Kongress der Päpstlichen Universität Gregoriana eröffnet
Vatikan verlangt stärkeres Vorgehen gegen Missbrauch
Rom. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada, verlangt ein stärkeres Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch. Der "Ernst dieser Verbrechen" dürfe nicht aus den Augen verloren werden, sagte Levada am Montagabend (06.02.2012) in Rom zur Eröffnung eines dreitägigen internationalen Kongresses der Päpstlichen Universität Gregoriana über Missbrauch. Sexualtäter machten zwar nur eine kleine Minderheit unter Geistlichen aus, hätten aber den Opfern und der Kirche großen Schaden zugefügt.
An der Tagung nehmen 220 Vertreter von 110 nationalen Bischofskonferenzen sowie 34 Ordensobere teil. Aus Deutschland sind der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, und der Münchener Kardinal Reinhard Marx dabei. Die Veranstaltung steht unter dem Titel "Auf dem Weg zur Heilung und Erneuerung".
Papst: Sorge um Opfer muss Hauptanliegen sein
Benedikt XVI. erklärte, die Sorge um Missbrauchsopfer habe ein Hauptanliegen der katholischen Kirche zu sein. Damit einhergehen müsse eine "tiefgreifende Erneuerung der Kirche auf allen Ebenen". Zudem gelte es eine "wirksame Kultur von Schutzmaßnahmen und Opferunterstützung" zu fördern, schrieb der Papst in einem Grußwort an den Kongress, das Kardinalsstaatsekretär Tarcisio Bertone unterzeichnet hatte.
Levada rief die Bischofskonferenzen zu mehr Eigeninitiative beim Erstellen von Richtlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch auf. Viele Konferenzen hätten schon Normen erlassen, etwa in Deutschland, Frankreich, Südafrika, Australien und den USA. Oft seien sie aber erst Reaktion auf die Aufdeckung skandalöser Fälle durch die Medien gewesen.
Levada: Mit Zivilbehörden zusammenarbeiten
Die Kirche müsse bei der Aufklärung mit zivilen Behörden zusammenarbeiten, unterstrich der Kardinal, bei dessen Kongregation die kirchenrechtliche Strafverfolgung angesiedelt ist. Das Beichtgeheimnis müsse aber unantastbar bleiben. Seelsorgliche Aufgabe der Kirche sei es, den Opfern zuzuhören und sie zu begleiten. Ein Beispiel habe der Papst durch seine Treffen mit Missbrauchsopfern während mehrerer Auslandsreisen gegeben.
Zum Schutz Minderjähriger müsse die Kirche ihre Mitarbeiter schulen und für das Thema sensibilisieren, sagte Levada. Zugleich müsse sie Eltern und Kinder über sexuellen Missbrauch aufklären. Der Kardinal forderte eine angemessene Ausbildung künftiger Priester. Vor allem beim Wechsel von Priesteramtskandidaten in andere Diözesen sei Aufmerksamkeit geboten.
Seit 2001 seien seiner Behörde 4.000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen gemeldet worden, sagte Levada. Dies mache deutlich, dass eine nur kirchenrechtliche Antwort unangemessen sei. Neben Normen für straffällige Kleriker gehe es auch um den bestmöglichen Beistand für Opfer und um Förderung von Kinderschutzprogrammen.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
07.02.2012
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