
Signet des Friedenstreffens der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio.
"Gewalt im Namen Gottes ist Missbrauch"
Religionsführer unterzeichnen Friedensappell
München. Mit einem Friedensappell ist am Dienstagabend (13.09.2011) in München ein dreitägiges Treffen von Religionsführern aus aller Welt zu Ende gegangen. In dem von rund 200 Frauen und Männern unterzeichneten Dokument wird der Dialog als "intelligente und friedliche Waffe" bezeichnet. "Er ist die Antwort auf die Prediger des Terrors, die sogar die Worte der Religionen verwenden, um Hass zu verbreiten und die Welt zu spalten."
Die Globalisierung biete viele Chancen, doch sie benötige eine Seele, heißt es weiter. "Der Egoismus führt zu einer Zivilisation des Todes und bringt auch real vielen Menschen den Tod." Es gelte, neu zu lernen, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu leben. In seinem Schlusswort hob Kardinal Reinhard Marx die Bedeutung der Glaubensgemeinschaften im Ringen um Frieden auf der Welt hervor. Die Religionen verpflichteten sich, gemeinsam "Wege der Verständigung und der Versöhnung zu gehen".
Marx: Sant'Egidio ist eine Inspiration für die Weltgemeinschaft
Zu dem internationalen Treffen, das seit 1986 von der Gemeinschaft Sant'Egidio jährlich in einer anderen Stadt veranstaltet wird, kamen Redner aus über 50 Ländern und mehrere tausend Besucher. Dabei gedachte die Versammlung im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff auch des zehnten Jahrestags der Terroranschläge in New York und verurteilte Gewalt im Namen Gottes als Missbrauch der Religion.
Marx zog auf dem Marienplatz eine positive Bilanz. Vertreter aus Religion und Politik hätten echten Dialog praktiziert. Sant'Egidio sei eine Inspiration für die Weltgemeinschaft, die Kraft eines solchen Treffens nicht zu unterschätzen. "Geben Sie die friedensstiftende Kraft eines wirklichen Dialogs, die wir hier miteinander erlebt haben, weiter in Ihre jeweiligen Verantwortungsbereiche!"
München – "Hauptstadt des Geistes"
Der Gründer von Sant'Egidio, Andrea Riccardi, sagte, München sei in diesen Tagen zur "Hauptstadt des Geistes" geworden. "Auf den Straßen war nicht das laute Marschieren von Soldaten zu hören, sondern die sanften Schritte der Gottessucher und Friedenspilger." Die dabei erfahrene Kraft werde "das Feuer des Krieges auslöschen". Das kommende Jahrzehnt möge Frieden bringen in einer Welt, "die die Armen gerechter behandelt, in der die Reichen lernen, genügsam zu sein, und sich wirklich an der Armutsbekämpfung beteiligen".
Bei dem Treffen sprachen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Aus mehreren Ländern Nordafrikas berichteten Zeugen über den arabischen Frühling, darunter ein Mitglied des Nationalen Übergangsrats in Libyen. Außerdem sprachen auf einem Podium ein israelischer Minister und ein Funktionär der palästinensischen Autonomiebehörde.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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