
Mehr als 100.000 Akten aus den deutschen Bistumsarchiven sollen gesichtet werden.
Sexueller Missbrauch im kirchlichen Bereich:
Forschungsprojekt zur Aufarbeitung beginnt
Hildesheim. Das Forschungsprojekt zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im kirchlichen Bereich hat begonnen. Der Leiter des Kriminologischen Institutes Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, startete am Dienstag im Hildesheimer Bistumsarchiv die Pilotphase. Dabei wird ein Schema zur Aktenanalyse entwickelt, das bundesweit angewendet werden soll.
In der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Forschungsarbeit werden ab Mitte November in allen 27 deutschen Bistümern die Personalakten der Geistlichen nach Hinweisen auf sexuellen Missbrauch durchsucht. In 18 Diözesen geschieht dies in einer Querschnittsanalyse von 2000 bis 2010, in neun weiteren wie dem Bistum Hildesheim von 1945 bis 2010. Insgesamt geht es laut Pfeiffer um mehr als 100.000 Aktensätze.
Innerhalb von vier Wochen soll im Hildesheimer Bistumsarchiv nun eine Anleitung entstehen, anhand derer verlässliche Zahlen über Missbrauch durch katholische Geistliche ermittelt werden können. Das Konzept muss zuvor von Vertretern des KFN und der Diözesen genehmigt werden.
Das Hildesheimer Rechercheteam aus Bistumsarchivar Thomas Scharf-Wrede und einer Mitarbeiterin wird durch den ehemaligen Präsidenten des Niedersächsischen Landesjustizprüfungsamts, Karl Kröpil, und den früheren Richter Ulrich Schmidt unterstützt, der bis 2007 am Landgericht Hildesheim tätig war. Pfeiffer betonte, die Juristen hätten nur bei Verdachtsfällen Einsicht in die jeweiligen Akten. Die Juristen entscheiden dann, ob die betroffenen Akten erfasst und anonymisiert an das KFN weitergeleitet werden. Allein im Bistum Hildesheim sind nach dessen Angaben nun 1.770 Akten zu sichten.
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