
Mit dem festlichen Konsistorium im Petersdom bringt der Papst das Kardinalskollegium, seinen wichtigsten Beraterkreises, auf ein "Allzeithoch" von 203 Mitgliedern.
Rom rüstet sich für das Konsistorium
Am Samstag kreiert Benedikt XVI. 24 neue Kardinäle
Vatikanstadt. In einem festlichen Konsistorium im Petersdom kreiert Papst Benedikt XVI. am Samstag (20.11.2010) 24 neue Kardinäle - darunter den Münchner Erzbischof Reinhard Marx, den Augsburger Kirchenhistoriker Walter Brandmüller und den aus der Schweiz stammenden vatikanischen Ökumene-Minister Kurt Koch.
Mit der Zeremonie im Petersdom bringt er das Kardinalskollegium, seinen wichtigsten Beraterkreises, auf ein "Allzeithoch" von 203 Mitgliedern. Von diesen könnten jedoch nur die 121 unter 80-Jährigen an einer Papstwahl, der prominentesten Aufgabe des "Kirchensenats", teilnehmen.
Internationalität und Universalität der Kirche
Wie kaum eine andere Zeremonie unterstreicht das Konsistorium die Internationalität und Universalität der Kirche. Rom wird in diesen Tagen sichtbar zum Zentrum der katholischen Welt. Die 24 neuen Purpurträger kommen aus 13 Ländern. Alle lassen sich von "Kardinalsfamilien" aus ihrer Heimat begleiten, denen mitunter mehrere hundert Vertreter unterschiedlichster kirchlicher Gruppen angehören. Zudem reisen hochrangige Politiker an - aus Bayern etwa Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) -, um "ihren" Landsleuten Reverenz zu erweisen, die in das erlesenste Gremium der katholischen Weltkirche aufrücken.
Das Konsistorium, das dritte unter Benedikt XVI., macht das Kardinalskollegium internationaler; zugleich stärkt es aber wieder die Position der Italiener. Von den 20 neuen unter 80-jährigen Kardinälen kommen 11 aus Europa, vier aus Afrika, je zwei aus Nord- und Südamerika und einer aus Asien.
Im Kollegium insgesamt, vor allem im Kreis der möglichen Papstwähler, hat sich das Gewicht der Italiener wieder verstärkt: Stammten bislang 17 der potenziellen Konklave-Teilnehmer aus dem Stiefelland, sind es künftig 25. Allerdings hatte Benedikt XVI. bei seinen ersten Konsistorien die historische Dominanz der Italiener deutlich reduziert: 2006 waren nur 2 der 12 neuen Papstwähler Italiener, 2007 waren es 4 von 18.
Die Hälfte der 121 "Wahlmänner" aus Europa
Fast die Hälfte der "Papstwähler" - 50 von 121 - wurden inzwischen von Benedikt XVI. ernannt, 71 noch von seinem Vorgänger Johannes Paul II. (1978-2005). Die vier noch aus der Ära von Paul VI. (1963-1978) stammenden Kardinäle haben allesamt die Altergrenze von 80 Jahren überschritten. Gut die Hälfte der 121 "Wahlmänner" kommt aus Europa (62). Damit haben sie etwa denselben Anteil wie beim Konklave von 2005. Damals waren unter 115 Wahlberechtigten 58 Europäer. Aus Nordamerika stammen heute 15, aus Lateinamerika 21 Purpurträger. Zwölf kommen aus Afrika, zehn aus Asien und einer aus Australien.
Das stärkste nationale Kontingent zählen im Heiligen Kollegium weiterhin die Italiener mit 48 Mitgliedern; von ihnen sind 25 unter 80 Jahren. Es folgen - was den Kreis der Wahlberechtigten betrifft - die USA mit 13 "Senatoren", gefolgt von den Deutschen mit dann 6 Purpurträgern. Frankreich, Spanien und Brasilien entsenden je fünf Würdenträger und Polen vier.
Weniger Ordensleute
Etwas zurückgegangen ist der Anteil der Ordensleute im Kardinalskollegium, insbesondere unter den "Papstwählern". Im Kreis dieser 121 stellen derzeit die Salesianer mit fünf Ordensleuten die größte Gruppe, gefolgt von den Franziskanern mit drei und den Jesuiten mit nur noch zwei "Wahlmännern". Sechs weitere Jesuiten-Kardinäle haben die Altersgrenze überschritten.
Angesichts der hohen Zahl von Kurialen, deren Amt automatisch mit dem Kardinalspurpur verbunden ist (darunter sieben italienische), konnte der Papst fürs kommende Konsistorium etliche klassische Kardinalssitze nicht berücksichtigen. So müssen die Erzbischöfe etwa von New York, London, Brüssel, Turin, Florenz oder Toledo auf ein nächstes Konsistorium warten. Jedoch werden im kommenden Jahr 10 und 2012 sogar 13 Senatoren des Papstes die Altersgrenze von 80 Jahren erreichen und damit aus dem Kreis der Wähler ausscheiden. Bei einem Konsistorium in zwei Jahren könnte Benedikt XVI. somit mindestens 23 neue "Wahlmänner" kreieren.
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Text: Johannes Schidelko,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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