
Professorin Marianne Heimbach-Steins.
Theologin: Dahinter steht der Wunsch nach Machterhalt
Heimbach-Steins kritisiert Geschlechterbild der Kirche
Münster. Die münstersche Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins ruft die katholische Kirche auf, "ihr traditionell patriarchales Geschlechterbild" zu überarbeiten. "Eine Theologie, in der nur Männer Definitionsmacht besitzen, setzt das Bild des Menschen mit dem des Mannes gleich", kritisierte sie am Dienstagabend (24.01.2012) in Münster.
"Aus dieser Tradition folgt bis heute eine Hierarchisierung zu Lasten der Frauen." Die Geschlechterforschung, die dies hinterfrage, werde in einflussreichen Kirchenkreisen als "Provokation" angesehen. "Teile der römischen Administration und bestimmte katholikal-fundamentalistische Gruppen arbeiten Hand in Hand", sagte die Theologin.
Theologie "geschlechterblind"
Dahinter steht laut Heimbach-Steins das "restaurative Interesse" einer Führungselite, die eigenen Machtstrukturen zu sichern. Das patriarchale Geschlechterbild habe auch die lehramtliche Verkündigung zum Familienbild und zur Sexualität lange bestimmt. "Frauen wurden normativ auf Rollenmuster wie das von Ehefrau und Mutter festgelegt, in dem das gefährliche Potenzial der Sünderin und Verführerin eingehegt scheint." Eine solche "repressive Moral" und doktrinäre Aussagen über "das Wesen der Frau" zeigten, wie "geschlechterblind" die Theologie sei, kritisierte die Theologin.
Laut Heimbach-Steins bietet eine geschlechterbewusste Theologie seit fast 50 Jahren Alternativen. So seien Frauentraditionen wie die der Mystikerinnen aufgedeckt worden. Die moderne Bibelwissenschaft habe dazu beigetragen, die "Erschaffung von Mann und Frau als Bild Gottes" als Anker der gleichen Würde beider Geschlechter in der Theologie bewusst zu machen.
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Jens Joest
25.01.2012
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