
Immer weniger junge Menschen in Europa bezeichnen sich als religiös.
Europaweite Werte-Studie
Wachsende Skepsis gegenüber Religionen
Wien. Immer mehr junge Europäer stehen Religionen skeptisch gegenüber. Laut einer am Donnerstag (04.11.2010) in Wien veröffentlichten Europäischen Wertestudie ("European Values Study") leben die meisten jungen Menschen die sich zu einer Religion bekennen in Polen, Griechenland und Rumänien. Schlusslicht sind die neuen Bundesländer. Nur etwa jeder achte Unter-30-Jährige bezeichnet sich dort als religiös. In Westdeutschland gab mehr als ein Drittel der Befragten an, religiös zu sein.
Die an der Studie beteiligte Religionssoziologin Regina Polak erklärte, "religiös" sei dabei nicht gleichzusetzen mit einem "Glauben an Gott". Religiosität werde noch immer mit der Institution Kirche und Gottesdiensten assoziiert. Dabei lasse sich als europaweiter Trend ein kontinuierlicher Rückgang traditioneller kirchlicher Strukturen feststellen. Zugleich zerfalle das kooperative Staat-Kirche-Verhältnis, so ein weiteres Ergebnis der Studie.
Atheisten bleiben den Daten zufolge trotz einer voranschreitenden religiösen Entfremdung allerdings eine Randgröße. In den meisten europäischen Ländern beträgt ihr Anteil weniger als zehn Prozent. Ausnahmen seien Ostdeutschland, Frankreich und Tschechien. Zugleich stellte die Studie unter jungen Europäern einen Niedergang traditioneller Lebensformen fest. Die Ehe etwa gelte vor allem unter gut ausgebildeten, berufstätigen jungen Europäern als überholt.
Die Europäische Wertestudie ist ein europaweites Forschungsprojekt. Neben ihrem Verhältnis zu Religion befragt die seit 30 Jahren durchgeführte Studie regelmäßig Europäer zu den Themen Familie, Politik und Arbeitsleben. Für die aktuelle Studie wurden Daten aus insgesamt 46 Staaten ausgewertet. Ein Team an der niederländischen Universität Tilburg koordiniert das Projekt. Im Herbst 2011 soll die komplette Studie in einem "Europabuch" veröffentlicht werden.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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