
Zu den seinen engsten Beratern erhob Papst Benedikt XVI. 24 neue Kardinäle.
Bischöfe empfangen Kardinalsrot
Papst kreiert Kardinäle
Vatikanstadt. Es war genau 11 Uhr 46, die Orgel spielte leise im Petersdom, da schickte der Papst den jüngsten seiner neuen Kardinäle in die Hölle: Als Titelkirche vertraute Benedikt XVI. dem vor ihm knienden Münchner Erzbischof Reinhard Marx San Corbiniano im römischen Vorort Infernetto an, zu Deutsch kleine Hölle. Das passt zu Marx, nicht nur, weil die Gemeinde in einem Neubauviertel vor den Toren Ostias nach dem Patron seiner bayerischen Diözese benannt ist.
Der Erzbischof hat in diesem Jahr in Abgründe geblickt, etwa als er sich persönlich die Leidensgeschichte von Opfern des kirchlichen Missbrauchsskandals erzählen ließ. Marx spricht im Rückblick von den "schlimmsten Monaten" seines Lebens. Das Thema verfolgt ihn bis nach Rom. "Das nimmt man mit, das kann man nicht einfach abstreifen", sagt er nach dem feierlichen Gottesdienst am Samstag (20.11.2010).
Lauter Applaus für die neuen Kardinäle
Zu Beginn der Feier verlas Benedikt XVI. die Liste der 24 Würdenträger, die er neu für das Kardinalskollegium bestimmt hatte. Lauter Applaus begleitete die Nennung der Namen und ihrer Funktionen. Besonders laut und lang war der Beifall für Erzbischof Laurent Monsengwo Pasinya von Kinshasa im Kongo und für den Münchner Marx.
In seiner Predigt unterstrich Benedikt XVI. das enge Band der Gemeinschaft, das die neuen Kardinäle mit dem Papst verbinde. Durch das Konsistorium würden die 24 in den engsten Beraterkreis des Papstes aufgenommen; sie nähmen damit Teil an seinen Aufgaben für die Universalkirche. Er habe Persönlichkeiten aus verschiedenen Teilen der Welt ausgewählt, die wichtige Diözesen oder die Behörden der römischen Kurie leiteten oder die mit "beispielhafter Treue der Kirche und dem Heiligen Stuhl gedient" hätten, so der Papst.
Papst: In der Kirche gilt die Logik des Dienens
Allerdings bedeute dieser Dienst für die Kirche nicht Macht und Dominanz, sondern Gehorsam gegenüber Gott und Einsatz für die Kirche und ihre Gläubigen. Der Dienst in der Kirche folge anderen Regeln, einer anderen Logik und einem anderen Modell als in der Welt: "In der Kirche gibt ist keinen Patron; vielmehr werden alle berufen und entsandt, erreicht und geführt von der göttlichen Gnade." In der Kirche gelte die "Logik des Dienens und die Logik des Kreuzes, die Grundlage aller Ausübung von Autorität" seien. Dazu gehöre das Hören auf die Botschaft Gottes und die Nachfolge Christi. Dazu gehöre aber auch die Bereitschaft, das eigene Blut im Dienst für Christus und die Kirche zu vergießen.
Nicht einmal zwei Stunden dauert der für vatikanische Verhältnisse schlichte Wortgottesdienst. Dann wird es eng. Draußen gießt es in Strömen, am linken Hinterausgang entsteht ein kapitales Gedränge. "Wie auf dem Oktoberfest", entfährt es einem Mitglied der Münchner Delegation.
Ökumenische Gratulanten für Marx
Marx hat für sein Gefolge mit Bedacht nicht nur verdiente Katholiken ausgewählt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, ist seiner Einladung gefolgt, und freut sich, dass er damit ein "ökumenisches Zeichen der Verbundenheit" setzen kann. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, ist auch dabei. Sie schwärmt von einem "außergewöhnlichen Erlebnis".
In den nächsten Tagen nehmen die Kardinäle ihre Titelkirchen in Besitz. Marx muss sich gedulden. Das Gotteshaus von San Corbiniano ist noch eine Baustelle. Vor zwei Jahren, als er zum ersten Mal vorbeischaute, war da noch eine "grüne Wiese", erinnert sich der Kardinal. Die kleine Hölle, sie kann noch warten.
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Text: Christoph Renzikowski,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH|
Foto: Michael Bönte
21.11.2010
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