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11.12.2018
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Ann-Christin Krechting.

Vorurteilen gegenüber dem Klosterleben ließ Ann-Christin Krechting in ihrem Buch "Oh mein Gott" keinen Raum.

Ann-Christin Krechting diplomierte über Ordensfrauen

Keine Kloster-Klischees

Düsseldorf. Vorurteile gegen das Klosterleben kannte Ann-Christin Krechting aus ihrem Umfeld genug. Das wollte die Design-Studentin so nicht stehen lassen und gestaltete ein aufwändiges Buch.

Das schien gar nicht zu passen: Als Ann-Christin Krechting zum Abschluss ihres Studiums des Kommunikationsdesigns in Düsseldorf das Thema ihrer Diplomarbeit vorstellte, war die Reaktion einhellig: "Oh, mein Gott!" Kommilitonen und Dozenten schüttelten den Kopf, als sie ihre Idee vortrug, ein Buch über Ordensfrauen zu gestalten. So etwas hatte es dort noch nie gegeben. Zwei Welten schienen aufeinander zu prallen. Hier die moderne, junge, kunstvolle Welt am Institut für Design in der angesagten Landeshauptstadt und dort das überholte, altmodische, biedere Dasein, fernab vom Zeitgeist. Oder doch nicht?

"Genau mit diesen Klischees wollte ich aufräumen", verrät die 26-Jährige. Was eine Geschichte hatte: in ihrer Jugend in ihrem christlichen Elternhaus  in Ochtrup und in ihren Stationen in der Kirche, etwa als Messdienerin. Vor allem aber in einem Erlebnis während einer Freizeit im Jugendkloster Kirchhellen. Dort lernte sie bei einem Besuch in einem Frauenhaus eine Ordensschwester kennen, die illegal in Deutschland lebenden und zur Prostitution gezwungenen Frauen half, aus dem Teufelskreis von Gewalt und Machtlosigkeit auszubrechen. "Ich war tief beeindruckt, wie menschlich nah und verständnisvoll die Ordensfrau mit diesen Frauen umging." Ein Erlebnis, das sie über Jahre beschäftigt habe. "Daher war eigentlich schon zu Studienbeginn klar, worum sich meine Abschlussarbeit drehen sollte."

Denn sie habe damals erleben können, wie weit das herkömmliche Bild der Ordensschwestern und deren wirkliches Leben auseinander lagen. "Wie bodenständig und mitten in der Welt diese Frauen waren." Und genau diese Distanz wollte sie mit ihrem Buch überwinden. "Ich wollte ein wenig aufräumen mit den Vorurteilen." Was lag da näher, als etwas zu gestalten, das von der Hülle und vom Inhalt das reale Leben der Ordensfrauen widerspiegelte? "Dabei wollte ich nicht einfach eine hübsche Aufmachung über die Klischees stülpen, sondern mich bei der Gestaltung von der Wirklichkeit dieser Frauen leiten lassen."

Zeit im Kloster

Die aber wollte sie zunächst näher kennen lernen. Daten und Fakten waren schnell recherchiert: Wie viele Frauenorden gibt es in Deutschland, wie viel Nachwuchs, wie ist die regionale Verteilung, welche Historie haben die Gemeinschaften ...? Dabei sollte es jedoch nicht bleiben. "Ich wollte eintauchen in ihren Alltag." Deshalb ging sie ins Kloster, jeweils vier Tage an drei verschiedenen Orten. Bei den Franziskanerinnen in Münster war sie, bei den Benediktinerinnen in Dinklage und bei den Dominikanerinnen in Schwalmthal. "Gerade diese Tage haben mir tolle Begegnungen gebracht und vieles in einem neuen Licht erscheinen lassen."

Entstanden ist daraus ein Buch, das über Eindrücke, detaillierte Beschreibungen und aufmerksam wahrgenommene Einzelheiten einen Bogen von den klassischen Klischee-Aussagen zu einer veränderten Wahrnehmung des Ordenslebens spannt. "Ich habe versucht, ein ehrliches Bild zu zeichnen, das die vielen modernen und weltoffenen Aspekte enthält, ohne Traditionen zu verleugnen." Im Vorwort noch listet sie viele Vorurteile auf, denen sie zu Beginn ihrer Recherche begegnete: "Dürfen sie in Urlaub fahren?" "Gehen nur frustrierte Frauen dorthin, die keinen Mann abbekommen haben?" "Werden ihnen die Haare abgeschnitten?" Auch die fatalistische Bemerkung: "Hauptsache, du kommst wieder!" Bis zum Resümee auf den letzten Seiten bleibt wenig davon übrig. Denn ihre Erfahrungen waren andere. Und sie waren so intensiv, dass sie kaum eines dieser Vorurteile aufrecht erhalten konnte.

"Ich wurde in den Klöstern mit offenen Armen aufgenommen, gerade weil ich als Design-Studentin ein außergewöhnlicher Gast war." Sie erlebte den Alltag der Schwestern, aß und betete mit ihnen und durfte den ein oder anderen Blick in die Klausur werfen. Dabei führte sie Interviews, fotografierte und zeichnete Situationen und Menschen. "Bei diesen vielen Begegnungen gab es so manches Aha-Erlebnis." Erkenntnisse, mit denen sie nicht gerechnet hatte. Etwa, wie nah die Schwestern in ihren täglichen Aufgaben am Leben der Menschen sind. "Eine Schwester lebte in einer Wohngemeinschaft mit Studenten, eine andere in ihrem eigenen Appartement."

Ganz und gar nicht weltfremd habe sie so manche Ordensfrau kennen gelernt. "Mit beeindruckenden Lebensgeschichten und verantwortungsvollen Aufgaben." Sie sprach genauso mit der Architektin und der Controllerin in der Krankenhausverwaltung wie mit Sozialarbeiterinnen und Krankenschwestern. "Ich habe bemerkt, dass ich vieles über das Kloster wusste, aber längst nicht alles." Dabei sei das klösterliche Leben weit entfernt davon, "alle gleich zu machen". Sicher müsse man beim Eintritt ins Kloster etwas von seiner individuellen Freiheit opfern. "Dafür erfährt man aber auch eine Gemeinschaft, auf die man sich verlassen kann und die den Rücken frei hält für die eigenen Aufgaben."

Es waren aber vor allem die vielen menschlichen Geschichten, die sie beeindruckten. Sie hätten gezeigt, dass "eine Ordenstracht nicht ein anderes Wesen aus einem Menschen macht". So der Satz einer Novizin, die gestand, nicht mehr ohne eine kleine Tube Waschmittel in der Tasche aus dem Haus zu gehen, seitdem sie das weiße Novizinnen-Gewand trage.

Sicher seien auch einige Klischee-Vorstellungen bedient worden, sagt Ann-Christin Krechting. "Ein wenig stimmte immer." Im kontemplativen Ordensleben der Benediktinerinnen in Dinklage etwa habe sie manchmal schon das Gefühl gehabt, in eine "Parallelwelt" abzutauchen. "Beim intensiven Gebet oder wenn beim Essen geschwiegen wurde." Das alles aber seien Akzente gewesen, welche die Schwestern bewusst gesetzt hätten: "Da sind sie anders, weil sie anders sein wollen."

All diese Erfahrungen spiegeln sich im Design des Buches wider. Es gibt kaum ein Detail, das nicht eine inhaltliche Aussage unterstützt. Auf den ersten Blick kommt es wie ein altes Kirchenbuch daher, in Leder mit goldenem Lesezeichen. "Eine wunderschöne, traditionsreiche Aufmachung, aber neu präsentiert." Denn das Leder ist pink. "Damit wollte ich unterstreichen, dass es auch im Kloster immer noch um Frauen geht, mit gleichen Problemen und Gedanken wie bei jeder anderen Frau."

Es braucht Mut

In alter Schriftart auf vergilbt wirkendem Papier gibt es mit Ornamenten verziert Daten und Fakten rund um die Frauenorden. Die Auszüge aus ihrem Tagebuch dagegen stehen in moderner Schrift auf strahlend weißem Papier. Auch bei den Grafiken und Bildmotiven spannt sie einen weiten Bogen. Das historische Foto von der Novizin mit dem Koffer, die ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen scheint, gehört genauso dazu wie ihre Porträtzeichnungen und Fotos von den Menschen, denen sie begegnete. Von den vielen Zitaten und Bibelversen, die sie verwendet, um Kapitel zu trennen und Porträts zu untermalen, sind ihr jene Worte von Vincent van Gogh besonders ans Herz gewachsen: "Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?" Das habe sie erfahren können: "Ins Kloster zu gehen, hat auch viel mit Mut zu tun."

Am Ende ist ihr Resümee deutlich: "Die heutigen Klischees sind die Realität von vor 50 Jahren." Jeder sollte einmal für ein paar Tage in das Leben eines Ordens abtauchen, um das zu erfahren. Es lohne sich, die Distanz zu überwinden, die gar nicht so groß sei, sagt Ann-Christin Krechting: "Auch ich war auf der Hinfahrt zu den Klöstern immer nervös, auf der Rückfahrt aber fasziniert." Vielleicht könne ihr Buch helfen, Barrieren zu den Ordensmenschen abzubauen. "Denn in einer immer schnelllebigeren und oberflächlicher werdenden Gesellschaft ist es ein großes Geschenk, dass es solche Frauen gibt." Sie versucht derzeit, eine Publikation des Buchs zu realisieren. Ihre Dozenten hingegen waren schon vom Prototyp begeistert: "Note eins. Bestanden!"

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  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.designbuero-krechting.de

Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
06.02.2011

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