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24.05.2012
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Erzbischof Robert Zollitsch.

Erzbischof Robert Zollitsch.

"Das ist eine Frage der Barmherzigkeit"

Zollitsch: Reformen bei wiederverheirateten Geschiedenen

Hamburg. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erwartet Reformen der katholischen Kirche im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Die Kirche müsse sich mehr damit auseinandersetzen, wie sie mit Menschen umgehe, "deren Leben in wichtigen Dingen unglücklich verlaufen ist", sagte Zollitsch in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Dazu gehöre auch eine gescheiterte Ehe.

"Das ist eine Frage der Barmherzigkeit", fügte der Erzbischof hinzu. "Und darüber werden wir in nächsten Zeit intensiv sprechen." Zollitsch äußerte die Hoffnung, dass sich Fortschritte in dieser Frage "noch zu meinen Lebzeiten" ergeben.

Schleppendes Tempo von Veränderungen in der Kirche

Mit seinen Äußerungen bezog sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz auch auf Bundespräsident Christian Wulff, der nach einer Scheidung zum zweiten Mal verheiratet ist. "Er ist für mich ein Katholik, der seinen Glauben lebt und darunter leidet, wie die Situation ist", sagte Zollitsch. Er sei Wulff dankbar für sein öffentliches Glaubenszeugnis.

Zugleich räumte der Konferenzvorsitzende gelegentlichen Unmut über das schleppende Tempo von Veränderungen in der Kirche ein: "Ich laufe auch manchmal Gefahr, müde zu werden, und denke: Warum geht es nicht schneller?" Zollitschs Vorgänger auf dem Freiburger Bischofsstuhl, Erzbischof Oskar Saier, war 1993 bei einem gemeinsamen Vorstoß mit dem damaligen Rottenburg-Stuttgarter Bischof Walter Kasper und dem Mainzer Oberhirten Karl Lehmann für einen anderen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in Rom gescheitert.

Die deutsche Kirche gern gesehen als Finanzier

Zum Verhältnis zwischen deutschen Katholiken und Vatikan sagte der Freiburger Erzbischof, es gebe in Rom Kirchenvertreter, die "wittern gleich den Glaubensabfall, wenn wir in Deutschland etwas kontroverser diskutieren". Das gelte allerdings nicht für den Papst. Die deutschen Katholiken stritten anders über Glaubensfragen als in Italien. Das hänge auch damit zusammen, dass Deutschland bei vielen im Vatikan "gern noch als Land der Glaubensspaltung" gesehen werde.

"Manches starke Wort von Luther, auch über die Päpste, wird bis heute kolportiert." Als Geldgeber würden die deutschen Katholiken demgegenüber überall in der Weltkirche geschätzt, ergänzte der Freiburger Erzbischof. "Überall dort, wo man meint, man brauche Geld, da zählen die Deutschen viel." Das werde in Rom "durchaus anerkannt".

Richtung der CDU

Zur Debatte über die Richtung der CDU sagte der Freiburger Erzbischof, er sei froh, dass eine Partei das "C" im Namen trage. "Das hat den Vorteil, dass ich sagen kann, was ich von dem C erwarte." Der Konferenzvorsitzende wandte sich jedoch gegen Wahlempfehlungen an Katholiken. Jeder müsse selber "viel stärker als früher" abwägen, welche Partei er bevorzuge. Auch bei den Grünen stelle er immer wieder Übereinstimmungen mit christlichen Überzeugungen fest.

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