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24.05.2012
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Besuch aus Deutschland in Castelgandolfo

Bischöfe unterrichten Papst über den Dialogprozess

Bonn. Tabus werde es nicht geben, hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zu Beginn des Dialogprozesses versprochen. Den Auftakt Anfang Juli in Mannheim empfanden dann auch viele als ermutigend. Am Samstag (13.08.2011) nun wollen die Bischöfe Papst Benedikt XVI. über den Stand der Dinge unterrichten. Neben Zollitsch wird die von der Bischofskonferenz eingesetzte Steuerungsgruppe für den Dialog – mit Kardinal Reinhard Marx (München) sowie den Bischöfen Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Franz-Josef Overbeck (Essen) – in der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo Bericht erstatten.

Wenngleich dem deutschen Papst die Geschicke seiner Heimatkirche besonders am Herzen liegen dürften: Viel mehr als eine halbe Stunde Zeit, so hieß es, gebe der enge Terminkalender wohl nicht her. Dass Benedikt XVI. dem Dialogprozess grundsätzlich wohlwollend gegenübersteht und die Bischöfe darin bestärkt, wusste Zollitsch schon früher zu berichten.

Nicht gegen kirchliche Lehrmeinung

Einig sind sich Papst und Bischöfe aber auch, dass heiße Themen wie der Pflichtzölibat oder das Verbot der Priesterweihe für Frauen im Dialogprozess zwar gut begründet und diskutiert werden sollten, aber nicht entgegen der kirchlichen Lehrmeinung verhandelt werden könnten. Und Einigkeit wird in Castelgandolfo sicher auch darüber herrschen, dass es in der Weltkirche in fundamentalen Fragen keinen deutschen Sonderweg geben kann.

Der Papst dürfte sich jetzt, anderthalb Monate vor seinem Deutschlandbesuch, vor allem für Informationen aus erster Hand über die Vielfalt der Dialogteilnehmer interessieren. Wie weit hier die unterschiedlichen Positionen auseinanderliegen, wurde im Februar augenfällig, als kurz hintereinander zwei gegensätzliche Internet-Memoranden die Dialogdebatte anheizten. Tiefgreifende Reformen wie die Zulassung Verheirateter zum Priesteramt forderten rund 250 deutschsprachige Theologen in ihrem Schreiben "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch". Konservative Kreise konterten mit einem Gegenaufruf: In der "Petition Pro Ecclesia" appellierten sie an die Bischöfe, den Zölibat in seiner heutigen Form zu erhalten und auch andere Traditionen entschieden zu verteidigen.

Zahlreiche Forderungen

In Mannheim dann diskutierten 300 Vertreter aus Diözesen, Orden, Hochschulen und Verbänden sehr offen über die Kirche der Zukunft. Dabei fielen auch die zahlreichen Forderungen von Teilen der kirchlichen Basis nicht unter den Tisch: Immer wieder ging es auch um mehr Mitwirkungsmöglichkeiten für Frauen bis hin zu Weiheämtern, um eine offenere katholische Sexualmoral, einen gelockerten Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen oder auch um die Priesterweihe von verheirateten Männern.

Es gab - wie vorher vereinbart - weder offizielle Abschlusserklärungen noch konkrete Ergebnisse. Dafür aber viele zufriedene Gesichter bei der Abreise. Eine neue Sprach- und Kommunikationsfähigkeit in der Kirche machte Zollitsch aus. Und auch unter den Laien dominierten harmonische Töne. Doch dem guten Auftakt müssten konkretere Schritte folgen, hieß es auch.

Besonders die katholischen Verbände drücken aufs Tempo. Es dürfe keine "Kultur der Folgenlosigkeit" geben, mahnte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ZdK, Alois Glück, nach Mannheim. Spätestens in ein bis zwei Jahren müssten konkrete Ergebnisse des Dialogs auf dem Tisch liegen. Auch die organisierten katholischen Frauen und Jugendlichen melden sich beharrlich zu Wort. Viele Bischöfe warnen indes vor utopischen Zielen, die nur zur Polarisierung führen könnten.

Grundlegende Reformen erwünscht

Und die Basis? 80 Prozent der deutschen Katholiken verlangen laut einer forsa-Umfrage grundlegende Reformen ihrer Kirche, die nach den Erschütterungen des Missbrauchsskandals viel Vertrauen zurückgewinnen muss. Zudem müssten spätestens die zum Teil massiv gestiegenen Kirchenaustrittszahlen alle Alarmglocken zum Läuten bringen.

Alle Augen richten sich also gespannt auf die vier Tage im September: Wie wird sich der Papst in seinem Heimatland zum Dialogprozess äußern? Eine schwierige Mission - auch für einen erfahrenen Pontifex, also Brückenbauer. Denn die Gräben sind tief, und die hohen Erwartungen könnten unterschiedlicher kaum sein.

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Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
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