Gebürtiger Münsteraner
Diskussion über Matthias Matusseks "Katholisches Abenteuer"
Hamburg. Ein versierter Medienmann, der Erfolg hat in "Spiegel" und "Stern", mit Videoblogs und Buch-Bestsellern - und der sich jetzt outet als Katholik reinster Sorte: Zumindest für das säkulare Publikum ist dies eine Irritation. Dass aber auch Katholiken den Bekenntnissen des Matthias Matussek durchaus mit Skepsis begegnen, offenbarte sich am Mittwochabend in der Katholischen Akademie Hamburg. Dort stellte der Spiegel-Journalist sein Buch "Das katholische Abenteuer" vor.
Eigentlich weist der Untertitel "Eine Provokation" schon die Richtung. Und den Namenszug des Autors auf dem Umschlag zieren sowohl Teufelshörner als auch ein Heiligenschein. So beschleicht den Leser auf den ersten Blick der Verdacht, das Unterfangen könne nicht ganz ernst gemeint sein. Doch Matussek, gewohnt wortgewandt, tat im Gespräch mit dem Geistlichen Rektor der Akademie, Jesuitenpater Hermann Breulmann, und "ZEIT"-Feuilletonchef Jens Jessen alles dafür, seine guten Absichten zu untermauern.
Geboren in der "rabenschwarzen Bistumsstadt" Münster
Geboren ist Matussek vor 57 Jahren in der "rabenschwarzen Bistumsstadt" Münster, wie er sagt. Seine Kindheit sei von Fußball und Kirchenkalender bestimmt gewesen, zu Hause wurde bei Tisch und zwischendurch gebetet. "Ich war stolz auf meinen Namenspatron Matthias, denn er war für Judas nachgerückt", berichtet Matussek. Man könne das Beschriebene als "Religionsvergiftung erschwerten Grades. Oder aber: eine glückliche, beschirmte Kindheit" bezeichnen. Gott sei irgendwie immer dagewesen. Auch heute sei er von seinem Kinderglauben nur wenig abgekommen, bekennt der Journalist seinem Publikum.
Zur Feder gegriffen habe er vor allem, weil "sein Verein" angegriffen worden sei. "Ich bin katholisch, und das ist auch gut so", variiert er ein geflügeltes Wort des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit. Ja, man könne heute über jede sexuelle Spielart auf dem Marktplatz reden, nicht aber über Religion, beschwert sich Matussek. Und tut genau das sehr lustvoll.
Eine Lanze für die unzeitgemäßen Seiten des Katholizismus
Beispiel Gleichmacherei: "Die katholische Kirche sei voller Päderasten!", habe ihm der Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges bei einer Talkshow zugerufen. Um hinterher zu bekennen, er leide doch genauso, schließlich sei die katholische Kirche die letzte gesellschaftliche Bastion von Moral und Werten. Matussek bricht eine Lanze für die unzeitgemäßen Seiten der römischen Konfession. Die drei Verstörungen Zölibat, Papst, Priester ständen für "kein Sex, keine Demokratie, keine Gleichberechtigung". Und das im 21. Jahrhundert.
Den Autor stört, dass man über die Kirche wie über ein Unternehmen spreche. "Warum sollen wir Schwellen tieferlegen? Muss die Kirche jedem Couchpotato hinterherlaufen?" fragt er. Vehement widerspricht er Heiner Geißlers These, nur eine Revolution könne die Kirche retten. Der Politiker habe das Buchprojekt verschoben für ein Buch über Stuttgart 21. "Er hofft nach seinem phänomenalen Schlichtererfolg auf einen Platz in der Heiligen Dreifaltigkeit", giftet Matussek unter dem Schmunzeln des Publikums. "Es ist nur die Frage, wer von den anderen Platz macht."
Kirchliche Gegenwelt
Jens Jessen offenbart Sympathie für Matusseks Preisung einer kirchlichen Gegenwelt. Der Zölibat zeige, dass die Kirche nicht der Gesellschaft und dem Zeitgeist gehorchten. "Das ist etwas ganz Kostbares", so der Protestant. Doch Breulmann will wissen, was genau diese Gegenwelt ausmache, und ob nicht darin eine gewisse Koketterie liege. "It sounds strange für einen römischen Katholiken", bringt es der Jesuit auf den Punkt. Matussek will die Kirche davor warnen, den Kern ihrer Botschaft hinzugeben für eine Vulgarisierung von Formen und Ästhetik, wie es etwa durch das Zweite Vatikanische Konzil geschehen sei. So habe Jesuitenpater Klaus Mertes kürzlich vorgeschlagen, beim bevorstehenden Deutschlandbesuch des Papstes nicht so genau darauf zu achten, ob wirklich nur Katholiken zur Kommunion gehen. "Ich habe im Erstkommunterricht gelernt, dass für uns die Hostie der Leib Christi ist, kein Erinnerungssymbol und kein Keks Madeleine. Man verplempert alles, wenn man sagt, gebt es einfach an alle aus", kritisiert der Autor.
Warum sich Matussek überhaupt so häufig mit seinen Thesen in die "öffentliche Arena" begibt, will Pater Breulmann erfahren. "Ihre Position bringt auch den Gegnern einen gewissen Gewinn auf einer solchen Bühne." Klar wolle er Leute erreichen, und auch von seinem Glauben überzeugen, so Matusseks Mission. Inwieweit ihm das an diesem Abend in der Katholischen Akademie gelungen ist, bleibt abzuwarten.
Text: Sabine Kleyboldt,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: pd
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