Konferenz der Päpstlichen Universität Gregoriana
Missbrauch: Vertreter von 110 Bischofskonferenzen beraten
Rom. Vertreter nahezu aller Bischofskonferenzen weltweit kommen ab Montag (06.02.2012) in Rom zu einer Konferenz über sexuellen Missbrauch durch Kleriker zusammen. Das dreitägige Treffen richtet sich speziell an Bischöfe und Ordensobere. Aus Deutschland nehmen der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, und der Münchner Kardinal Reinhard Marx teil.
Die Konferenz findet hinter verschlossenen Türen statt. Beraten werden Fragen des Kinderschutzes, des Umgangs mit Tätern und der Einfluss von Faktoren wie etwa dem Internet. Kardinal Marx hält einen Vortrag über die Verantwortung des Bischofs im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen.
Bußakt am Dienstag
Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada, eröffnet die Tagung am Montag (06.02.2012) mit einem Vortrag. Am Dienstagabend (07.02.2012) ist ein Wortgottesdienst mit einem großen Bußakt vorgesehen, den der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, leitet.
"Der Kongress zeigt, dass sich die katholische Kirche dem Thema auf gesamtkirchlicher Ebene stellt und ihre Anstrengungen gegen sexuellen Missbrauch über rechtliche Normen hinaus weiter verstärkt", sagte Bischof Ackermann. Er erhoffe sich einen breiten Austausch von Erfahrungen, die in den unterschiedlichen Kulturen und Ortskirchen gemacht werden. "Hier gilt es, voneinander zu lernen mit dem ganz klaren Ziel, Aufarbeitung und Prävention weiter zu verbessern."
Auch ein Opfer spricht
Ziel der Konferenz sei der Austausch über Vorbeugungsmaßnahmen, betonen die Organisatoren der Päpstlichen Universität Gregoriana. Zum Abschluss am Donnerstag (09.02.2012) soll das von der Gregoriana in München eröffnete "Zentrum für Kinderschutz" vorgestellt werden. Es entwickelt in den kommenden drei Jahren ein mehrsprachiges internetbasiertes Lernprogramm für Kirchenmitarbeiter.
Insgesamt 110 nationale Bischofskonferenzen und 34 Ordensobere sowie Psychologen und Kirchenrechtler haben die Teilnahme am Kongress angekündigt. Auch ein Missbrauchsopfer aus Irland wird sprechen. Marie Collins, die als 12-Jährige während eines Krankenhausaufenthalts missbraucht worden war, sagte vorab, dass für die Zukunft der Kinderschutz und die Einhaltung der kirchlichen Richtlinien zum Umgang mit Tätern Vorrang haben sollten. Für die Opfer würde eine Vergebungsbitte der Kirchenoberen am meisten zur Heilung beitragen, so Collins.
"Priorität" für Kinderschutz
Bei dem "so schwierigen Thema" Missbrauch stehe die Kirche in der Pflicht, ein bestmögliches Beispiel für die Aufarbeitung zu geben, betonte der Vatikan-Beauftragte für die Ahndung von Missbrauchsfällen, Charles J. Scicluna. Die Kirche müsse lernen, Missbrauch als Verbrechen zu benennen und geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Der Schutz von Kindern müsse Priorität haben. Es dürfe keinen Unterschied geben zwischen dem Wohl der Kirche und dem Schutz von Kindern.
Unter den Vortragenden sind neben Kardinal Marx auch Vertreter afrikanischer und asiatischer Bischofskonferenzen. Damit wolle man zeigen, dass Missbrauch weltweit ein Thema sei, betonte der deutsche Jesuit und Psychologie-Professor Hans Zollner, einer der Organisatoren des Treffens. Eine wichtige Aufgabe sei, den Opfern zuzuhören und ihnen Psychotherapie oder andere Hilfsmaßnahmen anzubieten. Mit einer materiellen Entschädigung erkenne die Kirche zudem öffentlich ihre Verantwortung für Vergehen ihrer Mitarbeiter an.
Zollner wandte sich dagegen, Missbrauchs-Täter prinzipiell aus dem Priesterstand zu entlassen. Jeder Fall solle eigens geprüft werden. Manche Täter seien unheilbar, hätten keinerlei Sensibilität gegenüber den Opfern. Man müsse zusehen, wie man sie am besten kontrollieren könne. Ein Ausschluss aus dem geistlichen Stand bedeute, dass sie nicht mehr kontrollierbar seien und die Taten sich wiederholen könnten, gab der Jesuit zu bedenken. Die Kirche sei auch eine "Gemeinschaft der Sünder". Sie dürfe die Schuldigen nicht einfach wegjagen, sondern müsse ihren eine mögliche Therapie anbieten.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, jjo
06.02.2012
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