
Religion darf niemals ein Vorwand sein, die Regeln von Recht und Gerechtigkeit zu missachten, betonte Papst Benedikt XVI. vor Diplomaten.
Betroffen über Attentate im Irak und Gewalt in Nigeria
Papst besorgt über Missachtung der Religionsfreiheit
Vatikanstadt. Papst Benedikt XVI. hat beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps im Vatikan die prekäre Lage der Religionsfreiheit in Teilen der Welt beklagt. Nicht selten würden Christen die grundlegenden Rechte verweigert, zudem verurteilte er am Montag (09.01.2012) vor den Botschaftern aus 179 Staaten Anschläge gegen Kirchen und Häuser von Christen.
Ein religiös motivierter Terrorismus habe auch 2011 immer wieder Opfer gefordert, vor allem in Asien und Afrika. Die Religion dürfe niemals ein Vorwand sein, die Regeln von Recht und Gerechtigkeit zu missachten, betonte das Kirchenoberhaupt.
In seiner politischen Grundsatzrede zum Jahresbeginn appellierte der Papst an die internationale Gemeinschaft, zu einem Ende der Gewalt beizutragen und den Respekt vor der Menschenwürde zu fördern. Besonders besorgt äußerte er sich über das Blutvergießen in Syrien und forderte einen ernsthaften Dialog der Verantwortlichen - mit Hilfe von unabhängigen Beobachtern. Betroffen zeigte er sich auch über die Attentate im Irak und die Gewalt in Nigeria sowie am Horn von Afrika.
Friedengespräche zwischen Israelis und Palästinensern
Ausdrücklich begrüßte der Papst die neuen Friedengespräche zwischen Israelis und Palästinensern. Er erhoffe von den Verantwortlichen mutige und weitsichtige Entscheidungen für einen dauerhaften Frieden, der dem Recht beider Volker auf ein sicheres Leben in einem souveränen Staat in international anerkannten Grenzen Rechnung trage.
Benedikt XVI. ging in seiner Ansprache auch aus seinen Deutschlandbesuch ein. Er hob hervor, dass für die Väter des deutschen Grundgesetzes wie für die Väter des geeinten Europas das christliche Menschenbild die eigentlich inspirierende Kraft gewesen sei. Angesichts der internationalen Wirtschaft- und Finanzkrise verlangte Benedikt XVI. "neue Formen des Engagements" und "neue Regeln, die allen die Möglichkeit zu einem würdigen Leben bieten".
Arabischer Frühling
Internationale Unterstützung erbat der Papst in seiner Rede für die Länder des "Arabischen Frühlings". Der anfängliche Optimismus sei angesichts der Schwierigkeiten in der Übergangsphase rasch zurückgegangen. Wichtig sei, dass die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen und seine fundamentalen Rechte gesetzlich geschützt würden. Die internationale Gemeinschaft solle auf die Errichtung von stabilen und versöhnten Gesellschaften hinwirken, in der ungerechte Diskriminierungen insbesondere aufgrund der Religion vermieden würden.
Der Weg zum Frieden führe in besondere Weise über die Erziehung der Jugend, unterstrich der Papst. Sie müsse in der Familie beginnen, die in der Ehe von Mann und Frau gründe und die für die Weitergabe des Lebens offen sei. Als "Keimzelle jeder Gesellschaft" brauche die Familie dringend den Schutz des Gesetzgebers. Benedikt XVI. kritisierte die Praxis der Abtreibung, die zuweilen nicht nur erlaubt, sondern mitunter sogar begünstigt werde. Dagegen begrüßte der Papst die jüngste Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, wonach die Erforschung mit menschlichen Stammzellen nicht patentiert werden darf.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
09.01.2012
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