäle ("Assistenten") und der so genannte Camerlengo ("Kämmerer") gehören – derzeit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Während die Assistenten alle drei Tage bis zur erfolgten Wahl eines Papstes neu gewählt werden, kommt dem Camerlengo die praktische Vorbereitung der Wahl und auch das Verschließen der Sixtinischen Kapelle zu.

Von Castel Gandolfo ins Kloster

Papst Benedikt XVI. wird sich derweil zunächst in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo aufhalten. Nach seinem Amtsverzicht wolle er ein "Leben im Gebet" führen, sagte er in seiner Erklärung vor den Kardinälen.Dazu will er – als "Alt-Papst"? – in das bisherige Karmel-Kloster innerhalb der Vatikanmauern ziehen, sobald die nötigen Umbauarbeiten dort abgeschlossen sind.

Ähnliches hatte auch der bislang einzige zurückgetretene Papst vor: Coelestin V. wollte 1294 als über 80-Jähriger sechs Monate nach seiner Wahl lieber wie zuvor als Einsiedlermönch leben. Sein Nachfolger Bonifatius VIII. aber verhinderte das, indem er ihn bis zu seinem Tod in einer Burg außerhalb Roms gefangen hielt.

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Text: Markus Nolte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben | Foto: Michael Bönte
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