
Bischof Stephan Ackermann.
Bischof Stephan Ackermann seit einem Jahr Missbrauchsbeauftragter
Kein "Ober-Ermittler"
Trier. Er hat einen Zusatz-Job, um den ihn wohl keiner beneidet: Seit einem Jahr, ist der Trierer Bischof Stephan Ackermann Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz. In der wohl größten Krise der Kirche seit Jahrzehnten hat der heute 47-Jährige seine Aufgabe bisher ziemlich souverän gelöst. Mit der Ernennung eines Missbrauchsbeauftragten wollten die Bischöfe schon in der Anfangsphase des Skandals das Signal senden, dass es der Kirche beim Thema Missbrauch um Aufklärung geht.
Warum ihm die Aufgabe zufiel? "Ich war fast 15 Jahre in der Priesterausbildung tätig", sagte er, nachdem die Amtsbrüder ihn als damals zweitjüngsten Bischof mit der Aufgabe betraut hatten. Dazu kommt, dass sich Ackermann rascher und deutlicher als die meisten Bischöfe zum Skandal geäußert hatte. Und einen Führungsstil pflegt, den er selbst so beschreibt: "kooperativ, strukturiert und zielorientiert".
Selbstkritisch und authentisch
"Nicht Ober-Ermittler, sondern Koordinator", so definiert der in Mayen in der Eifel Geborene seine Aufgabe. Mit dem neuen Amt verbundene Auftritte - etwa in Talkshows - meisterte er zunehmend klarer und offensiver. Dass es der Bischofskonferenz im Lauf des Jahres gelang, Glaubwürdigkeit durch die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals zurückzugewinnen, lag nicht zuletzt an seinem selbstkritischen, und doch selbstbewussten, authentischen Auftreten.
Ackermann fand klare Worte. Restlose Aufklärung, weil die Opfer ein Recht darauf haben. Opferschutz ist wichtiger als der Schutz der Institution Kirche. Aber kein Generalverdacht gegen Priester. Den Zölibat verteidigte er ausdrücklich und nahm ihn gegen "ungerechtfertigte Anwerfungen und populistische Argumente" in Schutz. Für die Kirche rief er eine Zeit für Gewissenserforschung, Umkehr und Bescheidenheit aus. Angesichts immer neuer Horrormeldungen betonte er, es sei nicht die Zeit für vollmundige politische Stellungnahmen und offensive Mission.
Heikle Entschädigungsfrage
Auf die Frage, auf welcher von zehn Stufen die Kirche bei der Bewältigung des Skandals stehe, sagte Ackermann kürzlich: "Bei etwas über der Hälfte, bei 6." Innerhalb eines Jahres habe die Bischofskonferenz Missbrauchsbeauftragte ernannt, die Telefon-Hotline ins Leben gerufen, Leitlinien für den Umgang mit Tätern verschärft, ein Präventionskonzept verabschiedet und - als einzige betroffene Institution - ein Modell zur materiellen Anerkennung erlittenen Unrechts vorgelegt. Es fehle noch die Aufarbeitung einzelner Fälle, die wissenschaftliche Aufarbeitung und die Umsetzung des Präventionskonzepts.
Heikel ist für den Trierer Bischof die Festlegung einer konkreten Entschädigungssumme. "Ich kann verstehen, dass die Ungeduld vieler Opfer wächst und man es nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag hinausschieben will", sagt Ackermann, der auf einvernehmliche Lösungen am Runden Tisch drang, aber dafür mittlerweile wenig Chancen sieht.
Mitte März Summen nennen
Auch innerkirchlich waren die Absprachen schwierig, sind die Jesuiten und die Benediktiner von Kloster Ettal mit eigenen Modellen nach vorn geprescht. Eine Beteiligung der Kirche an einem gemeinsamen Entschädigungsfonds, den Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gefordert hatte, lehnt Ackermann ab.
Jetzt wollen Bischöfe und Ordensobere bis Mitte März Summen nennen, wie der Missbrauchsbeauftragte mitteilte. Zudem kündigte er einen "Bußakt" der Bischöfe an. Zur Eröffnung ihrer Frühjahrsvollversammlung in Paderborn wolle die Bischofskonferenz "ein Zeichen der Umkehr, der Besinnung und des Willens zur Erneuerung setzen".
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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