Lob auch von Bischof Stephan Ackermann
Missbrauch: Regierungsbeauftragte legt Abschlussbericht vor
Berlin. Die Beauftragte der Bundesregierung für das Thema Sexueller Missbrauch, Christine Bergmann, hat große Zustimmung für ihren Abschlussbericht erhalten. Bei der Vorstellung am Dienstag (24.05.2011) in Berlin forderte Bergmann einen Rechtsanspruch auf Fachberatung, Übernahme von Therapiekosten und materielle Entschädigungen für verjährte Fälle von sexuellem Missbrauch in Institutionen und Familien. Entschädigungen sollten sich an den gerichtlichen Schmerzensgeldtabellen orientieren, eine unabhängige Clearingstelle soll die jeweilige Höhe festlegen.
Bergmanns "Hilfemodell Rehabilitation" für verjährte Fälle sieht vor, dass für Betroffene von Missbrauch in Institutionen die jeweilige Einrichtung anfallende Kosten übernimmt. Für Fälle im familiären Umfeld soll der Bund aufkommen.
Versorgung der Betroffenen verbessern
Zudem empfahl Bergmann die Einrichtung eines "Therapeutischen Ambulanzmodells". Es soll als zentrale Anlaufstelle für Betroffene wie Fachpersonal dienen und bei der Findung geeigneter Therapien helfen. Damit solle eine bessere, zeitnahe Versorgung der Betroffenen gewährleistet werden. "Derzeit gibt es gravierende Versorgungslücken, etwa im ländlichen Raum, aber auch für spezifische Gruppen wie Männer und Jungen, Behinderte und Migranten", sagte Bergmann.
Die Vorsitzenden des Runden Tischs Missbrauch der Bundesregierung, die Ministerinnen Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Kristina Schröder und Annette Schavan (beide CDU), dankten Bergmann für ihren "beispielhaften Einsatz" mit dem sie die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vorangebracht habe. Die erarbeiteten Empfehlungen seien "eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit des Runden Tisches".
Ackermann würdigt Vorschläge
Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sagte dem Kölner "Domradio", Bergmanns Vorschläge seien sehr kompatibel mit dem Konzept der Kirche. Eine unabhängige Clearingstelle, die bei verjährten Fällen die jeweilige Höhe der Entschädigung festlegen solle, sei "auch für uns eine durchaus denkbare Lösung".
Der Bischof verwies darauf, dass die katholische Kirche als bislang einzige Institution am Runden Tisch ein Entschädigungskonzept vorgelegt hat. Wenn der Runde Tisch zu gemeinsamen Standards komme, werde die katholische Kirche dabei mitmachen. Orden und Bischöfe hatten beschlossen, dass Opfer sexueller Übergriffe in kirchlichen Einrichtungen eine materielle Anerkennung von bis zu 5.000 Euro erhalten, in besonders schweren Fällen auch mehr. Zusätzlich übernimmt die Kirche die Kosten für eine Psychotherapie.
Opposition: Anlaufstelle soll fortbestehen
Spitzenvertreter von SPD und Grünen plädierten für die Fortführung der Arbeit der Beauftragten für Missbrauch. "Die Bundesregierung sollte dafür sorgen, dass die Anlaufstelle dauerhaft arbeiten kann und nicht wie geplant im Herbst ihre Arbeit einstellen muss", forderte SPD-Fraktionsvize Dagmar Ziegler. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ekin Deligöz, mahnte, der Staat stehe in einer politisch-moralischen Verantwortung, sich an Hilfen und Entschädigungen zu beteiligen. Es reiche nicht, finanzielle Entschädigungen als alleinige und freiwillige Aufgabe der Institutionen zu beschreiben.
Der Sprecher der Berliner Anlaufstelle "Tauwetter" für männliche Missbrauchsopfer, Thomas Schlingmann, appellierte an die Politik, den Empfehlungen der Missbrauchsbeauftragten zügig Taten folgen zu lassen. Für die Betroffenen dauerten die Beratungen "quälend lange". Am 06.06.2011 stellt Bergmann ihren Bericht dem Plenum des Runden Tischs vor.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
25.05.2011
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