
Den Weihnachtssegen erteilte Papst Benedikt XVI. in 65 Sprachen.
Anschläge überschatten Weihnachtsfest
Papst: Frieden in Nahost und Religionsfreiheit für China
Vatikanstadt/Deutschland. Papst Benedikt XVI. hat an Weihnachten zu Frieden, Gerechtigkeit und Achtung der Religionsfreiheit in aller Welt aufgerufen. In seiner traditionellen Weihnachtsbotschaft forderte er am Samstag (25.12.2010) zur Suche nach einem gerechten und friedlichen Zusammenleben von Israelis und Palästinensern auf. Er mahnte zum Gebet für die leidgeprüften christlichen Gemeinden im Irak und im ganzen Nahen Osten. Mit deutlichen Worten beklagte er die Einschränkung von Religions- und Gewissensfreiheit für die Kirche in China und sprach den Gläubigen Geduld und Mut zu.
Nach seiner in alle Welt über Radio, Fernsehen und Internet übermittelten Weihnachtsbotschaft spendete Benedikt XVI. den traditionellen Segen "Urbi et orbi". Zuvor sprach er Weihnachtswünsche in 65 Sprachen. Auf Deutsch sagte er: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"
Zollitsch: Gegen Freigabe von Gentest
Die beiden großen Kirche in Deutschland riefen zu Solidarität und Einsatz für den Frieden auf. Christen sollten sich mit dem gleichen Engagement gegen Krieg und Zerstörung der Schöpfung einsetzen wie gegen eine Einteilung in wertes und unwertes Leben, forderte der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Ähnlich äußerte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider. Er beklagte, dass die Welt immer wieder darauf setze, "mit kriegerischer Gewalt den Krieg zu besiegen und mit militärischer Gewalt das Unrecht und den Terror zu überwinden".
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sprach sich gegen eine Freigabe von Gentests an Embryonen aus. "Wir sind nicht Herren über Leben und Tod, auch nicht darüber, wer geboren werden darf und wer nicht", sagte er im Freiburger Münster. Die Fälle sexuellen Missbrauchs haben nach Einschätzung Zollitschs in der Kirche Wunden hinterlassen. Die Kirche sei vielleicht auch deswegen hart getroffen worden, weil sie an das eigene Handeln hohe moralische Ansprüche anlege, sagte er. Ähnlich äußerte sich auch Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück. Er hat in seiner Weihnachtsbotschaft auf die große Sehnsucht der Menschen nach neuen Aufbrüchen in Kirche und Gesellschaft hingewiesen. Die schweren Verfehlungen, die in der Kirche in den vergangenen Monaten ans Licht gekommen seien, hätten die Menschen sehr erschüttert und dürften nicht verdrängt werden, sagte Bode am ersten Weihnachtstag im Osnabrücker Dom.
Anschläge in Nigeria und auf den Philippinen
Christen in aller Welt haben am Freitag und Samstag das Weihnachtsfest gefeiert. Auf den Philippinen und in Nigeria wurden Christen im Zusammenhang mit Weihnachtsgottesdiensten bei Bombenattentaten getötet oder verletzt. Dagegen verliefen die Feierlichkeiten in Bethlehem in harmonischer Stimmung. Selten zuvor waren so viele Pilger in die Geburtsstadt Jesu gekommen.
In der Stadt Jos in Zentralnigeria kamen an Heiligabend bei Bombenattentaten 20 Menschen ums Leben; sieben weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Nach Informationen der Zeitung »Leadership Weekend« explodierten insgesamt vier Bomben in der Altstadt. Einer der Sprengsätze war ganz in der Nähe einer katholischen Kirche platziert. Als er explodierte, seien mehrere Menschen, die auf dem Weg zum Gottesdienst waren, ums Leben gekommen. Wer hinter den Anschlägen steckt, ist noch unklar. Beobachter gehen davon aus, dass es sich um radikale Muslime handeln könnte. Dafür spricht, dass alle vier Bomben in vorwiegend christlichen Gebieten deponiert waren. Außerdem sei für die Tatzeit Heiligabend gewählt worden.
Auf den Philippinen wurden am Samstag bei einem Bombenanschlag auf eine katholische Kirche sieben Menschen verletzt. Das Attentag auf der südphilippinischen Insel Jolo habe sich während eines Weihnachtsgottesdienstes ereignet, meldete das Nachrichtenportal der Bischofskonferenz der Philippinen. Über die Täter gibt es noch keine Informationen. Jedoch ist die Insel Jolo eine Hochburg der Terrororganisation Abu Sajaf, die mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbunden ist.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, mtl | Foto: Michael Bönte
25.12.2010
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