
Weihbischof Dieter Geerlings ist Vorsitzender des Katholischen Krankenhausverbands Deutschland.
Katholischer Klinikenverband wird 100 Jahre alt
Geerlings will Profil kirchlicher Krankenhäuser schärfen
Düsseldorf. Der münstersche Weihbischof Dieter Geerlings hat sich für ein klares christliches Profil kirchlicher Krankenhäuser ausgesprochen. Um dies zu schärfen, sei es "unabdingbar, dass Pflege und Medizin von hoher Qualität sind", sagte der Vorsitzende des Katholischen Krankenhausverbands Deutschland (KKVD) bei dessen 100-Jahr-Feier am Mittwochabend (20.10.2010) in Düsseldorf.
Zudem gehe es darum, dass die Mitarbeiter Zeit für Gespräche mit Patienten hätten. "Dafür muss dann allerdings auch in den Arbeitsplänen Zeit eingeplant werden." Einen großen Stellenwert messe der KKVD der Begleitung sterbenskranker Menschen bei. Kirchliche Krankenhäuser engagierten sich daher überdurchschnittlich bei der Hospizarbeit und in Palliativstationen, sagte Geerlings.
Neher: Krankenhäuser profitieren von Kirchen-Netzwerk
Der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Peter Neher, forderte eine Debatte über Prioritäten im Gesundheitswesen. "Rationierung gibt es schon jetzt", sagte er. Meist geschehe sie indirekt über Personalabbau. Eine gerechte Gestaltung des Gesundheitswesens müsse sich auch daran messen, ob benachteiligte Menschen ausreichende Gesundheitsversorgung erhalten.
Mit Blick auf das christliche Profil kirchlicher Krankenhäuser lobte Neher, der KKVD habe zusammen mit dem Evangelischen Krankenhausverband wesentlich dazu beigetragen, dass Ethikberatung und klinische Ethikkomitees eingeführt wurden. Als große Chance bezeichnete er es, dass kirchliche Krankenhäuser das Netzwerk von Caritas und Kirche nutzen können. "Kein Krankenhaus kann seinen umfassenden Auftrag alleine leisten. Es braucht lokale Unterstützung, ehrenamtliche Mitarbeitende und Vernetzung."
Krankenhäuser sollten nicht nur Anlaufpunkt bei Krankheit sein, sondern sich für die Gesundheit in einer Kommune durch Aufklärung, Patientenberatung und die Vernetzung mit anderen Diensten engagieren, sagte Neher. Als Beispiel nannte er die Zusammenarbeit von Geburtshilfeabteilungen mit den familienunterstützenden Diensten der Caritas.
Verband vertritt jedes fünfte Krankenhaus
Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und frühere Vorstands-Chef des münsterschen Trägers St.-Franziskus-Stiftung, Rudolf Kösters, erinnerte an eine große Fusionswelle in vergangenen Jahrzehnten. Allerdings sei es katholischen und evangelischen Kliniken gelungen, ihren Anteil von einem Drittel aller Häuser zu halten. Er appellierte an die Politik, Krankenhäuser bei den Sparmaßnahmen nicht zu überfordern. Die steigenden Personalkosten müssten aufgefangen werden; sonst drohe eine neue Rationalisierungswelle.
Der 1910 in Essen gegründete KKVD vertritt unter dem Dach des Deutschen Caritasverbands die Interessen von 435 Kliniken in katholischer Trägerschaft mit etwa 98.000 Betten und rund 165.000 Beschäftigten, damit also jedes fünfte deutsche Krankenhaus. In katholischen Krankenhäusern werden alljährlich mehr als 3,5 Millionen Patienten stationär und fünf Millionen ambulant versorgt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Caritas: Sparpläne bei Krankenhäusern überprüfen (15.10.2010)
Geerlings: Patientenversorgung besser verzahnen (06.05.2010)
Geerlings führt weiterhin Krankenhausverband (25.09.2009)
Bistumshandbuch: Krankenhäuser
Übersicht: Weihbischof Dieter Geerlings
Mehr zum Thema im Internet:
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, jjo | Foto: Michael Bönte
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