Zu wenig Zugang zur "innerkirchlichen Gestaltungsmacht"
Studie: Kirche verliert gebildete Frauen
Wien. Die katholische Kirche riskiert laut einer Untersuchung, vor allem "moderne" und gebildete Frauen als aktive Mitglieder zu verlieren. Zu diesem Schluss kommt eine am Dienstag (01.12.2011) in Wien präsentierte Studie der Theologen Paul Zulehner und Petra Steinmair-Pösel, aus der die österreichische Nachrichtenagentur Kathpress zitiert. Viele Frauen fühlen sich demnach in der Kirche ungerecht behandelt, weil sie trotz ihres im Vergleich zu Männern größeren Einsatzes zu wenig Zugang zur "innerkirchlichen Gestaltungsmacht" hätten.
Laut der im Auftrag der Zeitschrift "Welt der Frau" erarbeiteten Untersuchung sind 39 Prozent der Frauen in Österreich der Ansicht, die Kirche werde den Frauen nicht gerecht; 31 Prozent der Frauen stört allgemein der Umgang der Kirche mit Frauen. Bei jungen Frauen unter 30 Jahren steigt dieser Wert auf 38 Prozent. Die Aussage "Es braucht mehr Frauen in der Kirchenleitung" bejahen 64 Prozent aller Frauen und auch die Hälfte der Männer.
Doppelt so viele Frauen wie Männer im Sonntagsgottesdienst
Der Erhebung zufolge gehen in Österreich mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer regelmäßig zum Sonntagsgottesdienst; 54 Prozent der Pfarrgemeinderatsmitglieder sind weiblich. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Tätigkeiten der Frauen in den Gemeinden vorwiegend traditionellen Frauenbildern folgten. "Frauen machen das Soziale und die Hintergrund- sowie Schattenarbeit, Männer sorgen sich um das Finanzielle und um Baufragen", heißt es in der Studie.
In den vergangenen Jahren hätten sich vor allem moderne, gut gebildete Frauen mit ihren Familien zunehmend aus dem Kirchenleben zurückgezogen, so Steinmair-Pösel. Als "moderne Frauen" definierten die Wissenschaftler Frauen, die in ihrer Lebensgestaltung Beruf und Familie verbinden. "Sie fühlen sich von ihrer Kirche ein Stück weit diskriminiert, weil sie diese als einseitig von traditionell geprägten Männern geleitet wahrnehmen", so die Theologin.
"Drängende Fragen"
Die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), Margit Hauft, erklärte, Frauen spürten "schon sehr lange Ungerechtigkeitsverhältnisse in der Kirche und der Gesellschaft", aber jetzt zögen sie schneller und häufiger ihre Konsequenzen. Man müsse "die drängenden Fragen nach Gleichstellung der Frauen in der Kirche endlich ernsthaft angehen". Die Kirche sei in dieser Frage "schon einmal weiter gewesen", so Hauft.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
01.12.2011
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