
Tradition: Ein Gobelin mit dem Porträt des Seligen wurde an der Fassade des Petersdoms enthüllt.
Benedikt XVI. erhebt seinen Vorgänger zur Ehre der Altäre
Seliger Johannes Paul II.
Vatikanstadt. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) ist offiziell als Seliger der katholischen Kirche anerkannt. Sein Nachfolger Benedikt XVI. erhob ihn am Sonntagvormittag (01.05.2011) bei einer Festmesse auf dem Petersplatz zur Ehre der Altäre. "Der Diener Gottes Johannes Paul II., Papst, darf ab sofort Seliger genannt werden", sagte Benedikt XVI. in der feierlichen Proklamationsformel.
Als Festtag bestimmte er nach den Normen des Kirchenrechts den 22. Oktober, den Jahrestag des Amtsantritts des Wojtyla-Papstes im Jahres 1978. Zuvor hatte Roms Kardinalvikar Agostino Vallini Benedikt XVI. nochmals um die Seligsprechung des polnischen Papstes gebeten und dessen Lebenslauf verlesen. Unter den Applaus der mehreren hunderttausend Teilnehmer wurde dann das Bild des neuen Seligen an der Fassade des Petersdoms enthüllt. Es zeigt eine Aufnahme des neuen Seligen aus dem Jahr 1995.
Mit der Kraft eines Riesen
Der Papst aus Polen habe Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft für Christus geöffnet, sagte Benedikt XVI. in seiner Festpredigt. Mit der »Kraft eines Riesen« habe er gegen eine scheinbar unumkehrbare Tendenz den Christen wieder Mut gemacht, sich zu Christus und zur Kirche zu bekennen. Johannes Paul II. habe die Kirche ins dritte Jahrtausend geführt und ihr eine neue Orientierung auf die Zukunft hin gegeben. Zudem habe er mit Erfolg die Auseinandersetzung mit dem Marxismus geführt.
Johannes Paul II. habe den »Dienst der Hoffnung«, der zuvor von Marxismus einerseits und Fortschrittsideologie andererseits vereinnahmt worden war, wieder für das Christentum beansprucht, sagte Benedikt XVI. Er selbst habe den neuen Seligen im Verlauf der 23 Jahre dauernden engen Zusammenarbeit im Vatikan »immer mehr geschätzt«. Inmitten seiner vielfältigen Amtsverpflichtungen sei Johannes Paul II. immer wieder »in die Begegnung mit Gott eingetaucht«.
Auch in seinem Leiden sei Johannes Paul II. »stets der Fels geblieben, wie Christus es gewollt hat«, so Benedikt XVI. Seine tiefe Demut habe ihm auch in seiner Gebrechlichkeit ermöglicht, »die Kirche weiter zu leiten und der Welt eine noch beredtere Botschaft zu geben«. Auf diese Weise habe Johannes Paul II. »in einzigartiger Weise die Berufung eines jeden Priesters und Bischofs verwirklicht«, betonte Benedikt XVI.
Bewegt erinnerte er an den Tod und die Begräbnisfeier seines »geliebten Vorgängers« Johannes Paul II. im April 2005. »Groß war der Schmerz über den Verlust, aber noch größer war die Erfahrung einer unendlichen Gnade, die Rom und die ganze Welt umfing«. Schon an jenem Tag habe man »den Duft seiner Heiligkeit« gespürt. Daher habe er einen raschen Verlauf des Seligsprechungsverfahrens gewünscht, freilich unter Beachtung der bestehenden Normen. »Heute ist der erwartete Tag gekommen; er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat: Johannes Paul II. ist selig.«
Papst Benedikt XVI. küsst die Reliquie mit dem Blut von Papst Johannes Paul II. |
Blutreliquie
Unterdessen wurde eine Blutreliquie von Johannes Paul II. in einem wertvollen Behälter zum Papstaltar gebracht. Getragen wurde sie von der polnischen Schwester Tobiana, die den Papst viele Jahre lang als Haushälterin und Krankenschwester betreute, sowie von der französischen Ordensfrau Marie Simon-Pierre Normand. Ihre medizinisch nicht erklärliche Heilung von der Parkinson-Krankheit war vom Vatikan als ein "Wunder" auf Fürsprache von Johannes Paul II. anerkannt worden. Das Blut war in der letzten Lebensphase des Wojtyla-Papstes von den Ärzten für den Fall einer eventuellen Transfusion abgenommen, dann aber nicht mehr verwandt worden.
Zu der Zeremonie trug Benedikt XVI. Paramente seines Vorgängers. Sowohl das Messgewand wie auch die Mitra hatte Johannes Paul II. häufig bei liturgischen Feiern benutzt. Zudem feierte Benedikt XVI. die Messe mit dem Kelch des neuen Seligen. Konzelebranten waren neben den anwesenden Kardinälen auch die beiden Privatsekretäre des Wojtyla-Papstes: Stanislaw Dziwisz, heute Kardinal in Krakau, und Mieczyslaw Mokrzycki, Erzbischof von Lviv (Lemberg). Bei der Messe teilten 800 Geistliche die Kommunion aus.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Fotos: Markus Nolte, KNA
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