Erster Zwischenbericht der Bischofskonferenz
Mehr als 3.000 Missbrauchs-Opfer nutzen Telefon-Hotline
Bonn. Mehr als 3.000 Anrufer haben sich bisher an die Hotline der Deutschen Bischofskonferenz für Opfer sexueller Gewalt gewandt. Laut einem Zwischenbericht, den die Bischofskonferenz am Donnerstag (25.11.2010) in Bonn vorlegte, wurden von März bis Mitte Oktober 3.431 Gespräche am Telefon geführt und 213 Internetberatungen in Anspruch genommen. 22.845 Menschen informierten sich online über das Angebot.
Laut Auswertung thematisierten 664 Nutzer der Hotline Sexualdelikte aus dem kirchlichen Umfeld; 432 davon seien nach Opfer-Aussagen durch Priester oder Ordensleute begangen worden. 393 Sexualdelikte außerhalb kirchlichen Umfelds seien benannt worden, etwa durch Lehrer in staatlichen Schulen und Internaten, Familienangehörige oder Verantwortliche in Vereinen. Jeder siebte Betroffene gab an, einmal missbraucht worden zu sein; fast 70 Prozent aber seien mehrmals und 14 Prozent fortdauernd missbraucht worden. Rund 97 Prozent der Anrufenden berichteten, zum Tatzeitpunkt katholisch gewesen zu sein. Mehr als jeder zehnte betonte, er sei inzwischen aus der Kirche ausgetreten.
Beratung und Therapie
Fast die Hälfte der Anrufer (46 Prozent) informierte sich über Angebote für Beratung und Therapie. Rund ein Drittel wurde an die zuständigen Diözesan- und Ordensbeauftragten zu Fragen des Missbrauchs weitergeleitet. Knapp neun Prozent wurden an die Heimkinder-Hotline der Bischofskonferenz überwiesen. Das Thema "Entschädigung" sprachen jeder siebte Anrufer an. Die meisten berichteten Fälle stammten den Angaben zufolge aus den 1950er, 60er und 70er Jahren und sind damit strafrechtlich verjährt.
In den Gesprächen zeigte sich laut Beratern deutlich, dass die Opfer sexualisierter Gewalt eine stark differenzierte Gruppe darstellten. Sie reiche von Personen, die angaben, lebenslang unter traumatischen Schädigungen und psychischen Problemen zu leiden, bis zu solchen, deren Verletzungen erkennbar gut geheilt und bewältigt worden seien. "Die Entscheidung hat sich bewährt, die Hotline mit beraterisch-therapeutisch ausgebildeten psychologischen und sozialpädagogischen Fachkräften zu besetzen."
"Es scheint sich insgesamt die Frage nach einer durchgehenden kirchlichen Aufmerksamkeits- und Transparenzkultur zu stellen", heißt es in der Mitteilung der Bischofskonferenz. Immer wieder habe es den Wunsch gegeben, dass die Kirchenleitung die Straftaten an Kindern in ihrem ganzen Ausmaß und den verheerenden Auswirkungen zur Kenntnis nehme und die Minderjährigen besser schütze. Zugleich hätten viele angegeben, sie hätten über die Hotline zum ersten Mal ihre Scheu überwinden und über ihre Erfahrungen sprechen können. Die bundesweite Hotline für Opfer sexueller Gewalt ist ein Angebot, das die Lebensberatung im Bistum Trier im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz durchführt.
Kontakt zur Hotline
Die Beratung ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 13 Uhr bis 21 Uhr unter Tel. 0800 / 1201000 erreichbar. Der Anruf ist kostenlos.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Kirche startet Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer (30.03.2010)
Bistumshandbuch: Missbrauchskommission
Übersicht: Kindesmissbrauch
Mehr zum Thema im Internet:
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
25.11.2010
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