
Eines der Plakatmotive zur Jahreskampagne.
Kessmann: Nachweislich erhöhtes Krankheitsrisiko
Caritas-Jahreskampagne "Armut macht krank" vorgestellt
Berlin / Bistum. Der Deutsche Caritasverband hat seine Jahreskampagne "Armut macht krank" vorgestellt. Langzeitarbeitslose etwa seien doppelt so häufig krank wie Erwerbstätige, sagte Caritas-Präsident Prälat Peter Neher am Mittwoch (11.01.2012) in Berlin. Einen besonders schlechten Gesundheitszustand wiesen Wohnungslose auf. Obdachlose Männer hätten eine Lebenserwartung von 46 Jahren, das seien 30 Jahre unter dem Durchschnitt der Männer.
Auch die Gesundheitsversorgung von Asylbewerbern und Zuwanderern, die sich ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland aufhalten, sei schlecht, kritisierte Neher. Obwohl auch sie bei akuten Schmerzen Anspruch auf Behandlung hätten, trauten sich "illegale" Migranten aus Angst vor einer möglichen Abschiebung nicht zum Arzt.
Auch Zuwanderer einbinden
Der Caritas-Präsident forderte einen regulären Zugang zum Gesundheitssystem für Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Dafür müssten niedrigschwellige Angebote wie die Straßenambulanzen von Caritas und Diakonie ausgebaut und über die Krankenversicherung finanziert werden. Zur Abfederung derzeitiger Versorgungslücken seien unbürokratische Fonds notwendig, die im Notfall ungedeckte Kosten übernähmen.
Zudem wandte sich Neher gegen die Praxisgebühr. Sie stelle für Bedürftige ein zusätzliches Hindernis dar. Der Caritaspräsident mahnte die Gesellschaft zu mehr Toleranz gegenüber Obdachlosen, wenn diese etwa eine Arztpraxis aufsuchten.
Kessmann für aufsuchende Angebote
"In Armut lebende Menschen haben nachweislich ein erhöhtes Krankheitsrisiko", sagte auch Münsters Diözesan-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann in der Zeitschrift "Caritas in NRW". Sie seien in höherem Maße von körperlichen und psychischen Krankheiten sowie Unfallverletzungen betroffen. Zudem seien Wohnverhältnisse in Armut schlechter, Arbeitsplätze gesundheitlich belastender sowie Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten eingeschränkt.
Kessmann fordert "zielgruppenorientierte, diskriminierungsfreie und aufsuchende Angebot, die die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung armer Menschen für die eigene Gesundheit stärken". Dazu brauche es "Netzwerke und ein gutes Quartiersmanagement, angebunden etwa an Familienzentren, Arbeitslosenberatungsstellen oder Seniorentreffs".
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, pd | Foto: pd
11.01.2012
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