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24.05.2012
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Papst Benedikt XVI.

Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" hatte am Sonntag Auszüge aus dem Papst-Interviewbuch "Licht der Welt" veröffentlicht. Dazu gibt es zahlreiche Reaktionen.

"Benedikt XVI. geht sehr differenziert auf das Thema ein"

Lebhafte Reaktionen auf Papstaussage zu Kondomen

Bonn. Die vorab veröffentlichten Interviewaussagen von Papst Benedikt XVI. zum Gebrauch von Kondomen sind auf Zustimmung, aber auch auf Skepsis gestoßen.

Der Chef des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor, Josef Sayer, begrüßte im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag (22.11.2010) den Schritt des Papstes. Er bedeute Rückendeckung für alle, die mit Aidskranken arbeiten oder Jugendliche an einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität heranführen, so Sayer. In der Praxis seien Kondome für die Partner von Misereor im Kampf gegen Aids ohnehin kein Tabu.

Früherer päpstlicher Haustheologe: "Ausnahmefälle"

Die Äußerungen des Papstes beziehen sich nach den Worten von Kardinal George Cottier nur auf "Ausnahmefälle". Ein solcher liege etwa bei HIV-Infizierten vor, sagte der frühere päpstliche Haustheologe der römischen Tageszeitung "Il Messaggero". Wenn man in einer Extremsituation lebe, könne es von einem moralischen Standpunkt aus erlaubt sein, das Leben auch mit "falschen Hilfsmitteln" zu verteidigen, sagte der Dominikaner. Der beste Schutz bleibe aber die Enthaltsamkeit.

Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" hatte am Sonntag Auszüge aus dem Papst-Interviewbuch "Licht der Welt" veröffentlicht. Demnach sagt Benedikt XVI., die Verwendung eines Kondoms etwa durch einen Prostituierten könne ein erster Schritt zur Übernahme von Verantwortung sein. Dies sei jedoch nicht die "eigentliche Art, das Übel der HIV-Infektion zu besiegen", so der Papst.

Schockenhoff: Erstaunliche Realitätsnähe

Das katholische Hilfswerk Missio ist dem Papst "dankbar" für seine Stellungnahme. "In klaren Worten geht Benedikt XVI. sehr differenziert auf das Thema ein", sagte missio-Präsident Klaus Krämer der KNA in Aachen. Der Papst reduziere den Kampf gegen Aids nicht auf die Frage nach dem Kondomgebrauch und stärke zugleich den kirchlichen Partnern in den Entwicklungsländern den Rücken. Die Aussagen seien "ein wichtiger Schritt nach vorne" im Kampf gegen Aids.

Nach Einschätzung des Freiburger katholischen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff zeigen die Aussagen des Papstes "eine erstaunliche Realitätsnähe, die man in vielen kirchlichen Lehramtsäußerungen nicht findet". Zwar sei das Interview keine offizielle Lehraussage, habe aber erhebliche Verbindlichkeit, sagte Schockenhoff der KNA in Freiburg. Eindeutig umfassten die gewählten Formulierungen auch die Erlaubnis zur Kondombenutzung für Ehepartner, von denen einer HIV-positiv ist.

Küng: Taktische Anpassung

Auch die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) begrüßte die Papstworte. Sie seien ein wichtiger Schritt im Kampf gegen HIV und Aids, erklärte DAH-Vorstandsmitglied Tino Henn in Berlin. Man hoffe, dass dies erst der Anfang sei "hin zu einer zeitgemäßen Haltung für eine selbstbestimmte Sexualität und wirksame Verhütung vor ungewollten Schwangerschaften und vor sexuell übertragbaren Krankheiten allgemein".

Der Theologe Hans Küng nannte die Aussagen des Papstes eine "taktische Anpassung". Es sei zwar lobenswert, dass Benedikt XVI. von der offiziellen Linie abrücke, sagte Küng dem Internetportal sueddeutsche.de. Eine grundsätzliche Wende wäre aber erst erreicht, wenn die Kirche ihre Position aufgebe, dass Empfängnisverhütung unsittlich sei.

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