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24.05.2012
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Rüge von Papst Benedikt:

Deutsche Kirche muss Pornographie stärker bekämpfen

Vatikanstadt. Erstmals seit seiner Deutschlandreise hat sich Papst Benedikt XVI. am Montag (07.11.2011) wieder grundsätzlich zu Deutschland, zur dortigen Kirche und den Staat-Kirche-Beziehungen geäußert.

Der Antrittsbesuch des neuen deutschen Vatikan-Botschafters Reinhard Schweppe war protokollarischer Anlass für den Austausch von Ansprachen. Und Benedikt XVI. äußerte sich in seinem Text sehr positiv über seinen nunmehr sechs Wochen zurückliegenden Besuch in der Heimat - wie auch generell zum Verhältnis zwischen Heiligem Stuhl und Bundesrepublik Deutschland.

Der Empfang an den Stationen in Berlin, Erfurt und Freiburg habe "die Erwartungen weit übertroffen", betonte der Papst gegenüber dem 62-jährigen Diplomaten, der sein Land bislang bei den internationalen Organisationen in Genf vertrat. Er habe überall erlebt, "wie sich Menschen nach der Wahrheit ausstrecken", heißt es in der Ansprache, die nach vatikanischer Gepflogenheit freilich nicht gehalten, sondern überreicht wurde.

"Positive Zusammenarbeit"

Detaillierter als auf die Reise ging Benedikt XVI. auf die Staat-Kirche-Beziehungen in Deutschland ein, die nach seiner Reise Anlass zu vielerlei Debatten geboten hatten. Er sprach von einer "dankenswert positiven Zusammenarbeit", von langjährigen und einvernehmlichen Beziehungen mit "insgesamt vielen guten Ergebnissen". Es sei erfreulich, dass die katholische Kirche in Deutschland "ausgezeichnete Möglichkeiten des Wirkens hat, dass sie das Evangelium frei verkünden und in zahlreichen sozialen und karitativen Einrichtungen bedürftigen Menschen helfen" könne.

Ausdrücklich lobte er den Schutz des kirchlichen Arbeitsrechts durch das staatliche Recht und die Unterstützung der katholischen Schulen und karitativen Einrichtungen als Bespiel für die "positive Zusammenarbeit. Ferner dankte der Papst für die "konkrete Unterstützung dieser Arbeit seitens des Bundes, der Länder und der Gemeinden". Eine klare Ansage nach der breiten Diskussion um die Freiburger Rede des Papstes und seine Forderung nach einer "Entweltlichung" der Kirche, die mitunter als Anweisung für eine grundsätzliche Neuorientierung der deutschen Staat-Kirche-Beziehungen gedeutet wurde.

Diskriminierung von Frauen: Verstoß gegen die Menschlichkeit

Benedikt XVI. erörterte in seiner Rede an den neuen Botschafter grundsätzlich den Dienst, den die katholische Kirche und der Vatikan in einer pluralistischen Gesellschaft leisten wollten. Sie könne Kulturen mitprägen, müsse aber auch für Werte unabhängig von den jeweiligen Kulturen eintreten. Das gelte vor allem, wenn Grundwerte der Menschenwürde auf dem Spiel stünden, etwa der Lebensschutz. Es stehe dem Menschen nicht zu, zu urteilen, ob ein Individuum schon Mensch oder noch Mensch sei; und es stehe ihm nicht nur, den Menschen zu manipulieren und "machen" zu wollen. "Eine Gesellschaft ist nur dann wahrhaft menschlich, wenn sie die Würde jeder Person von der Zeugung bis zum natürlichen Tod respektiert und uneingeschränkt schützt", betonte der Papst und erläuterte damit auch noch einmal seine viel beachteten Ausführungen vor dem Deutschen Bundestag.

Aber noch einen weiteren Verstoß gegen die Menschlichkeit sprach das Kirchenoberhaupt an, die "geschlechtliche Diskriminierung von Frauen". Konkret forderte er dazu auf, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von erotischem und pornografischem Material - gerade über das Internet - energisch einzuschränken. Ein Aufruf, bei dem er ausdrücklich die katholische Kirche in Deutschland in die Pflicht nahm, die gegen die Missstände "entschiedener und deutlicher" auftreten müsse. Nach den jüngsten Vorwürfen gegen den katholischen Weltbild-Verlag, der zum Missfallen der Bischöfe auch manches aus diesem Segment vertreibt, erhalten diese Sätze des Papstes besondere Brisanz.

Der Meinungsaustausch des Papstes mit dem neuen deutschem Botschafter dauerte 20 Minuten und wurde anschließend als "sehr herzlich" bezeichnet. "Es drängt mich, alle Landsleute meiner tiefen Zuneigung und meines Wohlwollens zu versichern", gab Benedikt XVI. dem Diplomaten mit auf den Weg.

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