
Eine Arbeitsgruppe mit Psychologen, Soziologen und Religionspädagogen untersucht, welche Auswirkung die Vorbereitung zur Erstkommunion auf das religiöse Bewusstsein von Mädchen und Jungen hat.
Forscher untersuchen religiöse Kommunikation
Was bringt die Erstkommunionkatechese?
Heidelberg. Der Mensch gilt als ein transzendentes Wesen. Aber wie entsteht beim Einzelnen Religiosität, was ist entscheidend, damit sich Menschen mit der Frage nach Gott auseinandersetzen?
Eine Arbeitsgruppe mit Psychologen, Soziologen und Religionspädagogen aus Tübingen, Heidelberg, Bonn, Dortmund und Frankfurt untersucht mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 2010, welche Auswirkung die Vorbereitung zur katholischen Erstkommunion auf das religiöse Bewusstsein von Mädchen und Jungen hat.
Erstkommunionkatechese vermittelt das biblische Gottesbild
Am Mittwoch (08.02.2012) formulierten die Wissenschaftler in Heidelberg erste "vorläufige Erkenntnisse". Die beiden Hauptergebnisse: Durch die Erstkommunionkatechese wird das biblische Gottesbild vermittelt. Zudem nimmt die religiöse Praxis zu, also etwa das persönliche Gebet und der sonntägliche Kirchgang. Der größte Unterschied zu einer Vergleichsgruppe ergab sich indes beim christlich-religiösen Wissen insgesamt. Das zweite Ergebnis ist, dass das Erstkommunionvorbereitungsmodell der Familienkatechese das mit weitem Abstand erfolgreichste zur Vermittlung von Religiosität ist.
Bei diesem aus lateinamerikanischen Vorbildern abgeleiteten Modell gibt es neben der von einem Katecheten geleiteten Kindergruppe zur Vorbereitung auf die Erstkommunion auch noch Elterngruppen. Vor allem aber wird die Familie "als eigentlicher Ort der Glaubenskommunikation gesehen und gestärkt", wie es der Tübinger Religionssoziologe Albert Biesinger formulierte. Er sprach vom "Erfolgsmodell Familienkatechese".
Religiöses und moralisches Bewusstsein
Erstkommunionvorbereitung in Form des früher gerne praktizierten "Frontalunterrichts" ist dagegen nachweisbar deutlich weniger erfolgreich. Für bewiesen halten die Forscher auch, dass es einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung eines religiösen und eines moralischen Bewusstseins gibt. Eltern, so ihr Ergebnis, vermitteln Kindern vor allem religiöse Werte, und daraus entwickelten die Töchter und Söhne dann ihr allgemeines ethisches Gedankensystem. Religiosität und Wertesysteme korrespondieren demnach seht stark miteinander.
Für die in der Form in Deutschland bislang einzigartige Studie wurden bundesweit 1.134 Jungen und Mädchen im Alter zwischen acht und neun Jahren sowie 1.109 Elternteile aus 81 zufällig ausgesuchten Städten im ganzen Bundesgebiet befragt. Erstmals vor Beginn der Katechese und noch einmal nach der Erstkommunion.
90 Prozent aller Befragten bewerteten Katechese als gut
Eine dritte Befragung findet in diesem Jahr statt, rund ein Jahr nach dem Fest. Zu einer Kontrollgruppe gehörten evangelische und muslimische Kinder sowie solche, die keiner religiösen Gruppe angehören. Bei der Datenerhebung und -analyse unterstützt werden die Forscher vom Bonner Institut für angewandte Sozialwissenschaft infas.
Fast 90 Prozent aller Befragten bewerteten die Katechese als gut oder sehr gut. Bei mehr als der Hälfte stieg mit Blick auf die eigene Person der Stellenwert der Religion. Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals in der Kirche räumten die Forscher für die Zeit der Studie zwar "ungünstige gesellschaftliche Rahmenbedingungen zur religiösen Unterweisung" ein; trotzdem sehen sie vor allem beim Modell der Familienkatechese prinzipiell "alle Ziele erreicht".
Religiöse Kompetenz der Kinder
Dies gilt laut Studie eben nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern. Für weit mehr als ein Drittel der Erwachsenen wurde Religion als Folge der Katechese nach eigenem Bekunden "wichtiger", für lediglich 1,5 Prozent "unwichtiger". Und je stärker Mama und Papa in die Vorbereitung eingebunden waren, desto stärker entwickelte sich eine religiöse Kompetenz der Kinder, aber auch deren eigene Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit religiösen Fragen.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Text: Michael Jacquemain,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
09.02.2012
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