
Der Blick auf eine Christophorusfigur im Auto soll laut Wissenschaftlern dazu auffordern, vorsichtig zu fahren.
Studie:
Am jeden zehnten Auto finden sich religiöse Symbole
Köln. An jedem zehnten Auto finden sich nach einer Studie religiöse Symbole. Der PKW sei ein "Ort der religiösen Kommunikation", sagte der Freiburger Religionssoziologe Michael Ebertz am Donnerstag (12.05.2011) in Köln bei der Vorstellung der von ihm geleiteten Untersuchung "Religion im Auto".
Besonders häufig seien Engel, Rosenkränze und Kreuze. Zudem gebe es Christophorusplaketten, religiöse Ketten, Fischsymbole, Heiligenbilder und Buddhafiguren. Die Zeichen hätten für die Autofahrer aber nur in den wenigsten Fällen eine Bekenntnisfunktion. Nur mit dem Fischsymbol, das Geheimzeichen der frühen Christen, demonstrierten PKW-Besitzer am Autoheck ihre religiöse Überzeugung.
Schutzfunktion
Nach den Worten von Ebertz kommt insbesondere Engeln, Christophorus-Medaillen, Kreuzen und Rosenkränzen am Rückspiegel hauptsächlich eine Schutzfunktion zu. Dies zeige sich auch in den Anliegenbüchern der Autobahnkirchen, in denen überwiegend Dank und Bitte für eine gute Fahrt formulierten würden. Religion siedle sich in der modernen Gesellschaft da an, wo Risiko sei, so Ebertz. Für die Kirchen ergebe sich deshalb die Chance, ihre "Botschaft auch an das Auto anzudocken".
Für den Wissenschaftler haben die überwiegend im Inneren des Auto angebrachten religiösen Symbole auch eine "Affektkontrollfunktion"; der Blick auf Madonnen- oder Christophorusfiguren solle dazu auffordern, vorsichtig zu fahren und etwa riskante Überholmanöver zu meiden. Heiligenbilder oder indische Götterdarstellungen dienten oft nur als Schmuck.
Erinnerungsfunktion
Teilweise komme ihnen auch nur eine "Erinnerungsfunktion" zu; sie riefen Ereignisse wie einen schönen Gottesdienst ins Gedächtnis oder ließen an Freunde und Verwandte denken, die dem Autofahrer das Symbol geschenkt haben. Auch dienten die Symbole als Anregung zum Beten, um so fehlende Gottesdienstbesuche auszugleichen.
Laut Ebertz finden sich in den Autos häufig so genannte "Holzwackelengel", die auf der Armatur oder am Rückspiegel befestigt sind; die Bewegungen bei Erschütterungen würden dann als Zuwendung des Engels interpretiert. Auffällig seien auch "Engeltiere", also Kuschelstofftiere wie Bären oder Schafe mit Flügeln und Heiligenschein. Weiter beobachtet worden sei das "Auge der Fatima", das in vielen orientalischen Ländern den bösen Blick abwehren soll. So genannte Traumfänger sollen böse Träume einfangen und gute herabfallen lassen.
Citroen als "rosenkranzlose Zone"
Die Studie im Auftrag der Akademie Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge wurde nach den Angaben in Freiburg durchgeführt. Insgesamt seien 1.532 PKW mit symbolischen Darstellungen ausfindig gemacht worden. Mit einigen Autofahrern seien Interviews geführt worden.
Laut Untersuchung sind Mercedes "engel- und engeltierfreie Fahrzeuge"; die Autos zeigten vor allem Kreuze, Rosenkränze und Fischdarstellungen und damit das klarste christliche Profil. Dagegen präsentiere sich Citroen als "rosenkranzlose Zone", dafür aber als "Engelmarke".
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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