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24.05.2012
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Religionssoziologe Ebertz:

Kirchenaustritte nicht nur wegen Missbrauchskrise

Freiburg. Die hohen Kirchenaustrittszahlen lassen sich nach Einschätzung des Freiburger Religionssoziologen Michael Ebertz nicht allein mit den Skandalen um sexuellen Missbrauch begründen.

Zwar liege ein Zusammenhang nahe, die Ursachen für einen Kirchenaustritt seien aber meist vielschichtiger. Katholiken wendeten sich in der Regel erst nach einem längeren Distanzierungsprozess enttäuscht von ihrer Kirche ab, sagte Ebertz jetzt in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg.

Pilotstudie

Zugleich kritisierte der Soziologe, dass es bislang keine breit angelegte wissenschaftliche Untersuchung zu den Gründen von Austritten gebe. "Wenn man mehr über solche Prozesse wüsste, könnte die Kirche natürlich intervenieren, an entscheidenden Weichenstellungen eingreifen. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, an den Einzelpersonen ist die Kirche gar nicht interessiert", so Ebertz.

Am Freiburger Zentrum für kirchliche Sozialforschung hat der Wissenschaftler nun eine Pilotstudie begonnen. 2010 traten bundesweit 181.000 Katholiken aus der Kirche aus, was einem Anstieg um 50 Prozent im Vergleich zu 2009 entspricht.

"Dramatische Veränderungen in der Sozialgestalt"

Der Wissenschaftler betonte, die katholische Kirche stehe vor "dramatischen Veränderungen in ihrer Sozialgestalt". Schon jetzt seien in vielen Großstädten katholische oder evangelische Jugendliche und junge Erwachsene in der Minderheit. "Und diese Entwicklungen der Großstädte werden wir in zehn Jahren in ganz Deutschland beobachten können", sagte Ebertz.

Für ein Gegensteuern schlug Ebertz mehr Experimente und Kreativität vor. "Wir brauchen eine Kirchenleitung und Bischöfe, die endlich mehr Bereitschaft zeigen, neue, kreative Wege zu gehen, um heutiger zu werden. Von der Liturgie angefangen bis zur Diakonie." Die Kirche benötige eine "Fortbildung" und ein "Aggiornamento", um junge Menschen zu begeistern.

"Zukunft der Kirche liegt in den Händen der Laien"

Dazu gehöre auch, den Nicht-Klerikern "mehr Mitverantwortung und Gestaltungsspielraum" einzuräumen. Die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland, so Ebertz, werde "auf den Schultern, in den Händen und in den Herzen der Laien" liegen.

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Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
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