
Das Thema Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche steht erneut auf der Tagesordnung der Bischofskonferenz, die derzeit in Fulda tagt.
Entschädigung von Missbrauchsopfern
Bischöfe wollen vorerst keine Summen nennen
Fulda. Die Bischöfe Deutschlands wollen sich vorerst nicht auf konkrete Summen für eine Entschädigung von Missbrauchsopfern festlegen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte am Montag (20.09.2010) in Fulda, die Kirche sei grundsätzlich auch zu finanziellen Entschädigungen bereit, wolle aber ein gemeinsames Vorgehen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen am Runden Tisch der Bundesregierung erreichen. Dabei könne es gestufte Regelungen geben.
Die von Opfer-Vertretern geforderten 83.000 Euro Entschädigung pro Person bezeichnete der Erzbischof als für ihn "schlecht vorstellbar". Zollitsch zeigte sich zugleich überrascht über einen Vorschlag des Jesuitenordens, Opfer pauschal mit 5.000 Euro zu entschädigen. Ziel sei ein gemeinsames Vorgehen von Orden und Bistümern.
Welche Folgen muss die Kirche aus Missbrauchsskandal ziehen?
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz bedauerte erneut ein Versagen der Kirche im Missbrauchsskandal. Die Kirche habe Glaubwürdigkeit verloren, auch weil der Schutz der Institution wichtiger genommen worden sei als die Situation der Opfer. Ziel der bis Donnerstag dauernden Herbstvollversammlung der Bischöfe sei es, einen Weg nach vorn zu finden. Zugleich wollen die Bischöfe und Weihbischöfe aus 27 Diözesen in Fulda eine Rahmenordnung zur besseren Vorbeugung verabschieden. Darin werden unter anderem polizeiliche Führungszeugnisse für kirchliche Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit gefordert.
Nach Darstellung des Erzbischofs wollen die Bischöfe außerdem bei ihrer Herbstvollversammlung bei einem eigenen "Reflektionstag" darüber beraten, welche Folgen die Kirche aus dem Missbrauchsskandal ziehen muss und welches Bild die Öffentlichkeit von ihr habe. Dazu wird ZDF-Intendant Markus Schächter den Bischöfen Impulse vermitteln.
In der Debatte um Migration und Integration warnte der Freiburger Erzbischof vor Pauschalurteilen gegen bestimmte Gruppen von Migranten. Auch für "biologistische Ansätze" gebe es keine Rechtfertigung. Dennoch sei es gut, dass die Gesellschaft erneut über Integration diskutiere. Zollitsch verwies darauf, dass Deutschland schon viele Erfolge bei der Integration von Flüchtlingen und Ausländern vorweisen könne.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Archiv
20.09.2010
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