
Auch anonym geborenes Leben ist Geschenk und Gewinn.
"Ultima Ratio" zur Rettung von Leben
Bischöfe: Angebote vertraulicher Geburt weiterentwickeln
Berlin. Junge Mütter in Not sollen nach Ansicht der katholischen Deutschen Bischofskonferenz vor allem durch Möglichkeiten zur vertraulichen Geburt unterstützt werden. In der Diskussion um eine rechtliche Regelung der Babyklappe sprach sich der Augsburger Weihbischof Anton Losinger jetzt gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur für eine Weiterentwicklung dieses Konzepts aus. Zugleich plädierte er aber dafür, Angebote der anonymen Geburt als "Ultima Ratio" zur Rettung von Leben beizubehalten.
Anonyme Geburt umstritten
Die anonyme Geburt, bei der die Identität der Mutter grundsätzlich nicht bekannt gegeben wird, ist umstritten. Dem Ziel, im Einzelfall Kindestötungen zu verhindern, steht das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft gegenüber. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) kündigte vor kurzem gesetzliche Regelungen für anonyme Geburt und Babyklappen an. Dabei will sie auch Rahmenbedingungen für die vertrauliche Geburt schaffen. Bei der vertraulichen Geburt soll das Kind später die Möglichkeit haben, seine Herkunft zu erfahren.
Nach Losingers Worten sollten "Angebote der vertraulichen Beratung und Begleitung bereits während der Schwangerschaft sowie die Angebote der vertraulichen Geburt" so weiterentwickelt werden, "dass eine möglichst weitgehende Niederschwelligkeit dieser Angebote erreicht wird". Diese Hilfen sollten einerseits das Anliegen der Mutter aufnehmen, Schutz vor einem als problematisch empfundenen Umfeld zu erfahren, andererseits aber dem Kind die spätere Kenntnis über seine Herkunft ermöglichen.
"Fundamentale Rechtsgüter"
Losing betonte aber, dass Angebote der anonymen Geburt oder Kindesabgabe und der "Babyklappen" nach den Erfahrungen vieler kirchlicher Träger ein letztes Mittel sein könnten, um eine schwerwiegende Gefahr für Gesundheit und Leben des Kindes abzuwenden.
"Da es sich bei der Gesundheit und dem Leben eines Kindes um schlechthin fundamentale Rechtsgüter handelt, erscheint es unter Berücksichtigung der gegebenen Konfliktlage hinnehmbar, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis seines Ursprungs verletzt wird", so der Weihbischof.
Studie des Deutschen Jugendinstituts
Zugleich betonte Losinger, dass Mütter offenbar die Anonymität gegenüber dem eigenen Kind vielfach nur deswegen auf sich nähmen, weil es an geeigneten Alternativen fehle. Dabei verwies er auf eine bislang nur in einer Zusammenfassung erschienenen Studie des Deutschen Jugendinstituts.
Demnach ist bundesweit in rund 130 Kliniken eine anonyme Geburt möglich. Zudem gibt es etwa 100 Babyklappen. Der Studie zufolge kamen seit dem ersten Angebot zur anonymen Kinderabgabe 1999 in Deutschland mindestens 973 Kinder anonym zur Welt. Davon wurden 625 Kinder anonym geboren, knapp 278 wurden in eine Babyklappe gelegt und weitere 43 Kinder wurden anonym übergeben.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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