Erzbischof Zollitsch: Geistliches und existenzielles Werk
Lob und Kritik für zweites Jesusbuch Papst Benedikts XVI.
Bonn. Der zweite Teil des Jesusbuches von Papst Benedikt XVI. erntet Lob und Kritik. Während Kirchenvertreter den theologischen Gehalt des Werks hervorhoben, kam Kritik aus akademischen Kreisen. Der zweite Teil des auf drei Bände angelegten Werks "Jesus von Nazareth" handelt von den letzten Tagen in Jerusalem, der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu und erscheint in acht Sprachen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte das Buch einen wichtigen Impuls für das gesellschaftliche Gespräch über Religion. Es handele sich um ein "geistliches und existenzielles Buch", mit dem der Papst auch die "Zweifel des modernen Menschen" am christlichen Glauben aufnehmen wolle, sagte Zollitsch. Er sprach von einem Meilenstein und der "Fortschreibung der großen Summe der Theologie dieses Papstes". Dieser zeige in dem Buch, dass der Auslöser für den Glauben an Jesus als Sohn Gottes "nicht nachösterliche Verkündigung, sondern der historische Jesus von Nazareth selbst" sei.
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bezeichnete das Buch als für jeden "lesbar und lesenswert". Es sei zugleich das persönlichste Buch, das er kenne. Sicher setze es fachliches Grundwissen voraus. So gebe es Teile, die theologisch sehr anspruchsvoll seien, und andere "die sehr einfach sind, die Herz und Seele ansprechen". Das Buch werde auch der Ökumene einen neuen Impuls geben. Es lenke von Kontroversthemen zum verbindenden Ursprung Jesus von Nazareth hin.
Ein "großartiges und sehr persönliches Geschenk" nannte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann das Buch. Benedikt XVI. führe darin das österliche Geheimnis vor Augen "und damit das Geheimnis unserer Erlösung", erklärte er. Seine einfache und zugleich klare Sprache sei "wohltuend" und helfe, in das Geheimnis der Erlösung durch Jesus Christus hineinzufinden.
Der brasilianische Theologe Leonardo Boff griff den Papst für dessen theologisches Wirken an. "Statt den Glauben zu stärken, frönt er seiner wissenschaftlichen Eitelkeit", sagte Boff, der in den 1980er Jahren von Kardinal Joseph Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, mit einem Rede- und Lehrverbot belegt worden war.
Kritik am Papstbuch kam auch vom Althistoriker Gerd Lüdemann. Benedikts Jesusbild widerspreche den Ergebnissen der historischen Forschung, sagte der Göttinger Professor für christliche Frühgeschichte. Dabei orientiere sich der Papst "an den allgemein als sekundär eingestuften Evangelien". Die ältesten Ostertraditionen sprächen gar nicht von einer Begegnung zwischen Menschen und dem auferstandenen Jesus.
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